Ludwig-Maximilians-Universität München
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Wettlauf der Giganten

Riesenspermien in Mikrofossilien nachgewiesen

München, 18.06.2009

Im Kampf um eine Partnerin müssen sich Männchen meist gegenseitig überbieten, ob nun mit einem prächtigen Federkleid, einem ausladenden Geweih oder einem verführerischen Balztanz. Die Weibchen einiger Arten lassen sich aber von mehreren Männchen begatten. Dann sind die Rivalen auch nach einer Paarung nicht aus dem Feld geschlagen, und der Konkurrenzkampf wird auf Ebene der Spermien fortgesetzt. Weil große Spermien eine erhöhte Chance auf eine Befruchtung haben können, sind vereinzelt wahre Riesenzellen entstanden – die länger als das zugehörige Männchen sein können. Riesenspermien hat ein internationales Forscherteam um die LMU-Paläontologin Dr. Renate Matzke-Karasz nun auch bei versteinerten Ostrakoden indirekt nachgewiesen. Mit Hilfe der Holotomografie, einem an der „European Synchrotron Radiation Facility“ entwickelten bildgebenden Verfahren, gelang den Wissenschaftlern ein tiefer Blick in das Innere der nur Millimeter großen Muschelkrebse. „Wir konnten Organe nachweisen, die für die Übertragung der Riesenspermien unbedingt notwendig sind“ berichtet Matzke-Karasz. „Diese Tiergruppe pflanzt sich auch heute noch mit Riesenspermien fort, die mit Hilfe der gleichen Organe wie vor 100 Millionen Jahren transportiert werden. Riesenspermien haben sich bei den Ostrakoden also nur einmal im Lauf der Evolution entwickelt. Trotz der hohen Kosten für beide Geschlechter scheinen sie eine erfolgreiche Fortpflanzungsstrategie zu sein.“ (Science Early Online Edition, 18. Juni 2009)

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