Ludwig-Maximilians-Universität München
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Das süße Leben auf Ameisenart

Sechsbeinige Sklavenhalter mit Kalkül

München, 25.11.2011

Protomognathus americanus hat den Dreh raus. Die nur rund drei Millimeter großen Ameisen dieser Art bilden Kleinstkolonien aus nur wenigen Tieren. Oft passt der gesamte Staat sogar in eine hohle Eichel. Viel Nestpflege fällt hier nicht an. Dennoch rauben die Tiere aus Wirtsnestern einer anderen Ameisenart Puppen, die sie dann als Sklaven für alle Arbeiten in der eigenen Kolonie halten. Der gemeinsame Koloniegeruch lässt die Sklaven glauben, sich im richtigen Nest zu befinden. Der LMU-Biologe Sebastian Pohl konnte nun zeigen, dass sich diese nordamerikanische Ameisenart bei ihren Überfällen wohl flexibel an die Bedürfnisse ihres Staates anpassen kann. „Obwohl jede Kolonie weniger als zehn Arbeiter hat, nehmen immer nur ein paar Tiere an den Raubzügen teil“, sagt der Doktorand am Department Biologie II der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Die anderen bleiben im Nest. Die Arbeitsteilung ist aber – je nach Bedarf an neuen Sklaven – flexibel.“ Unterschiede zwischen den Arbeitern gibt es: Scouts sind unfruchtbar, während die Hälfte der untersuchten Arbeiter im Nest fruchtbar war. Zudem tragen die Tiere verschiedene chemische Duftmarken, die Aufschluss über ihre Artzugehörigkeit und Funktion geben. Ohne Sklaven kann Protomognathus americanus mittlerweile nicht mehr leben und muss deswegen auch das hohe Risiko der Raubzüge auf sich nehmen. Dabei greifen die Tiere bevorzugt besonders große Wirtsnester an – obwohl der Verlust einiger weniger Scouts die gesamte Kleinkolonie gefährden kann. Unterm Strich könnte sich die Hochrisiko-Strategie aber lohnen, wie Pohl und Kollegen in einer vorangegangenen Arbeit zeigten. Denn große Nester versprechen fette Beute. Ein einziger erfolgreicher Raubzug kann den Sklavenhaltern auf lange Zeit ein süßes Leben ermöglichen.

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