Ludwig-Maximilians-Universität München
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Studierende als Unternehmer

Starten leichter gemacht

München, 30.09.2016

Wie wird aus einer guten Geschäftsidee ein erfolgreiches Start-up? Die LMU unterstützt Studenten beim Start ins Unternehmerleben.

Foto: sdecoret / fotolia.com

Das Start-up Grillido kurz nach ihrem Auftritt in der TV-Show „Die Höhle des Löwen“: Die Gründer Manuel Stöffler und Michael Ziegler, die mit ihrer proteinreichen Wurst das Red Bull der Grillwürste werden wollen, haben gerade das Angebot eines Investors ausgeschlagen. „Wir haben uns vorher gesagt, wir nehmen einen Deal in der Range nicht an – und dabei sind wir geblieben“, sagt Michael. 100.000 Euro hätte Unternehmer Frank Thelen in ihr brandneues Start-up investiert – und dafür einen Unternehmensanteil von 20 Prozent an Grillido gefordert. Zu wenig für die beiden Gründer – sie lehnten ab.

Werbung statt Investment
„Es war eine weise Entscheidung, das Angebot abzulehnen“, sagt auch Florian Rickert vom Entrepreneurship Center der LMU, das die beiden Gründer Manuel und Michael bei der Entwicklung ihres Start-ups unterstützt hat. Grillido ist dabei nur eines der bisher rund 185 Start-ups, die das Entrepreneurship Center bisher gefördert hat – darunter auch Unternehmen wie Flixbus oder Polarstern. 15 neue Start-up-Teams kommen jedes Semester hinzu. Die Gründer probieren früh aus, ob sich ihre Geschäftsidee umsetzen lässt. „Wir unterstützen Start-ups durch Coachings, Experten-Input, Verbindungen zu Kapitalgebern, ein sehr großes Kontaktnetzwerk in den verschiedensten Bereichen und insbesondere auch durch unsere langjährige Erfahrung im Start-up-Bereich“, erklärt Andy Goldstein, Geschäftsführer des Entrepreneurship Centers der LMU.

„'Die Höhle des Löwen' ist jedoch vor allem ein Marketing-Instrument“, erklärt Rickert. Um Kapitalgeber für das eigene Unternehmen zu gewinnen, eigne es sich jedoch kaum. Für Werbungszwecke sei es eine spannende Sache: „Mit der Ablehnung der 100.000 Euro haben Grillido natürlich für eine enorme Publicity gesorgt. Bei Start-ups, die dagegen vor allem im B2B-Bereich arbeiten, würde ich wahrscheinlich davon abraten.“ Das können Manuel und Michael von Grillido nur bestätigen: „‘Die Höhle der Löwen‘ war für uns Gold wert – und hat die Wurst-Revolution in Deutschland bekannter gemacht“, erzählen die beiden. Um wirklich Investoren zu gewinnen, gebe es bessere Angebote, die Gründer nutzen können, so Rickert: Ein Beispiel dafür sei der „Cashwalk“ an der LMU, bei dem 50 Start-ups auf 70 Investoren treffen.

Vom Studenten-Start-up zum Unternehmen
Immer häufiger entstehen aus kleinen studentischen Teams erfolgreiche Start-ups. Bestes Beispiel dafür: Der Fernbusanbieter FlixBus. 2009 gründeten Jochen, André und Daniel ihr Unternehmen. Die Idee dazu entstand in einer Bar im Münchner Univiertel. Ihr erstes Büro: Das Entrepreneurship Center der LMU. „Gerade am Anfang bekamen wir hier wichtige Impulse für uns und die FlixBus-Idee“, berichten die Gründer. „Die LMU bietet ein sehr breites Netzwerk an Experten und Investorenkontakten und war damit perfekter Startpunkt für uns als Gründerteam. Auch der Austausch mit anderen Start-ups war für uns extrem hilfreich. Wir nutzen bis heute gerne die damals geknüpften Kontakte.“

Veronika Schweighart vom Start-up Nuclino, die vor einem Jahr an der LMU ihren Abschluss in BWL gemacht hat, steht dagegen noch ziemlich am Anfang: Gemeinsam mit ihrem Team hat sie ein Kollaborationstool entwickelt, das Teams unterstützt, ihr Wissen schneller und einfacher festzuhalten, zu teilen und zu finden. Der Weg zum Erfolg sei dabei nicht immer einfach, findet Veronika: „Am Anfang besteht jeder Tag im Unternehmen aus einer Vielzahl von Hypothesen, die man strukturiert testen muss. Ob die jeweiligen Ideen oder Strategien für das eigene Unternehmen die richtigen sind, weiß man oft erst hinterher.“ Aber genau das mache den Gründeralltag für sie so spannend und lehrreich.

Studium – ideal für ein Start-up
Neuen Gründern rät Rickert daher auch, Mitmach-Formate wie die „App@Night“ zu besuchen: Dort lerne man schnell, was die ersten Schritte eines Start-ups sind. „Diese Veranstaltungen sind ideal, um die eigene Geschäftsidee zu generieren. Zudem arbeitet man dort auch meist sofort in interdisziplinären Teams.“

Ein Beispiel dafür ist Timo Fischer, der gemeinsam mit Florian Holy das Start-up BAM Original gegründet hat. Die beiden Unternehmer bieten Workshops an, bei denen man sich ein eigenes Bambus-Rad bauen kann. Dafür wurden sie vor kurzem mit dem Eurobike-Award, dem „Oscar der Fahrradbranche“, ausgezeichnet. Die beiden lernten sich 2014 beim „5 Euro StartUp"-Wettbewerb der LMU kennen und bauten bereits kurze Zeit später ihre ersten Fahrradrahmen im Keller ihres Mietshauses. „Im Rückblick ist das immer noch total absurd“, erzählt Timo und lacht. „Ein Physik- und ein Designstudent, die versuchen, Business zu machen. Am Anfang sind wir dann auch an solchen Sachen wie der Steuererklärung kolossal gescheitert.“ Trotzdem sei das Studium eigentlich die perfekte Zeit, um ein Unternehmen zu gründen, weil sie sich ohne finanziellen Druck ganz ihrer Idee widmen konnten.

Das Konzept des „5 Euro StartUp"-Wettbewerbs: Studenten entwickeln innerhalb eines Tages eine Geschäftsidee und sollen innerhalb eines Semesters alle Facetten eines Gründungsprozesses durchlaufen, erklärt Laura Janssen, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Kriegel das 5-Euro-Wettbewerb verantwortet. Die „5-Euro“ sind dabei auch wörtlich gemeint: Fünf Euro bekommen die Start-up zu Beginn des Semesters, die sie dann auch in ihr Unternehmen investieren sollen. Timo und Flo von BAM Original haben das Geld zum Beispiel in ihren ersten Bambus-Samen gesteckt. „Natürlich haben die fünf Euro vor allem symbolischen Wert", fügt Janssen von der Kontaktstelle für Forschungs- und Technologietransfer hinzu. „Wir möchten Studierende damit ermuntern, Kreativität statt Kapital zur Umsetzung der Idee einzubringen. Für klassische forschungsbasierte Gründungen hingegen, die Know-How mitbringen und ein Spin-off planen, gibt es das Beratungsangebot des LMU Spin-off Service.“
cdr