Ludwig-Maximilians-Universität München
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„vermacht.verfallen.verdrängt.“

Studentische Ausstellung zur NS-Kunst

München, 05.09.2017

Was tun mit der NS-Kunst? Sollte man sie heute noch zeigen? Ja, aber nicht einfach so. Studierende der LMU haben sich über drei Semester hinweg mit erfolgreichen Künstlern aus der NS-Zeit auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse sind ab dem 24. September in der Städtischen Galerie Rosenheim zu sehen.

Große Deutsche Kunstausstellung 1940, Saal 37 (Foto: Jaeger & Goergen, © www.gdk-research.de)

Kunst im 20. Jahrhundert ist eines der Standardthemen der Kunstgeschichte und wissenschaftlich entsprechend gewürdigt – die Kunst während des Nationalsozialismus ist dagegen weitgehend unbearbeitet. „Über Paul Klee existieren vermutlich tausende Bücher – unser Wissen über NS-Kunst ist dagegen sehr oberflächlich: vor allem Kitsch und Propaganda“, berichtet PD Dr. Christian Fuhrmeister vom Institut für Kunstgeschichte der LMU. Doch Kunst im „Dritten Reich“ bestand nicht nur aus den Werken zum Menschenbild des „Ariers“: Eine neue Perspektive auf die NS-Kunst zeigt die Ausstellung „vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst im Nationalsozialismus“, die Studierende der LMU konzipierten.

Drei Semester lang arbeiteten rund 40 Studentinnen und Studenten zusammen mit ihrem Dozenten an der Konzeption der Ausstellung, forschten im Stadtarchiv Rosenheim sowie in anderen Archiven und erstellten einen Katalog mit zahlreichen neuen Informationen über Künstler, die zur Zeit des „Dritten Reichs“ aktiv waren. „Während bei anderen Künstlern oft schon jedes Blatt fünfmal umgedreht wurde, ist die Forschungslage bei NS-Künstlern oft desaströs“, berichtet Fuhrmeister. Ein Beispiel: Der Künstler Leo von Welden. Als eine Studentin für ein Referat Informationen über den Künstler sammelte, kam sie zu einem erstaunlichen Ergebnis: In Veröffentlichungen wurde von Welden als „entarteter“ Künstler bezeichnet – also als jemand, dessen Kunst vom NS-Regime diffamiert und verboten wurde. Doch von Welden schuf während des „Dritten Reichs“ auch partei- und kriegsverherrlichende Gemälde, was nach 1945 in Vergessenheit geriet.

Recherche im NS-Depot
Auf diese und andere Geschichten stießen die LMU-Studenten bei ihren Recherchen, für die sie auch im Stadtarchiv Rosenheim forschen durften. „Für die Studenten war es eine tolle Gelegenheit, im Rahmen eines Uniseminars Grundlagenforschung zu betreiben“, so Fuhrmeister. Denn in der Städtischen Galerie in Rosenheim, die 1937 gegründet wurde und dessen Schirmherr Hermann Göring war, ist vieles noch nicht bearbeitet, wie die Recherchen zeigten. Das „Haus der Deutschen Kunst in klein“ – wie der Dozent für Kunstgeschichte die Galerie in Rosenheim beschreibt – zeigte die bekanntesten NS-Künstler nicht nur während des „Dritten Reichs“, sondern auch noch nach 1945. Dies wies die LMU-Studentin Sofie Eikenkötter in ihrer Masterarbeit nach, die einen Anstoß zur Ausstellung „vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst im Nationalsozialismus.“ gab, die vom LMU-Doktoranden Felix Steffan kuratiert wird. „Mit dem Ausstellungprojekt wollten wir zeigen, dass ergebnisoffene Quellenarbeit zu neuen Forschungsergebnissen führen kann“, erzählt Fuhrmeister.

Neben der Mit-Konzeption der Ausstellung übernahmen die Studierenden auch die Medienarbeit, erstellten Flyer und erarbeiten eine Webseite zur Ausstellung. „Unsere Idee ist es, einen Guide zur Ausstellung zu erstellen “, berichtet die Magdalena Becker, die ebenfalls am Ausstellungsprojekt mitarbeitete und zusammen mit ihrer Kommilitonin Franziska Koschei die Seite konzipiert. Die Webseite soll die Arbeit, die die Studierenden in ihre Recherche gesteckt haben, auch für andere zugänglich machen. „Es wäre einfach schade, wenn das Wissen, das so viele Studenten erarbeitet haben, verpufft.“ Auch wenn das Programmieren der Webseite eine Herausforderung und viel Engagement über das reguläre Studium hinaus nötig war, ist Magdalena von dem Projekt begeistert. Denn nur so könnten die Studierenden das Handwerkszeug lernen, das sie nicht nur für ihren Studienabschluss benötigen, sondern auch für ihren späteren Berufsweg – etwa im Museum, im Handel oder in Verlagen, findet auch Magdalenas Dozent Fuhrmeister. „Gerade im Fach Kunstgeschichte ist Praxisorientierung im Studium besonders wichtig.“

Die Ausstellung "vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst im Nationalsozialismus" ist vom 24. September bis 19. November 2017 in der Städtischen Galerie Rosenheim zu sehen.