Leibniz-Preis für LMU-Professoren Primavesi und Götz
München, 07.12.2006
Oliver Primavesi, Professor für Griechische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, und Professor Magdalena Götz, Lehrstuhl für Physiologische Genomik an der LMU und Direktorin am Institut für Stammzellforschung am GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, erhalten den Leibniz-Preis 2007 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Der Leibniz-Preis ist der wichtigste deutsche Forschungspreis. Er ist mit jeweils 2,5 Millionen Euro dotiert. „Dies ist erneut ein großartiger Beweis für die exzellente Forschung, die an unserer Universität geleistet wird“, sagt LMU-Rektor Professor Bernd Huber.
Oliver Primavesi ist ein vielseitig arbeitender Gräzist, der sein Fach erfolgreich mit der antiken Philosophie ins Gespräch bringt. Er hat wichtige Interpretationen der Werke Homers vorgelegt und anhand von Aristoteles-Zitaten im Werk anderer Autoren die Rekonstruktion der verschollenen aristotelischen Schrift über die Pythagoreer vorbereitet. Gemeinsam mit Alain Martin gab er das Straßburger Empedokles-Papyrus heraus. Es war der erste Fund einer antiken Textausgabe eines vorsokratischen Philosophen in der Neuzeit und ermöglichte eine Neuinterpretation des Werks von Empedokles. Der um 480 v. Chr. geborene Empedokles ist einer der wirkungsmächtigsten unter den vorsokratischen Philosophen. Diese Urväter der Philosophie gründeten im 7. bis 5. vorchristlichen Jahrhundert die Erklärung der Welt erstmals auf Naturphänomene und modifizierten somit entscheidend das mythische Weltbild.
Nach herrschender Meinung nahm Empedokles zwar teil an der breit gefächerten Emanzipationsbewegung weg vom religiösen Mythos hin zum philosophischen Logos, hielt aber andererseits an Elementen einer magisch-religiösen Vorstellungswelt fest, ohne sie in sein physikalisches System integrieren zu können. Oliver Primavesi konnte hingegen mit seiner Deutung des Papyrus maßgeblich den funktionalen Zusammenhang von naturwissenschaftlicher Theorie und allegorischem Mythos bei Empedokles erhellen. Er zeigt, wie eine erste, rationalistische Phase der Philosophiegeschichte ab 500 v. Chr. von einer zweiten, komplexeren Phase abgelöst wird. In dieser werden mit den Ausdrucksmitteln der epischen Dichtung menschliches Schicksal und determinierter Weltlauf, Religion und Naturphilosophie, Mythos und Logos aufeinander bezogen und als zwei Seiten einer Medaille dargestellt.
Oliver Primavesi wurde 1961 in Offenbach am Main geboren und studierte von 1979 bis 1981 Musik an der Musikhochschule Frankfurt am Main wechselte dann aber zur Klassischen Philologie. Nach dem Studium in Heidelberg und Oxford wurde er 1994 in Frankfurt promoviert und habilitierte sich dort 1997. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Hochschuldozent an der Universität Frankfurt wurde er 2000 auf einen Lehrstuhl für Griechische Philologie an die LMU berufen. 1999 wurde ihm der Prix Reinach von der Association pour l´Encouragement des Études Grecques en France verliehen, im Jahr 2000 folgte der Prix Gantrelle der Académie Royale de Belgique. Von 2005 bis 2006 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.
Der Forschungsschwerpunkt von Professor Magdalena Götz liegt auf der Bildung und Regeneration von Nervenzellen: Sie beschäftigt sich dabei vor allem mit der Frage, warum ausgerechnet Nervenzellen nicht ersetzt werden und wie ihre Neubildung künstlich angeregt werden könnte. Die Neurowissenschaftlerin befasst sich seit langem mit der Erforschung der molekularen Grundlagen der Gehirnentwicklung. Dabei legt sie ihren Forschungsschwerpunkt auf die Ausdifferenzierung der Großhirnrinde. Der Entwicklungsbiologin gelang im Mausmodell der Nachweis, dass Stammzellen während der Entwicklung und im adulten Gehirn ähnlich sind – bei beiden handelt es sich um Gliazellen.
Die Entdeckung, dass Nervenzellen aus Gliazellen hervorgehen können, führte in der Neurowissenschaft zu einem Paradigmenwechsel. Mittlerweile untersucht Magdalena Götz, wie Stammzellen angeregt werden könnten. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die Regeneration von Nervenzellen zu erreichen. Gelingt es, die Gliazellen im erwachsenen Gehirn wieder zur Bildung neuer Neuronen anzuregen, könnten beispielsweise Schlaganfallpatienten wieder hoffen, die bisher Ausfälle nur durch das Training intakt gebliebener Hirnbereiche kompensieren können. Die Arbeiten von Magdalena Götz sind wegweisend in ihrer Bemühung, die zielgerichtete Differenzierung von Stammzellen zu lenken und damit eines der zentralen Probleme der angewandten Stammzellforschung zu lösen.
Magdalena Götz studierte Biologie in Zürich und Tübingen, wo sie 1992 promovierte. Mehrere Rufe nach Skandinavien und England lehnte sie ab. Magdalena Götz ist Lehrstuhlinhaberin am Physiologischen Institut der LMU und Direktorin am Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Neuherberg.
Die Leibniz-Preisträger, zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftler, erhalten 2007 erstmals eine Fördersumme von bis zu 2,5 Millionen Euro (vormals: 1,55 Millionen Euro) und können diese Mittel in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren (vormals: fünf Jahre) flexibel für ihre Forschungsarbeiten einsetzen.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Oliver Primavesi
Institut für Klassische Philologie
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Tel.: 089 / 2180-5692
E-Mail: o.primavesi@lrz.uni-muenchen.de
http://www.klassphil.uni-muenchen.de/personen/primavesi.html
Prof. Dr. Magdalena Götz
Physiologisches Institut
Pettenkoferstraße 1
80336 München
Tel.: 089 / 2180-75255
E-Mail: magdalena.goetz@lrz.uni-muenchen.de
http://physinst.web.med.uni-muenchen.de/genomic.htm


