Ludwig-Maximilians-Universität München
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Rückkehrer aus dem Ausland

Kluge Köpfe kehren heim

München, 18.01.2013

Viele Wissenschaftler kommen zurück aus dem Ausland – so eine Studie des German Academic International Networks. MUM besuchte Forscherinnen und Forscher an der LMU, um über ihre Rückkehr zu sprechen – und fand unterschiedliche Motive vor.

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Graphik: Haak&Nakat

Die Buffalo Germans waren eine Basketball-Mannschaft im ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Sie zählt auch heute noch zu den besten Teams dieses Sports. Obwohl US-amerikanisch, bestand die Mannschaft – wie der Name sagt – unter anderem aus deutschstämmigen beziehungsweise deutschsprachigen Mitgliedern.

Auch heute finden immer wieder deutsche Spitzenspieler Zugang zu den Topteams dieses Ur-amerikanischen Sports – das bekannteste, weil erfolgreichste Beispiel ist Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks. Anke Ortlepp versucht seit einiger Zeit, ihn für ein längeres Interview zu gewinnen, denn die Professorin für Amerikanische Kulturgeschichte an der LMU forscht zur Akkulturation von deutschen Profibasketballern in den USA, und der aus Würzburg stammende NBA-Star darf dabei natürlich nicht fehlen.

Was die Akkulturation von deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern betrifft, so hat Anke Ortlepp eigene Erfahrungen gemacht: „Ich bin schon relativ früh als Studentin nach Harvard gekommen. Das hat mir die Eingewöhnung leichter gemacht.“ Sie sei mit der Mentalität der US-Amerikaner sehr gut zurechtgekommen, mit deren Offenheit, aber auch mit ihrer von Europäern zum Teil als etwas oberflächlich empfundenen Mentalität. „Manche Kolleginnen und Kollegen, vor allem solche, die erst relativ spät in die USA gekommen sind, haben teilweise größere Probleme damit gehabt.“

Die menschlichen Beziehungen, findet sie, funktionierten in den USA eben ein wenig anders. Ortlepp, die vor ihrer Habilitation und Berufung an die LMU fünf Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beziehungsweise zeitweise als kommissarische Direktorin am Deutschen Historischen Institut in Washington D.C. geforscht hat, kennt einige deutsche Kollegen, die sich eine Rückkehr in die alte Welt gut vorstellen können.

Gründe für die Rückkehr
Zwei Drittel der Mitglieder im GAIN-Netzwerk wollen aus den USA nach Deutschland zurück. Gründe dafür gibt es viele: Sie reichen von privaten Motiven über relativ geringe Verdienstmöglichkeiten, vor allem im Postdoc-Bereich, bis hin zur erfolglosen Akkulturation, kurz: Man wird mit Land und Leuten einfach nicht „warm“. In den meisten Fällen jedoch ist eine Rückkehr von vornherein eingeplant und das Ziel des Aufenthalts, in einer fremden Forschungskultur Erfahrungen zu sammeln für die weitere wissenschaftliche Karriere in Deutschland.

Nur ein bis zwei Jahre hatte auch Mark Wenig ursprünglich im Ausland eingeplant. Schließlich wurden zehn daraus, bevor er im September vergangenen Jahres seine Professur für Meteorologie an der LMU antrat: Fünf Jahre verbrachte er davor am NASA Goddard Space Flight Center in Maryland; weitere fünf Jahre folgten an der City University in Hong Kong.

„Mein Ziel war immer eine Professur in Deutschland“, erzählt er. „Für mich ist es wichtig, Studierende in neue Ideen einzubinden und sie mit ihnen weiterzuentwickeln.“ Da die Stellensituation in Deutschland schwierig war, wurde er vom reinen Forschungszentrum in den USA an die Universität nach Hong Kong berufen. Allerdings, sagt er, seien die Studierenden dort nicht annähernd so motiviert wie hier in Deutschland. Das liege auch daran, dass der Notendurchschnitt nicht immer für das Traumfach reiche und dann eben das nächstbeste Fach studiert würde, sagt Wenig – mit entsprechend geringerem Einsatz. Zudem würden die Studierenden dort sehr viel Geld für ein Studium bezahlen. „Sie sind es einfach nicht gewöhnt, wenn sie durch Prüfungen fallen. Das ist dort nicht üblich.“

Er freut sich, jetzt an der LMU zu sein, in erster Linie, weil sein Forschungsgebiet – die Messung von Spurengasen, insbesondere Stickoxiden, in der Atmosphäre – perfekt ins Profil der Münchener Meteorologie hineinpasse, aber auch, weil die Arbeit mit den Studierenden hier viel interessanter sei. „Und ich bin aber auch ein bisschen stolz, an einer Exzellenzuniversität zu sein.“

Warum eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland heute so attraktiv ist und welchen Einfluss zum Beispiel der Erfolg der LMU in der Exzellenz-Initiative auf den Rückkehrtrend hat, lesen Sie in der Titelgeschichte der neuen MUM „Kluge Köpfe kehren heim“.

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