Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Neue Humboldt-Stipendiaten an der LMU

München, 20.06.2011

Fünf neue Humboldt-Stipendiaten haben sich für einen Forschungsaufenthalt an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München entschieden. Professor Constantin Bachas (CNRS, Paris) und Professor Richard Shavelson (Universität Stanford, USA) wurden mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet. Bachas arbeitet an der Fakultät für Physik mit Professor Ilka Brunner zusammen, während Shavelson bei Professor Susanne Weber am Institut für Wirtschaftspädagogik zu Gast ist. Professor Hiroshi Abe (Universität Kyoto, Japan) erhielt ein Humboldt-Forschungsstipendium und ist Gast von Professor Thomas Buchheim am Philosophischen Seminar. Weitere Humboldt-Forschungsstipendien erhielten Dr. Rodrigo Morales (Marquette University, USA), der am Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese und biblische Hermeneutik bei Professor Knut Backhaus tätig sein wird, und Dr. Michael Nash, der bei Professor Hermann Gaub am Center for NanoScience und der Fakultät für Physik zu Gast ist.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung ermöglicht hoch qualifizierten, promovierten ausländischen Nachwuchswissenschaftlern, im Rahmen des Humboldt-Forschungsstipendiums ein Forschungsvorhaben eigener Wahl in Deutschland durchzuführen. Der Humboldt-Forschungspreis wird an herausragende Wissenschaftler vergeben, deren Forschungsergebnisse das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in Zukunft Spitzenleistungen erwartet werden können. Die geförderten Wissenschaftler wählen die jeweiligen Gastgeber selbst aus. Daher ist die Anzahl der Humboldt-Forschungspreisträger und Humboldt-Stipendiaten ein wichtiger Indikator für internationale Kontakte und Reputation.

Constantin Bachas
Der theoretische Physiker Professor Constantin Bachas ist international anerkannt für seine hervorragende Forschung auf dem Gebiet der Stringtheorie. Darunter versteht man einen Ansatz in der Physik, nach dem die Grundbausteine der Materie nicht punktförmige Elementarteilchen, sondern eindimensionale Energiefäden – sogenannte Strings – sind. Die Stringtheorie soll Relativitätstheorie und Quantenmechanik in sich vereinen, sodass alle bisher beobachteten Fundamentalkräfte der Physik einheitlich erklärt werden können. Bachas konnte mit seiner Forschung sowohl zur Klärung vieler fundamentaler Fragen der Stringtheorie beitragen, als auch deren phänomenologische Konsequenzen für die Teilchenphysik erhellen. Wie sich herausstellte, gibt es in der Stringtheorie eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten, die sehr unterschiedliche Eigenschaften haben. Es stellt sich die Frage, ob diese Grundzustände miteinander verbunden werden können. Ein möglicher Ansatzpunkt zu dieser Frage wird durch Defekte in sogenannten zwei-dimensionalen konformen Feldtheorien geliefert, die Bachas während seines Aufenthalts in München studieren wird.

Constantin Bachas studierte Physik an der Princeton University, USA, wo er 1983 auch promovierte. Nach Stationen unter anderem am SLAC National Accelerator Laboratory in Stanford, USA, der Ecole Polytechnique in Palaiseau in Frankreich und dem CERN in Genf, Schweiz, ist der theoretische Physiker Bachas seit 1998 Forschungsdirektor am CNRS (Centre national de la recherche scientifique) in Paris. 2010 wurde Bachas mit dem Gay Lussac Humboldt Preis ausgezeichnet.

Richard Shavelson
Richard Shavelson ist Margaret Jacks Professor of Education an der Stanford University, USA. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten des Assessment und der Evaluation von Lehr- und Lernverfahren und von bildungspolitischen Maßnahmen. Dabei ist er national wie international in zahlreiche Projekte eingebunden. Derzeit wirkt er am richtungsweisenden Verfahren „Collegiate Learning Assessment“ mit, das die akademischen Leistungen von Studierenden an Institutionen im tertiären Bildungsbereich bestimmt. Zugleich erarbeitet er maßgeblich die Verfahren des OECD-AHELO-Projektes, mit denen die Ergebnisse der universitären Ausbildung international in ausgewählten Ländern verglichen werden. Während seines Forschungsaufenthaltes am Institut für Wirtschaftspädagogik arbeitet er zusammen mit Professor Susanne Weber an Verfahren der Kompetenzmodellierung und Kompetenzmessung im ökonomischen Bereich – vor allem im Bereich Entrepreneurship. Konkret geht es darum, wie Kompetenzen angemessen modelliert und gemessen werden können. Weitere Aktivitäten sind die Definition von Zielen, Inhalten und Handlungsmustern, die die Bewältigung beruflicher Handlungssituationen ermöglichen. Die Wissenschaftler hoffen, durch das Projekt weitreichende Konsequenzen in der Ausbildung innerhalb der Bachelorstudiengänge erwirken zu können.

Richard Shavelson promovierte 1971 an der Stanford University, USA, im Fach Pädagogische Psychologie. Von 1973 bis 1975 arbeitete er als Assistant Professor an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), bis er 1975 als Associate Professor an die UC Santa Barbara wechselte, wo er 1979 zum Full Professor ernannt wurde. Von 1987 bis 1993 war Shavelson Dekan der Graduate School of Education in Santa Barbara. 1995 nahm er einen Ruf auf eine Professur für Erziehungswissenschaft an der Stanford University an und war zugleich auch Dekan. Besonders die Entwicklung von Standardprozeduren der empirischen Forschung zeigt seinen weitreichenden Einfluss auf die Forschungsgemeinschaft auf.

Hiroshi Abe
Das Forschungsgebiet des Philosophen Hiroshi Abe umfasst unter anderem die Lehre vom Sein – die sogenannte Ontologie – die Existenzialphilosophie und die Umweltphilosophie.  Als Humboldt-Stipendiat bearbeitet Abe als Gast von Professor Thomas Buchheim am Lehrstuhl III des Philosophischen Seminars an der LMU das Forschungsprojekt „Die existenziale Begründung zukunftsorientierter Verantwortung“. Hauptmotiv für das Thema ist die Tatsache, dass es im gegenwärtigen Zeitalter hoch entwickelter Technologien eines neuen Verantwortungsbegriffs bedarf, der die Vorsorge für künftige Generationen einbezieht. Diese zukunftsorientierte Verantwortung soll aber ontologisch auf menschliches Dasein gegründet werden. Das Forschungsvorhaben umfasst sowohl philosophiegeschichtliche Betrachtungen über die Wechselbeziehung zwischen Verantwortungsdiskussion und Technologie als auch die Frage, ob und wieweit menschliche Verantwortung vor dem Hintergrund natürlicher Gegebenheiten und potenzieller Naturkatastrophen überhaupt möglich ist. Außerdem will Abe die existentiale Fundierung der vorsorgenden Verantwortung untersuchen.

Hiroshi Abe studierte Philosophie an der Universität Kyoto, Japan, wo er 1999 auch promovierte. Anschließend arbeitete er als Assistant Professor an der Graduate School for Human and Environmental Studies der Universität Kyoto und am Research Institute for Humanity and Nature in Kyoto. Seit 2006 ist Hiroshi Abe als Associate Professor (Tenure-Track) an der Graduate School of Human and Environmental Studies der Universität Kyoto tätig.

Rodrigo Morales
Der Theologe Rodrigo Morales beschäftigt sich mit der Interpretation des Neuen Testaments, insbesondere mit den Paulusbriefen. Ab August 2011 wird Morales als Humboldt-Stipendiat am Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese und biblische Hermeneutik bei Professor Knut Backhaus forschen. Im Rahmen seines Forschungsprojekts will Morales eine Brücke zwischen der deutsch- und der englischsprachigen Paulus-Exegese bauen. Die deutsche Forschung deutet Paulus im Gefolge der Reformation von der Rechtfertigungslehre her, die englischsprachige stellt eher die partizipatorische Christologie in den Mittelpunkt. Während seines Aufenthalts an der LMU wird Morales untersuchen, inwieweit sich die soziale und kultische Interaktion des Urchristentums auf die paulinische Theologie auswirkt.

Rodrigo Morales studierte unter anderem an der University of Notre Dame, USA, wo er 2002 mit einem Master in Theologie abschloss. Schwerpunkt seines Studiums waren Bibelwissenschaften.  Anschließend wechselte er an die Duke University, USA, wo er 2007 promoviert wurde. Seit 2007 ist Morales als Assistant Professor an der Marquette University in Milwaukee, USA, tätig.

Michael Nash
Michael Nash spezialisierte sich im Bereich Biotechnik und Nanotechnologie. Dabei interessiert er sich besonders für Polymerchemie, die biologische Erkennung von Stoffen und die Selbstorganisation von Molekülen. Als Humboldt-Stipendiat ist Nash an der LMU am Center for NanoScience und an der Fakultät für Physik zu Gast. In Zusammenarbeit mit Professor Hermann Gaub, der den Lehrstuhl für angewandte Physik und Biophysik an der LMU inne hat, will Nash insbesondere plasmonische Nanostrukturen untersuchen, die DNA als Vorlage für die Selbstorganisation nutzen. Dabei wird er auch die Dynamik von Atomgruppen erforschen, die für die Fluoreszenz dieser Strukturen verantwortlich sind. Außerdem wird Nash die biochemischen und biophysikalischen Eigenschaften synthetischer Polymer-Protein-Komplexe auf Molekülebene untersuchen.

Michael Nash studierte Kybernetik an der Universität von Kalifornien (UCLA) in Los Angeles, USA. 2010 promovierte er an der Universität von Washington in Seattle, USA in den Fächern Bioengineering und Nanotechnologie.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse