Ludwig-Maximilians-Universität München
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Schreibberatung an der LMU

Academic Writing in English

München, 05.02.2016

Muss ich meine Hausarbeit auf Englisch schreiben? Und was hilft bei Gedankenknoten weiter? Dr. Cornelia Rémi vom Schreibzentrum gibt Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben.

Foto: Jan Greune

An der LMU findet zum ersten Mal ein Schreibtag zum Academic Writing in English statt: Wird es immer wichtiger wissenschaftliche Arbeiten auf Englisch zu publizieren?
Dr. Cornelia Rémi: Nein, ich glaube nicht, dass es wichtiger wird. Doch ob man auf Englisch publiziert oder nicht, hängt vom eigenen Studienfach ab: In den Natur- und Lebenswissenschaften, den Geowissenschaften oder den Sozialwissenschaften wird inzwischen vorausgesetzt, dass man einen großen Teil seiner akademischen Arbeiten und Forschungspublikationen in englischer Sprache verfasst. In einigen Geistes- und Sprachwissenschaften ist es anders: Ich als Germanistin publiziere zum Beispiel auf Deutsch.

Ist es für Studenten sinnvoll, ihre Hausarbeit auf Englisch zu schreiben?
Das liegt unter anderem am Untersuchungsgegenstand der Arbeit: Wenn ich mich mit englischer Literatur beschäftige oder meine Quellen vor allem englischsprachig sind, kann es sinnvoll sein, auch meine Arbeit auf Englisch zu schreiben. Studenten sollten hier nach Absprache mit ihren Dozenten ruhig den Mut haben, das auszuprobieren. Das Gleiche gilt, wenn ich die Arbeit als Paper einreiche, sie Teil eines größeren Forschungsprojekts ist oder sie auf einem internationalen Kongress vorgestellt werden soll. Aber es gibt auch immer noch viele wissenschaftliche Publikationen auf Deutsch – und es wäre traurig, wenn das Deutsche als Wissenschaftssprache aussterben würde! Damit nämlich ginge uns das Gespür für unsere eigene Wissenschaftsgeschichte ebenso verloren wie ein riesiger Werkzeugkasten voller Begriffe, Bilder und Ausdrucksmöglichkeiten, die sich im Englischen nicht vollkommen nachbauen lassen, zum Beispiel in der Philosophie. Dank der unterschiedlichen Sprachstrukturen denken wir auf Deutsch anders als auf Englisch und können deshalb in ganz anderer Weise wissenschaftlich kreativ sein.

Was muss bei einer englischen Arbeit beachten?
Man sollte möglichst früh anfangen, auf Englisch zu denken und zu formulieren. Wenn Studenten ihre Arbeit in ihrer Muttersprache verfassen und dann das Ergebnis am Ende ins Englische übersetzen, geht das oft schief. Wenn man mit dem Schreiben beginnt, sollte man das in der Sprache tun, in der auch die Arbeit erscheinen wird. Im Englischen werden etwa Sätze anders konstruiert und viele Stilmittel ganz anders eingesetzt als im Deutschen. Ein Beispiel ist die deutsche Aversion gegen den Gebrauch des Wortes „ich“: Viele Betreuer raten ihren Studenten, niemals das Wort „ich“ in einer Hausarbeit zu verwenden. Englische, kanadische oder amerikanische Kollegen haben dagegen kein Problem damit.

Welche Tipps gibt es für Studenten, die zum ersten Mal eine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch schreiben?
Studenten sollten sich frühzeitig absprechen und um Rat suchen – zum Beispiel in den Sprechstunden der Dozenten, der Schreibberatung oder auf dem Schreibtag. Und ein ganz wichtiger Tipp: Den Kontakt und Austausch mit Kommilitonen suchen. Außerdem sollte man beim Schreiben immer einen Leser vor Augen haben, an den sich die eigene Arbeit wendet. Wenn man seine erste Hausarbeit auf Englisch schreibt, ist dieses adressatenbezogene Schreiben vermutlich eine der größten Herausforderungen. Ein guter Rat ist, sich beim Schreiben bereits einen möglichst konkreten Leser vorzustellen für den man seine Arbeit schreibt und den man überzeugen möchte. Im Idealfall ist das schon ein konkreter Korrekturleser, den man diesen Text dann auch später unter die Nase legen kann und sich gezielt eine Rückmeldung holen kann.

Wie helfen Sie denjenigen, die mit ihrer Arbeit nicht vorankommen?
Wichtig ist, nicht nur die formalen Vorgaben, sondern auch den Arbeits- und Schreibprozess im Blick zu behalten. Wenn Studenten nur an das Endergebnis – die fertig geschriebene Arbeit – denken, verlieren sie den Blick für das Wesentliche: Man braucht mehr als ein gutes Stylesheet und Vorgaben zu Schriftgröße und Seitenrand. Wissenschaftliches Schreiben kann man jedoch lernen – und es gibt viele Techniken und Kniffe. Mein Tipp: Zwischendurch auch mal vom Computer weggehen und mit der Hand schreiben, skizzieren oder kritzeln. Dann fängt man wieder ganz anders an zu denken. Mit dem eigenen Schreiben kann man durchaus experimentieren. Und das hilft bei schlimmen Gedankenknoten meist weiter.

Der Schreibtag zum Thema „Academic Writing in English“ findet am 26. Februar von 9.30 bis 16.30 im Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum C 022 statt. Bereits am 12. Februar können Studierende den allgemeinen Schreibtag im Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum D Z007 besuchen. An beiden Schreibtagen geht es in Vorlesungen und Workshops um Themen wie Literatursuche, Studienorganisation und Schreibblockaden. Im Schreibcafé am Geschwister-Scholl-Platz beantworten Tutoren des Schreibzentrums konkrete Fragen zur eigenen Arbeit und geben Tipps zu wissenschaftlichen Arbeitstechniken. Auch wer einfach nur einen guten Platz zum Schreiben sucht, ist hier richtig.


remi_130Dr. Cornelia Rémi ist wissenschaftliche Assistentin am Institut für Deutsche Philologie. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Literatur der Frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts.