Ludwig-Maximilians-Universität München
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Ein Schattenplatz an der Sonne

Neues Chlorophyll absorbiert tief im Infrarotbereich

München, 20.08.2010

In der Photosynthese wird Kohlendioxid zu energiereichen Verbindungen reduziert, die Energie für das Biosystem Erde liefern. Schlüsselmoleküle im photosynthetischen Apparat der Pflanzen, Algen und bestimmter Bakterien sind die Chlorophylle. Ein internationales Forscherteam um die australische Botanikerin Professor Min Chen hat nun ein neues Chlorophyll-Molekül nachgewiesen, das besonders langwelliges Licht im nahen Infrarotbereich absorbieren kann. „Unsere Überlegung war, dass in dichten Algenmatten die zuoberst lebenden Organismen so viel Sonnenstrahlung abfangen, dass für unten liegende Schichten im sichtbaren Bereich nichts bleibt und ein hoher Selektionsdruck zur Nutzung des durchgelassenen Infrarotlichts besteht“, sagt der LMU-Biologie Professor Hugo Scheer, der an der Studie maßgeblich beteiligt war. „In Stromatolithen, australischen Algenmatten, die zu den ältesten bekannten biologischen Gemeinschaften gehören, konnten wir jetzt tatsächlich Organismen mit einem neuen Chlorophyll-Molekül nachweisen.“ Das Chlorophyll f kann langwelligere Strahlung als die anderen vier bekannten Chlorophylle der oxigenen, also Sauerstoff-produzierenden Photosynthese absorbieren. Es ist das erste seit mehr als 60 Jahren neu entdeckte Molekül diese Art. „Die Entwicklung technischer oder Hybrid-Anlagen, die Licht als Energiequelle nutzen, könnte von diesem Fund profitieren“, so Scheer. „Chlorophylle, die im Infrarotbereich absorbieren, spielen aber auch bei manchen Krebstherapien eine Rolle.“ (Science online, 19. August 2010)

 

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