Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Ecopolis

Münchner erfahren „ihr“ München

München, 21.07.2017

Wem gehört München, und wie wird die städtische Umwelt in Zukunft gestaltet? Die Ausstellung „Ecopolis München - Umweltgeschichten einer Stadt“ gibt interaktive Einblicke in die Arbeiten von Studierenden des interdisziplinären Zertifikatprogramms „Environmental Studies“ der LMU.

Was macht den Englischen Garten aus? Besucher an einer der Hörstationen im Park.

Menschen, Tieren und Pflanzen des Englischen Gartens eine Stimme geben – das ist das Anliegen von Vera Kovács und Katharina Müller. Für 21 Hörstationen im südlichen Teil des Englischen Gartens haben die beiden Studentinnen Tonspuren aufgenommen, die den ältesten Volkspark Deutschlands für den Besucher akustisch erfahrbar machen sollen. Die Tonspur ist Teil ihrer Abschlussarbeit für den Zertifikatskurs „Environmental Studies“ im Rachel Carson Center (RCC). Der Kurs ermöglicht es Studierenden, eine Zusatzqualifikation im Umweltbereich zu erwerben. Weitere Abschlussarbeiten werden in der Ausstellung „Ecopolis“ vom 25. bis 27. Juli im Lichthof der LMU vorgestellt. Ziel der Ausstellung ist es, Umweltaspekte in einen lokalen Zusammenhang zu stellen und das Verhältnis des Münchners zu „seinem“ München zu thematisieren. „Die Tonspur des Englischen Gartens ist auch für „alteingesessene“ Münchner interessant“, meint Katharina Müller, Studentin der Amerikanistik an der LMU. „Jeder Münchner glaubt, den Englischen Garten zu kennen. Aber seitdem ich so viele Geschichten über den Englischen Garten erfahren habe, habe ich eine andere emotionale Verbindung aufgebaut.“ Diese Erfahrung will sie an die Besucher weitergeben. Zu hören ist alles, was den Englischen Garten ausmacht: zum Beispiel Gespräche mit Menschen, die im Englischen Garten Erholung suchen, dem Chefverwalter des Parks oder einer Yogalehrerin. Zuhörer können einer Japanischen Teezeremonie im Teehaus oder dem Geschnatter der Enten am Kleinhesseloher See lauschen. „Der Besucher soll den Park nicht nur architektonisch, sondern auch ökologisch verstehen. Deshalb werden an den Hörstationen die Müllproblematik, die Bodenverdichtung und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Garten thematisiert.“ Die Stimmenspur kann kostenlos https://stimmenspur.wordpress.com/ heruntergeladen werden.

 

Trailer zur Stimmenspur im Englischen Garten

Von Isar bis Olympiapark
Die Idee, ausgewählte Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren, hatte Professor Christof Mauch, Direktor des RCC. Koordiniert wurde die Ausstellung von Dr. Ursula Münster. Für sie war das Spannende an dem Projekt die Zusammenarbeit der Studierenden über Fächergrenzen hinweg: „Die ‚Environmental Studies‘ sind interdisziplinär angelegt. Die Studierenden kommen aus 44 unterschiedlichen Studiengängen. Da diskutiert dann die Ethnologin mit dem Geografen, der Soziologe mit der Physikerin.“ Für die unterschiedlichen Themenfelder der Ausstellung – von „Isar“ bis „Olympiapark“ – haben sich interdisziplinäre Teams gefunden, deren Mitglieder ihren Ort aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Kuratiert wurde die Ausstellung unter anderem von Raphaela Holzer. Trotz ihrer Erfahrung sei es in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit von nur sechs Monaten, keine leichte Aufgabe gewesen, „Ecopolis“ in den Lichthof zu bringen: „Aber dank des großen Engagements der Studenten, weit über ihr Studium hinaus, konnte die Ausstellung in dieser kurzen Zeit auf die Beine gestellt werden.“ Die Ausstellung bringt wissenschaftliche Erkenntnisse und den persönlichen Zugang der Studierenden zusammen. „ ‚Ecopolis‘ lebt gerade durch den besonderen und experimentellen Entstehungskontext“, so Holzer. Und an den Stationen können die Besucher dann München mit allen Sinnen erleben und selbst kreativ werden.

Fröttmaninger Müllberg
Ein weiteres Thema der Ausstellung ist der Fröttmaninger Müllberg mit seinem Windrad auf der Spitze. Für Maximilian Gabriel, der im Rahmen des Masterstudiengangs Umweltplanung und Ingenieurökologie, den er an der TUM belegt, an dem Kurs teilnahm, lag es auf der Hand, über die Anhöhe im Südosten Münchens mehr zu erfahren: „Für mich sah der Berg schon immer unnatürlich aus. Darüber wollte ich mehr erfahren.“ Und die Geschichte des Berges ist interessant: Von Mitte der 1950er-Jahre bis 1987 wurde hier der Hausmüll der Münchner deponiert. So viel, dass die Siedlung Fröttmaning den Abfallmassen weichen musste. Hinter dieser großen Geschichte verbergen sich viele kleine Geschichten und Schicksale. „So hat sich die Schäferin Barbara Kosmatsch gegen die Zwangsenteignung gewehrt und blieb noch in ihrer Wohnung, bis 1985 der Strom abgestellt wurde“, weiß Gabriel.

Für Gabriel liegt der große Nutzen des Projektes in der Interdisziplinarität: „In einem normalen Studiengang kommt man nie in Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Disziplinen. Wenn in großer Runde diskutiert wird, kommt es zwar auch mal zu Reibungen. Aber auch dies ist immer konstruktiv und lässt einen die eigenen Positionen noch einmal überprüfen.“ Und dass die eigene Abschlussarbeit jetzt in einer Ausstellung zu sehen ist, macht Gabriel auch ein wenig stolz: „Ein Projekt von der Idee bis zur Ausstellung durchzuziehen, ist während des Studiums schon etwas Besonderes.“

Die Ausstellung „Ecopolis München - Umweltgeschichten einer Stadt“ ist vom 25. bis 27. Juli im Lichthof der LMU zu sehen. Am 27. Juli von 18.00 Uhr bis 00.00 Uhr stellen die Kursteilnehmer in einem Student Slam ihre Arbeiten vor. Anmeldung unter ecopolis@rcc.lmu.de