Ludwig-Maximilians-Universität München
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Handwerk, Philosophie und Mystik im Schmelztiegel der Wissenschaft

Die Geschichte der Alchemie

München, 06.05.2011

Die pragmatische Handwerks- und Imitationskunst ägyptischer Tempelarbeiter der Pharaonenzeit verschmolz mit griechischer Philosophie – daraus entstand die Alchemie. „Alchemie war nie nur praktische Laborarbeit“, sagt der LMU-Professor Claus Priesner, der in seinem Band "Geschichte der Alchemie" deren spannende und wechselvolle Geschichte erzählt. Vielmehr erschuf die Alchemie ein Weltbild, in dem Mensch und Natur, Geist und Materie aufs Engste miteinander verwoben sind – nicht zuletzt dies ist der Grund für die anhaltende Faszination am alchemistischen Denken. Grundgedanke der Alchemie war, dass es Zusammenhänge zwischen Natur, Mensch aber auch göttlichen beziehungsweise kosmischen Erscheinungsformen gibt, die der Kundige beeinflussen kann. Da beispielsweise die Metalle nicht als unveränderlich galten, sondern wie alle anderen Stoffe auch aus bestimmten Materiekategorien zusammengesetzt sein sollten, stand einer Umwandlung unedler Metalle in Gold prinzipiell nichts im Weg. Schon früh findet sich in alchemischen Schriften die Behauptung, dass diese Umwandlung mittels eines „Steins der Weisen“ möglich ist. Einen Höhepunkt fand diese Vorstellung im Barock, als zahlreiche Scharlatane die chronische Geldnot und Gier der Herrschenden ausnutzten - und meistens wegen Erfolglosigkeit und Betrug am Galgen endeten.

Priesner stellt Leben und Werk herausragender Alchemisten vor dem jeweiligen historischen Hintergrund vor und zeichnet so die Entwicklung der Alchemie von ihren Anfängen an nach. Als herausragende Alchemiker vorgestellt werden - neben zahlreichen weiteren - Roger Bacon (1214/20 bis nach 1492), einer der Begründer der abendländischen Naturforschung, der große Reformer der Medizin Paracelsus (ca. 1493 – 1541) und der herausragende Naturforscher Isaac Newton (1642/43 – 1727).

Spätestens seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert allerdings war die Alchemie als Methode der ernsthaften Naturforschung kaum noch vertretbar, bestand aber in Geheimgesellschaften und als Weg metaphysischer Erklärung und Sinnsuche unangefochten fort. Parallel dazu entwickelte sich ein zweiter Zweig der Alchemie, der über Antoine de Lavoisier (1743-1794) und John Dalton (1766-1844) zur modernen Chemie führte – wobei es lange keine scharfen Grenzen zwischen den Disziplinen gab. (göd)

Publikation:
Geschichte der Alchemie
Claus Priesner
Verlag C.H. Beck, 128 Seiten, München 2011
ISBN: 978-3-406-61601-3

Ansprechpartner:
Professor Claus Priesner
Telefon: 089 / 23031 - 1148
Fax: 089 / 23031 - 1282
E-Mail: Priesner@ndb.badw-muenchen.de
Website: http://www.ndb.badw.de/priesner.htm

 

 

 

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