Ludwig-Maximilians-Universität München
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„Der heilige Zeitgeist“

Ein Buch zur protestantischen Theologie in der Weimarer Republik

München, 19.05.2011

Kaum eine Epoche der Theologiegeschichte des neueren deutschen Protestantismus scheint so gut erforscht wie die kurzen vierzehn Jahre der Weimarer Republik. Gelehrte Studien über damals einflussreiche Universitätstheologen füllen inzwischen eigene Bibliotheken. Das internationale Interesse an Leitgestalten des theologischen Diskurses in Weimar, wie etwa Karl Barth, Rudolf Bultmann, Emil Brunner und Paul Tillich, ist ungebrochen. „Dennoch kann die Forschungslage mit Blick auf die Geschichte der akademischen Theologie in den spannungsreichen Jahren zwischen Kriegsende und NS-Revolution nur als insgesamt ungenügend bezeichnet werden“, schreibt der LMU-Theologe Friedrich Wilhelm Graf in „Der heilige Zeitgeist“, seinem neuen Buch zur Ideengeschichte der protestantischen Theologie in der Weimarer Republik. Die 1920er Jahre waren für die protestantische Universitätstheologie eine Zeit hoher intellektueller Erregung, geprägt von radikaler, avantgardistischer Aufbruchsdynamik, harten Generationenkonflikten, scharfen Deutungskämpfen um zentrale theologische Begriffe und viel politischem Streit. Hier wurden jene Geistesrevolutionen inszeniert, die die Geschichten der akademischen Theologie bis mindestens in die späten 1970er Jahre hinein tief greifend prägten – nicht nur im deutschen Sprachraum. In „Der heilige Zeitgeist“ legt Graf Studien zur Wissenschaftsgeschichte der protestantischen Universitätstheologie vor, die seit 1974 entstanden sind, gemeinsam mit bisher Unveröffentlichtem. Gezeigt werden die "shared history" im religiösen Feld, also der enge Austausch mit jüdischen und katholischen Gelehrten, exemplarisch aber auch die aggressiven Generationenkämpfe. So repräsentieren Otto Baumgarten, Ernst Troeltsch, Reinhold Seeberg und Martin Rade die „Wilhelminische Generation“, Friedrich Gogarten, Otto Piper, Paul Tillich und Karl Barth die „Frontgeneration“, während Hans Joachim Iwand für die „überflüssige Generation“ der um 1900 Geborenen steht. (suwe)

 

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