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Lehre@LMU:

Herausragende Projekte werden ausgezeichnet

München, 09.12.2016

Am heutigen Freitag hat die LMU elf Preise im Rahmen des Programms Lehre@LMU vergeben. Der LMU Lehrinnovationspreis würdigt Lehrende, die innovative Lehrkonzepte erarbeiten und umsetzen. Die besten studentischen Forschungsprojekte werden mit dem LMU Forscherpreis für exzellente Studierende prämiert. Die systematische Integration von Forschungs- und Praxisorientierung in die Lehre ist ein Ziel des Programms im Rahmen des Qualitätspakts Lehre. Dazu gehört unter anderem, dass Studierende bereits während des Studiums die Gelegenheit haben, ein Forschungsprojekt weitgehend selbstständig durchzuführen. Die Preise werden von der LMU jährlich vergeben. Den Festvortrag hält Professor Dieter Frey zum Thema „Für Lehre begeistern – kompetent lehren. Ausgewählte Grundlagen guter Lehre“.

Foto: Jan Greune / LMU

LMU Lehrinnovationspreis 2016

Tulpen und Kanonen: Online- und Druck-Edition der Briefe Erzherzog Leopold Wilhelms an Kaiser Ferdinand III. aus dem Reichsarchiv Stockholm (1646/47)“
Professor Mark Hengerer (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften)

So alt und schwer leserlich und doch so neu: Das von Professor Hengerer entwickelte Lehrformat macht Masterstudierende mit den Praktiken der Berufs- und Arbeitsfelder Digital Humanities, digitales Edieren und Publizieren sowie Projektmanagement am Beispiel der Briefe Erzherzog Leopold Wilhelms an Kaiser Ferdinand III. aus den Jahren 1646/47 vertraut. Das Konzept überzeugt durch die beispielhafte Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und Praxisorientierung. Der eigens für das Projekt entwickelt Editor ist vielseitig verwendbar, so dass er auch für Lehrveranstaltungen zu anderen Epochen und Themen eingesetzt werden kann. Damit erfüllt das Projekt in beispielhafter Weise die Kriterien für den Lehrinnovationspreis 2016.

„Patientenorientierte Pharmazie für Ärzte und Apotheker"
Professor Christian Wahl-Schott und sein Team (Fakultät für Chemie und Pharmazie)

Das Projekt ist Teil des durch Lehre@LMU finanzierten Multiplikatorenprogramms und verknüpft in vorbildlicher Weise Theorie und Praxis in der Pharmazieausbildung. Vor allem im Bereich der Kooperation mit der klinischen Medizin werden hier neue und innovative Wege gegangen. Im Rahmen des Projektes gehen Studierende der Pharmazie und der Medizin gemeinsam ans Krankenbett. Bei der Stationsvisite lernen sie, wie sich die jeweils andere Seite dem Patienten nähert. Dem Auswahlkomitee schien es als richtungsweisend, wie es dem Projekt gelingt, durch Interdisziplinarität aktuelle Veränderungen im Berufsfeld aufzugreifen. Die an der LMU entwickelte Veranstaltungsform kann sowohl auf andere Veranstaltungen innerhalb der LMU übertragen werden als auch Ausstrahlungskraft auf andere Pharmaziestudiengänge in Deutschland haben.

Insgesamt wurden für den LMU Lehrinnovationspreis neun Vorschläge aus neun Fakultäten eingereicht. Die Hochschulleitung der LMU hat den Ausschuss für Lehre und Studium beauftragt, die Vorschläge zu begutachten und hat zwei Preisträger ausgewählt. Die Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

LMU Forscherpreise für exzellente Studierende 2016

Can Reciprocity Endure Everyday Toil? Evidence from a Real Effort Experiment
Tilman Graff, Felix Samy Soliman, Fabio Schmidt-Fischbach, Maximilian Wühr (Volkswirtschaftliche Fakultät)

Zahlt sich gute Arbeit aus? Diese hervorragende Forschungsarbeit und die darin durchgeführten Experimente gehen dieser Frage nach und bestätigen die Bedeutung der Reziprozität im Arbeitsmarktkontext. Reziprozität ist im Rahmen der Arbeit so zu verstehen, dass Individuen das Bedürfnis haben, Menschen zu bestrafen, die unfair zu ihnen waren (negative Reziprozität), und Menschen zu belohnen, die großzügig waren oder sich „fair” verhalten haben. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts: arbeitsame Arbeitnehmer werden tatsächlich auch mit höheren Löhnen belohnt. Diese Lohnerhöhungen fallen jedoch, verglichen mit dem größeren Arbeitseinsatz der Arbeitnehmer, offenbar deutlich bescheidener aus. Arbeitnehmer müssen also möglicherweise einen hohen Aufwand auf sich nehmen, um dem Arbeitgeber ihre Leistungsbereitschaft zu signalisieren.

Long-Term Effects of Objective and Subjective Measures of Exposure to Air Pollution and Noise at Residence on Prevalent Hypertension and Blood Pressure
Anitha Pitchika (Medizinische Fakultät)

Dicke Luft und viel Lärm: Straßenverkehr als Quelle sowohl der Luftschadstoffbelastung als auch der Lärmbelastung ist eine wichtige Ursache kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität. Nur wenige Studien bezogen sich bisher auf die Wahrnehmung der Luftqualität und die Belästigung durch intensive Verkehrsbelastung. Hier setzt die hervorragende Arbeit von Anitha Pitchika an: Sie untersucht Langzeiteffekte subjektiver und objektiver Luftschadstoffbelastungen und der verkehrsbedingten Lärmbelastung auf den Blutdruck. Kernerkenntnisse der Arbeit sind, dass innerstädtische, großenteils verkehrsbedingte Partikel- und Lärmbelastung die Häufigkeit von Bluthochdruck erhöht. Damit trägt die Arbeit inhaltlich zur Beantwortung zentraler Public Health Fragestellungen bei und weist zudem eine hohe methodische Qualität auf. Zudem soll die Arbeit in einem umweltmedizinischen Journal publiziert werden.

Vergleichende Erfassung der Knochenmineralisierung beim Schwein
Juliane Schrott (Tierärztliche Fakultät)

Schwein gehabt: Frau Schrott hat als Studentin im 5. Semester eine hervorragende Forschungsarbeit zur Knochenmineralisierung beim Schwein vergleichend für diverse Körperregionen und vier Geschlechtervarianten (Eber, „Immunokastrat“, Kastrat und Sau) an über 3000 Proben ausgewertet, wodurch die Entwicklung der Knochenmineralisierung während der Mast besser nachvollzogen werden konnte. Insbesondere der Vergleich der Geschlechtervarianten ist von großem wissenschaftlichem Interesse: Die Arbeit trägt grundlegend dazu bei, wichtige Rückschlüsse für die Verbesserung der Tierhaltung und damit auch des Tierwohls zu gewinnen. Die Arbeit weist eine hohe methodische Kompetenz und forscherische Eigenleistung auf – eine Publikation ist in Vorbereitung.

Freundschaft der mutigen Tat: Franz Josef Strauß und Israel. Eine biographische Studie zur Frühphase der deutsch-israelischen Beziehungen
Hannes Pichler (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften)

1957 kam es in der bayerischen Provinz zu einem geheimen Aufeinandertreffen zweier Persönlichkeiten, das die Beziehung der Bundesrepublik Deutschland zum Staat Israel entscheidend verändern sollte. Shimon Peres (1923 – 2016) war an den damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (1915-1988) herangetreten, um Hilfe für den jungen israelischen Staat zu erbitten. Hannes Pichler gelingt es in seiner herausragenden Abschlussarbeit, neue Aspekte der deutsch-israelischen Beziehungen und der bundesdeutschen Israel- und Nahostpolitik aufzuzeigen. Die Erkenntnisse basieren vorwiegend auf ehemals klassifizierten Dokumenten, im Zuge von durch Lehre@LMU geförderten, mehrwöchigen Archivaufenthalten in Berlin und Freiburg im Breisgau. Die Sperrfrist der Akten lief exakt zu Beginn der Recherchen ab, was bahnbrechende neue Erkenntnisse ermöglichte. Hannes Pichler erhielt auf der Grundlage seiner mit diesem Projekt gewonnen Erkenntnisse bereits ein Anschlussstipendium des Israel Institute, Washington D.C., welches ihm gegenwärtig einen einjährigen Forschungsaufenthalt am Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv ermöglicht.

Motives and Personality Traits as Antecedents of Intercultural Competence
Ricarda Lübke (Fakultät für Psychologie und Pädagogik)

Interkulturelle Kompetenz transparent gemacht: Ricarda Lübke hat in ihrer ausgezeichneten Arbeit untersucht, welche Persönlichkeitseigenschaften die interkulturelle Kompetenz von Arbeitnehmern fördern oder behindern. Sie erhob eine Stichprobe von über 400 Probanden zu deren tatsächlichen Auslandserfahrungen. Ihre Ergebnisse haben praktische Implikationen für das Training und die Auswahl von Mitarbeitern in internationalen Kontexten. Ricarda Lübke hat die Forschung zum Thema interkulturelle Kompetenz um eine völlig neue Facette ergänzt, indem sie die Rolle der Motive der Arbeitnehmer beleuchtet hat. Eine Publikation ihrer Arbeit ist in Vorbereitung.

Pasolini-Alphabet
Annette Antoniol, Debora Francione, Stefanie Gorzolka, Eva Kaesbauer, Anne Faßbender, Pia Scheiblhuber, Sandra Stickler, Stephanie Wagner (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)

Italienisch-mediales Alphabet: Im Rahmen eines Seminars näherte sich die ausgezeichnete Studierendengruppe mit ihren Hausarbeiten Pier Paolo Pasolinis Werk. Die Studierenden haben auf einer multimedialen Webseite Hörbeispiele, Filmausschnitte und Interviews bereitgestellt. Diese Webseite, die wissenschaftliche Vertiefung mit breitenwirksamer Vermittlung verbindet, ist zugleich künstlerisch gestaltet. Besonderen Wert legte die Gruppe dabei auf die öffentliche Wirksamkeit, die Internationalisierung und die Vermittlung von Theorie und Wissenschaft durch künstlerische und gestalterische Arbeit. Für jeden Beitrag haben die Studentinnen aus dem komplexen Werk des italienischen Schriftstellers, Regisseurs und Künstlers Pier Paolo Pasolini einen Begriff ausgewählt – aus diesen Begriffen entstand dann das Pasolini Alphabet. Beeindruckend ist die Vielzahl an Themen, die über das Seminar hinaus von den Studierenden in ihren Beiträgen eingebracht wurden. Geplant ist, die Website mit möglichst vielen Institutionen zu vernetzen. Aus dem Projekt sind sehr gute wissenschaftliche Hausarbeiten hervorgegangen, die Erweiterungen zur Masterarbeit erwarten lassen.

DNA Branching and Its Effects on Retroviral Integration Kinetics
Pauline Kolbeck (Fakultät für Physik)

Unwillkommene Gäste: Pauline Kolbeck wurde für ihre hervorragende Arbeit zu grundlegenden Fragen der Topologie von DNA und dem Prozess der viralen Integration ausgezeichnet. Virale Integration beschreibt den Prozess, bei dem ein Virus seine genetische Information in das DNA-Erbgut des Wirtes einbaut. Dies ist ein kritischer Schritt im viralen Lebenszyklus, da sich der Virus ohne Integration in das Wirtsgenom nicht vervielfältigen kann. Gleichzeitig hat dieser Schritt auch für den Wirt einschneidende Konsequenzen; so ist etwa die Tatsache, dass das virale Genom in die DNA des humanen Wirts eingebaut wird der Grund, warum sich HIV zwar behandeln, aber aktuell nicht heilen lässt. Die grundlegende Fragestellung der Arbeit war, ob und wie die Topologie der Wirts-DNA einen Einfluss auf die Effizienz und Kinetik der Integration des Virusgenoms hat. Mit ihren methodisch sehr aufwändig gewonnenen Ergebnissen konnte sie eine anspruchsvolle biophysikalische Fragestellung beantworten und hat dabei alle Schritte von der molekularbiologischen Probeherstellung über biophysikalische Messungen, bis hin zur quantitativen Analyse und Auswertung der Daten gemeistert. Ihre Ergebnisse sind durchweg von hoher Qualität und werden Teil mehrerer Publikationen sein.

Investigations into Hippocampal Memory Formation in Behaving Mice Using Electrochemical Biosensor Detection of Nanoscale Cholinergic Dynamics
Carla Zoe Cremer (Fakultät für Biologie)

Erleuchtete Mäuse: Carla Cremer wird für eine hervorragende neurowissenschaftliche Forschungsarbeit im Bachelorstudium ausgezeichnet. Sie beschäftigte sich anhand komplexer in vivo-Experimente am Gehirn von Mäusen mit der Untersuchung grundlegender Prozesse bei der Gedächtnisausbildung. Die Untersuchungen fanden im Bereich des Hippocampus statt, einer Gehirnregion, der fundamentale Bedeutung für die Gedächtnisfunktion beim Menschen und anderen Vertebraten zukommt. Der Hippocampus ist von sogenannten cholinergen Neuronen innerviert, die den Neuromodulator Acetylcholin u.a. für die Regulation der Gedächtnisformierung freisetzen. Cholinerge Dysfunktionen spielen nach heutigem Kenntnisstand eine wichtige Rolle bei der Entstehung psychiatrischer Störungen und Demenzerkrankungen wie z.B. Alzheimer. Über die Mechanismen der Regulierung der Gedächtnisformierung und der Beeinflussung anderer Neuromodulatoren durch Acetylcholin bestehen bisher nur begrenzte Kenntnisse. Das Forschungsprojekt setzte genau an dieser Stelle an: Carla Cremer will zum besseren Verständnis der funktionellen Dynamik von Acetylcholin beitragen und neue Ansätze zur parallelen Messung von Neuromodulatoren testen. Dabei wurde erfolgreich ein Modell entwickelt, das das Messen spontaner Veränderungen in der cholinergen Aktivität im Gehirn der Maus in Abhängigkeit vom jeweiligen Verhalten erlaubt. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für eine spätere Publikation bilden.

Geological Mapping on the Basis of Multispectral Remote Sensing Data in Olorgesailie, Kenya
Felix Fürgut (Fakultät für Geowissenschaften)

Wegweiser an der Wiege der Menschheit: Felix Fürgut brauchte für sein ausgezeichnetes Projekt Kenntnisse aus Geologie, Tektonik, Bodenkunde und Fernerkundung sowie ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz und Sorgfalt, um neue geologischer Karten im kenianischen Rift Valley zu erstellen. Diese Region ist durch ein hohes Maß an geologischer Komplexität durch zahlreiche Vulkanausbrüche gekennzeichnet. Herr Fürgut hat Daten eines Erdbeobachtungssatelliten ausgewertet, um die Zusammenhänge zwischen der Verfügbarkeit von Nährstoffen, den Wanderbewegungen von Tieren auf der Suche nach diesen Nährstoffen und anthropologischen Fundstellen an den Nadelöhren der historischen Migrationsrouten aufzuzeigen. Mithilfe moderner Software konnten Inkonsistenzen der bisherigen geologischen Karten aufgedeckt und die Verteilung spezifischer Mineralien dargestellt werden. Diese neuen geologischen Karten bilden u.a. die Voraussetzung für die gezielte Sammlung von Bodenproben. Felix Fürgut wird seine Ergebnisse auf einer internationalen Konferenz in Addis Abeba im März 2017 präsentieren und seine Forschung als PhD fortsetzen.

Für den LMU Forscherpreis für exzellente Studierende waren 19 Vorschläge aus elf Fakultäten eingegangen. Eine Jury, in der alle vier Fächergruppen und die verschiedenen Statusgruppen der LMU vertreten sind, hat aus den Vorschlägen der Fakultäten neun Preisträger ausgewählt. Die Projekte werden nach den Kriterien der erfolgreichen Durchführung des Projektes, Umfang und Originalität des Erkenntnisgewinns sowie Potenzial für Anschlussprojekte bewertet. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro pro Projekt dotiert.