Ludwig-Maximilians-Universität München
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Ambivalente Hoffnungsträger

Die Moleküle CXCL12/ CXCL4 in der Infarkttherapie

München, 30.11.2011

Sie rekrutieren, mobilisieren und verankern blutbildende und andere Stammzellen im Knochenmark und locken sie auch in schlecht durchblutetes Gewebe nach einem Gefäßverschluss: Der Botenstoff CXCL12 und sein Rezeptor CXCR4 gelten als Hoffnungsträger in der Entwicklung von Therapien bei Herzinfarkt. Ein Forscherteam um Professor Christian Weber vom Klinikum der Universität München hat nun die physiologische, also die „normale“ Funktion der Moleküle im Körper untersucht und ist dabei auf „durchaus zweischneidige Effekte gestoßen“, wie der LMU-Mediziner sagt. Der Herzinfarkt gehört noch immer zu den wichtigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Dabei werden Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, weil wichtige Gefäße blockiert sind. Die Forschung hofft nun, dank CXCL12 und CXCR4 künftig gezielt Vorläuferzellen für die Gefäßbildung in ischämische, also minderdurchblutete Areale des Körpers locken zu können. „Die physiologischen Funktionen des Chemokins und seines Rezeptors waren bislang noch weitgehend ungeklärt, obwohl sie für Therapien und mögliche Nebenwirkungen entscheidend sind“, sagt Weber. „Wir haben deshalb im Tiermodell untersucht, welche molekularen und zellulären Auswirkungen ein Infarkt hat, wenn weniger CXCR4-Rezeptor vorhanden ist – vor allem in Hinsicht auf die Herzfunktion, Narbenbildung, Entzündung und Gefäßneubildung im Herzmuskelgewebe.“ Dabei zeigte sich zur Überraschung der Forscher, dass ein reduzierter CXCR4-Spiegel die Ausweitung des Infarkts sowie die Entzündung des Gewebes deutlich verringert, wobei aber auch der Blutfluss und die Gefäßneubildung eingeschränkt sind. Insgesamt resultierten diese Effekte in einer unveränderten Herzfunktion. „Es gab aber auch Hinweise auf eine verbesserte Anpassung an die Unterversorgung mit Sauerstoff“, betont Weber. „Unsere Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen, deuten aber – vor allem bei einer systemischen Therapie – auf die Gefahr von Nebenwirkungen hin. Möglicherweise muss der Schwerpunkt eher auf lokalen Behandlungsansätzen liegen, etwa direkten Injektionen von Stammzellen mit erhöhten CXCR4-Spiegeln oder von CXCL12-Varianten mit längerer Verweildauer in den Herzkranzgefäße oder betroffenen Arealen des Herzens.“

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