Ludwig-Maximilians-Universität München
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Weltdiabetestag

Ein Volksleiden und die frühe Ernährung

München, 09.11.2012

Die „Zuckerkrankheit“ ist auf dem Vormarsch. Zudem erkranken immer mehr junge Patienten an Typ-2-Diabetes – die Ernährung spielt dabei eine große Rolle. LMU-Mediziner Berthold Koletzko kämpft mit seiner Forschung gegen das Volksleiden.

Foto: Monika Leon / www.sxc.hu
Foto: Monika Leon / www.sxc.hu

Übergewicht, ein Mangel an körperlicher Aktivität, eine energiereiche Kost: Diese und andere Faktoren müssen zusammenspielen, um einen Typ-2-Diabetes zu verursachen. Sie alle lassen sich aber auf einen einfachen Nenner bringen: Wo der westliche Lebensstil auf eine ungünstige genetische Veranlagung trifft, kann der Zuckerhaushalt entgleisen. Die Folge ist ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel mit gravierenden Folgeschäden, etwa Schlaganfall, Herzinfarkt, Niervenversagen und Erblindung.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit bereits mehr als 346 Millionen Menschen an einem Typ-2-Diabetes - mit steigender Tendenz. Das Bewusstsein für diese schwere Stoffwechselstörung ist vielfach aber noch nicht vorhanden. Die WHO hat deshalb den 14. November zum Weltdiabetestag erklärt. Unter dem Motto „protect our future“ geht es auch in diesem Jahr um die Prävention von Diabetes. Das besondere Augenmerk gilt hier Kindern und Jugendlichen, die zunehmend häufiger betroffen sind.

Vor der Geburt programmiert
Dabei sind diese Altersgruppen nicht erst gefährdet, wenn sich der „Babyspeck" bildet. „Natürlich spielt die Ernährung in der Kindheit eine große Rolle“, sagt Koletzko. „Die Fundamente der gesundheitlichen Karriere werden aber schon im Mutterleib gelegt. Ob in späteren Jahren ein Diabetes oder eine andere Zivilisationskrankheit auftritt, hängt unter anderem davon ab, ob und welche Nährstoffe, Spurenelemente, aber auch Stresshormone während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übergegangen sind.“

Die Forschung hat diese Mechanismen erkannt, kann einzelne Zusammenhänge oft aber nur schwer nachweisen. Schließlich liegen Ursache und Wirkung nicht selten Jahrzehnte auseinander. Für Ärzte und andere Gesundheitsakteure dagegen ist es schwierig, den Überblick im breitgefächerten Bereich der Ernährungsforschung zu behalten. Abhilfe könnte hier das Projekt „Early Nutrition eAcademy" (ENeA) schaffen, das gezielt eine Orientierungshilfe bieten soll.

Ernährung geht online
Es handelt sich dabei um eine englischsprachige Internetplattform, die unter Koletzkos Leitung und mit EU-Förderung in diesem Jahr an den Start ging. Auf der Seite werden aktuelle Ergebnisse aus der Ernährungsforschung präsentiert, die unter anderem in Audio- und Videofiles aufbereitet sind. Simulierte Beratungssituationen sollen den Transfer der neu erworbenen Kenntnisse in den Alltag erleichtern. Links führen zudem zur Originalliteratur, die beständig aktualisiert und erweitert wird.

Für eine bessere Übersicht werden die einzelnen Themenbereiche der frühen Ernährung in CME (continuing medical education) akkreditierten Modulen mit mehreren Lerneinheiten aufbereitet. Ein erstes Modul ist bereits online gegangen. Es widmet sich dem Stillen und damit der wohl sichersten Erkenntnis zur frühkindlichen Ernährung: Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge, wobei das Stillen auch langfristig positive Effekte auf die Gesundheit von Kind und Mutter hat - und so auch zur Vorbeugung eines Typ-2-Diabetes beiträgt.

Das Stillen fördern
„Wir möchten mit ENeA die Zusammenarbeit aller Gesundheitsakteure im Feld voranbringen“, sagt Koletzko. „Sie sollen das Stillen im Alltag fördern und einem frühen Abbruch des Stillens entgegenwirken.“ Koletzko hofft nun, deutlich mehr Frauen über die Multiplikatoren im Gesundheitsbereich zu erreichen. Ein Anfang ist gemacht: In den ersten vier Monaten haben sich bei ENeA bereits rund 2.000 Teilnehmer aus mehr als 70 Ländern angemeldet. 

Weitere Themenbereiche sollen nun folgen, im November etwa ein Modul zur Ernährung und einem gesunden Lebensstil in der Schwangerschaft. Zu den Schwerpunkten gehören dabei auch mögliche Erkrankungen in dieser Zeit, etwa der sogenannte Gestationsdiabetes, der nur während der Schwangerschaft auftritt. „Die Krankheit mag wieder verschwinden“, sagt Koletzko. „Was aber bleibt, ist ein hohes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Das gilt in erster Linie für die Mutter - leider aber auch für das Kind.“

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikationd und Presse