Ludwig-Maximilians-Universität München
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Slumdog Millionaire hautnah

Wenn Touristen die Ärmsten der Armen besuchen

München, 15.03.2011

Vom mittellosen Slumbewohner zum Fernsehstar: Slumdog Millionaire erzählt die Geschichte eines modernen Aschenputtels und wurde dafür 2008 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet. Für viele Zuschauer ist dieses Werk aber auch Anstoß, das unterprivilegierte Dasein der Slumbewohner selbst in Augenschein zu nehmen. Die LMU-Ethnologin Professor Eveline Dürr hat das Phänomen Slumtourismus an einer mexikanischen Müllhalde untersucht, die mehreren Hundert Menschen ein Auskommen sichert – und US-amerikanischen wie kanadischen Touristen auf Slumtour einen Einblick ins Elend erlaubt. Werden die Slumbewohner hier ausgebeutet oder erstmals wahrgenommen? „In diesem Fall profitieren wohl einige Müllsammler von den Touren“, sagt Dürr. „Slumtourismus kann sich aber auch negativ auswirken, etwa wenn die Bewohner im Elend verharren, obwohl sich ihre Situation gebessert hat – nur um den Slum vermeintlich authentisch zu erhalten.“ Die mexikanische Müllhalde gilt mittlerweile als offizielle Touristenattraktion, auch wenn sie den reicheren Einwohnern der Stadt überwiegend ein Dorn im Auge ist. Was in städtischer Umgebung sonst als unerwünschte Verschmutzung wahrgenommen wird und wie sich dies auf das soziale Miteinander auswirkt, ist Thema des Buches „Urban Pollution“, das Dürr vor Kurzem herausgegeben hat. Müll und Abwasser sind dabei nur eine Ausprägung von Unrat – auch Migranten oder etwa Obdachlose werden nicht selten als „Schandfleck“ wahrgenommen.

 

 

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