Ludwig-Maximilians-Universität München
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Aemulatio in der frühen Neuzeit

Kulturen des Wettstreits in Text und Bild

München, 03.11.2011

Es war ein künstlerischer Wettkampf ohnegleichen, als Michelangelo und Leonardo da Vinci im Jahr 1503 den Auftrag erhielten, an gegenüberliegenden Wänden eines Saales im florentinischen Palazzo Vecchio je eine Kampfszene der jüngeren Vergangenheit zu malen. Obwohl keiner der beiden Künstler sein Werk vollendete, macht diese Episode deutlich, wie sehr Konkurrenz  inszeniert und auch institutionalisiert wurde.  Aemulatio lautet der zentrale Begriff in der Ästhetik der frühen Neuzeit, der über eine reine Nachahmung weit hinausgeht. Denn dabei trat jeder neue Text, jedes neue Kunstwerk nicht nur in die Nachfolge älterer Vorbilder, sondern auch in Wettstreit mit ihnen. „Ziel ist es, das Vorbild nicht nur zu erreichen, sondern möglichst zu übertreffen“, sagt der LMU-Philologe Professor Jan-Dirk Müller, einer der Herausgeber des neuen Werkes „Aemulatio. Kulturen des Wettstreits in Text und Bild (1450-1620)“. In der Literatur ist die Verbindung von aemulatio und Rivalität weniger spektakulär. Aber auch hier konnte die Konkurrenz hart sein – etwa bei erbitterten Debatten um das beste Latein, die beste Nachahmung der Alten und die Geltung einzelner Vorbilder. Doch die aemulatio machte bei Bild und Text nicht halt: Ein Schwerpunkt des Buches ist die Frage, ob aemulatio in der frühneuzeitlichen Kultur nicht auch andere Lebensbereiche prägte und sogar als Epochensignatur zu verstehen ist. „Immerhin eignet sich das Prinzip der aemulatio auch als ein Schlüssel zur Erkenntnis scheinbar sehr weit auseinander liegender Phänomene“, sagt der LMU-Kunsthistoriker Professor Ulrich Pfisterer, der ebenfalls als Herausgeber verantwortlich zeichnete. „Das strahlt selbst in Bereiche aus wie die frühneuzeitliche Wissenschaft.“ Neben der „aemulatio als Epochensignatur“ umfasst das Werk Kapitel zum „Wettstreit der Künste“, den Zusammenhang „Gelehrtensprache – Volkssprache“, den Komplex „Labor, ars und natura“ sowie „Felder/Räume/Praktiken der aemulatio. Mitherausgeber des Buches waren die Germanistin Professor Anna Kathrin Bleuler, die seit Kurzem an der Universität Salzburg beschäftigt ist, sowie der Kunsthistoriker Fabian Jonietz, der mittlerweile am Kunsthistorischen Institut in Florenz arbeitet.

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