Ludwig-Maximilians-Universität München
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Krebstherapie und das „Chemobrain“

Wenn Gedächtnislücken nur scheinbar groß sind

München, 09.02.2010

Viele Krebspatienten klagen nach einer Chemotherapie über Einschränkungen ihrer geistigen Fähigkeiten, vor allem über Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme. Mittlerweile wurden solche Beeinträchtigungen auch objektiv nachgewiesen: Sie sind eher mild und treten nur bei einem Teil der Patienten auf. Allerdings zeigte sich immer wieder, dass der subjektive Eindruck kognitiver Störungen nichts mit objektiv nachweisbaren Defiziten zu tun hat: Die Patienten, die über „Chemobrain“ klagen, schneiden in Gedächtnis- und Konzentrationstests weder besser noch schlechter ab als andere Patienten. In einer groß angelegten Untersuchung mit über 100 Brustkrebspatientinnen wurde diese Diskrepanz jetzt unter die Lupe genommen. Ein Forscherteam um Dr. Kerstin Hermelink von der Frauenklinik der Universität München  berücksichtigte viele Einflussfaktoren, die einen Zusammenhang zwischen subjektiv empfundenen und objektiv nachweisbaren kognitiven Störungen überdecken könnten. Sie untersuchten auch, ob sich nachweisbare Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit in subjektiven Einschätzungen widerspiegeln. Das Ergebnis blieb das gleiche: kein Zusammenhang.  Patientinnen, die von Beeinträchtigungen ihrer geistigen Fähigkeiten berichteten, litten aber vermehrt unter Depressivität und neigten allgemein zu negativen Gefühlen. „Die subtilen kognitiven Einschränkungen, die sich durch Tests nachweisen lassen, werden offenbar von den Betroffenen im Allgemeinen überhaupt nicht bemerkt“, erklärt Studienleiterin Hermelink. Der subjektive Eindruck von „Chemobrain“ dagegen beruht meistens auf pessimistischen Selbsteinschätzungen, die vor allem bei depressiven Patientinnen häufig sind.“ (Psycho-Oncology online, 5. Februar 2010)

 

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