Ludwig-Maximilians-Universität München
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„Im Dienst der Nation“

Wenn Nationalismus die bildende Kunst missbraucht

München, 23.05.2011

Kunst und Nationalismus – das ist auch heute noch ein explosives Gemisch. Die Kunsthistorikerin Dr. Martina Baleva von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften etwa konnte nachweisen, dass das Gemälde „Das Massaker von Batak“ des Malers Antoni Piotrowski auf gestellten Fotos basierende Propaganda war – und sah sich massiven Bedrohungen vonseiten bulgarischer Nationalisten ausgesetzt. Denn dieses Gemälde half, den Ort Batak als bulgarischen Erinnerungsort für die 500 Jahre währende Unterdrückung durch die Osmanen zu etablieren. Balevas Text „Fremde Künstler – Eigene Mythen“ zum Fall Batak ist nun in dem Band „Im Dienst der Nation. Identitätsstiftungen und Identitätsbrüche in Werken der bildenden Kunst“ erschienen, den Dr. Matthias Krüger vom Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zusammen mit Dr. Isabella Woldt von der Universität Hamburg herausgegeben hat. Es geht darin unter anderem auch um expressionistische Beiträge zur „neuen deutschen Kunst“, die Erfindung des tschechischen Nationalstils wie auch die Selbstporträts des Malers Giorgio de Chirico. Aber auch Architektur wird betrachtet, etwa die nationale Stadtplanung im päpstlichen Rom, Sakralbauten in Washington, der Limburger Dom als politische Projektionsfläche im Nationalsozialismus und auch das Atatürk-Mausoleum in Ankara in einem Beitrag der LMU-Kunsthistorikerin Professor Burcu Dogramaci. Krüger selbst spürt schließlich der Vereinnahmung des Lokalkolorits in der Malerei Emil Noldes nach. Wie der Kunsthistoriker in „Die Farben der Heimat“ ausführt, war für Nolde das Kolorit kein neutrales Ausdrucksmittel, sondern im Gegenteil hochgradig nationalistisch aufgeladen: „Die bunten Stimmungen, in die der Künstler die Schleswiger Marsch so gerne tauchte, waren also nicht zuletzt ideologischer Natur.“

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