Ludwig-Maximilians-Universität München
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Digitale Helfer im Studium

Hausarbeit 4.0

München, 12.08.2016

Unzählige Apps und Programme sollen Studierende beim Schreiben von Hausarbeiten unterstützen. Aber welche helfen wirklich?

Foto: Jan Greune / LMU

Digitale Angebote können auch das Schreiben der eigenen Abschluss- oder Hausarbeit erleichtern – wenn man sie richtig einsetzt. Die Spanne digitaler Angebote für Studierende reicht dabei von klassischen Literaturverwaltungsprogrammen bis hin zu Apps, die die eigene Hausarbeit auf Plagiate überprüfen oder die Facebook-App auf dem Smartphone blockieren. Trotzdem nutzen nur wenige Studierende diese Apps und Programme. Dabei kann es sich durchaus lohnen, sich digitale Unterstützung zu suchen.

Grundsätzlich gilt jedoch: Digitale Helfer können auch beim Schreiben von Hausarbeiten nicht die eigene Arbeit ersetzen. „Im besten Fall funktionieren diese Apps und Programme als Turbo-Triebwerk, welches die eigene Schreibarbeit befeuert“, sagt Dr. Cornelia Rémi vom Schreibzentrum der LMU. „Aber man sollte niemals zu viel Energie und Zeit in diese Programme stecken, sondern sie dann gezielt einsetzen, wenn es zum eigenen Schreibstil passt.“

Literaturverwaltungsprogramme: Citavi und Endnote
Sinnvoll sind vor allem gute Literaturverwaltungsprogramme wie etwa Citavi oder Endnote. Sie vereinfachen das Verwalten von Zitaten und generieren eigenständig Fußnoten und das Literaturverzeichnis. Die Programme kann man sich mittels der LMU-Campuslizenz über die Seiten der Universitätsbibliothek herunterladen. „Beide sind tolle Literaturverwaltungsprogramme“, erklärt Benjamin Rücker von der Universitätsbibliothek der LMU. Geisteswissenschaftler nutzen in der Regel Citavi, Naturwissenschaftler entscheiden sich meist für Endnote. „Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich vor einer Abschlussarbeit in diese Programme einzuarbeiten“, so Rücker. Wer dabei Unterstützung braucht, kann auf die E-Tutorials der Bibliothek zurückgreifen. Im Wintersemester werden zudem auch wieder Schulungen dazu angeboten.

Literaturrecherche: OPAC kann nicht alles
Auch wenn der erste Weg bei der Literaturrecherche über den Online-Katalog der Universitätsbibliothek, kurz OPAC, führt, sollte man sich bei seinen Hausarbeiten nicht nur auf die Suche darüber beschränken: „OPAC ist kein Orakel“, sagt Schreibberaterin Rémi. „Es genügt nicht, einfach nur irgendein Stichwort in die Suchmaske des Online-Katalogs einzugeben.“ Sie empfiehlt, unbedingt die Einführungsveranstaltungen der Universitätsbibliothek zu diesem Thema zu besuchen. Dort gibt es auch zahlreiche Tipps zu weiteren Recherchemöglichkeiten. Fachspezifische Einführungen gibt es darüber hinaus in der jeweiligen Fachbibliothek oder bei den Dozenten des eigenen Studienfachs.

Notiz-Apps: Ordnen und Strukturieren
Apps eignen sich vor allem, um die eigenen Notizen zu einem Thema zu verwalten. Rémi rät, zum Beispiel die App Evernote zu verwenden. Evernote sammelt zentral alle Dateien, die man zu einem Schreibprojekt zusammengetragen hat. Egal, ob man gerade am PC, am Smartphone oder am Tablet arbeitet und ob es sich um Audio-, Video- oder Textdateien handelt. „Wichtig ist, sich unbedingt vorher gute Kategorien und ein Ablagesystem auszudenken!“

Wer Kommilitonen um ein Feedback zu seiner Hausarbeit bitten möchte, kann auf die App „titanpad“ zurückgreifen: „An diesem virtuellen Notizblock können mehrere Personen gleichzeitig arbeiten. Und das ist praktisch, wenn man gemeinsam an einem Referat arbeitet oder sich über seine Hausarbeit austauschen möchte“, erklärt Rémi. „Diese App habe ich schon einmal in einem meiner Seminare ausprobiert und das hat die Zusammenarbeit der Studierenden extrem erleichtert.“

Wider die Prokrastination: Ein Wecker reicht auch
Auch die beste App kann Prokrastination, besser bekannt als „Aufschieberitis", nicht verhindern. „Wer trotzdem technische Unterstützung sucht, kann auch einen Küchenwecker verwenden“, sagt Rémi und lacht. Hinter dieser einfachen Empfehlung steckt das „Pomodoro-System“, das auf Francesco Cirillo zurückgeht. Er entwickelte diese Methode des Zeitmanagements, die die eigene Arbeit in kurze rhythmische Arbeitsschritte unterteilt – und dafür einen Küchenwecker in Tomatenform verwendete. „Diese Methode kann man auch gut als Salamitaktik beschreiben: Man arbeitet 20 Minuten, macht 5 Minuten Pause und beginnt wieder von vorn“, erklärt Rémi. „So fühlt man sich nicht davon überwältigt, dass man mindestens 60 Seiten einer Hausarbeit füllen muss und kann seine Arbeit Schritt für Schritt angehen.“

Die Studentin Lilli Hölzlhammer, die gerade ihre Abschlussarbeit schreibt, empfiehlt dagegen Programme oder Apps, die den Zugang auf Apps und Seiten wie Facebook sperren: „Ich nutze zum Beispiel „Productivity Owl“, eine Browsererweiterung, die reagiert, wenn ich zu lange auf zuvor ausgewählten Seiten unterwegs bin: Dann erscheint eine Eule auf dem Bildschirm, die mich daran hindert weiter zu surfen.“

Gleiches gilt für die App „AppBlock“: „Damit kann man einen Zeitraum programmieren, in dem man nicht auf ausgewählte Apps zugreifen kann“, erzählt die Journalistikstudentin Julia Anton. Probiert man es trotzdem, erscheint ein Hinweis, dass man versucht hat, die App „unerlaubt" zu öffnen – und die App zählt auch noch mit, wie oft das passiert. „Das funktioniert echt super“, sagt Julia.

Plagiats-Check für Hausarbeiten
Für alle, die sichergehen möchten, dass sie in ihrer Arbeit nicht aus Versehen plagiiert haben, gibt es Plagiat-Apps wie zum Beispiel PlagiatCheck. „Das ist die einzige App, die wir wirklich nutzen“, erzählen Pia Hafenmair und Steffi Nestmeier, die beide im Moment ihre Bachelorarbeit im Studiengang Pädagogik schreiben. „Den Tipp haben wir von einer Kommilitonin bekommen, die deswegen sogar Lob von ihrer Betreuerin bekommen hat. Anscheinend plagiiert man doch unbewusst das eine oder andere Mal“, erklärt Steffi.

In all diese Programme sollte man sich jedoch ohne Zeitdruck einarbeiten, rät Rémi. „Und sie von Anfang an konsequent für den eigenen Arbeitsprozess nutzen.“ Ein Tipp der Schreibberaterin: Unbedingt frühzeitig mit den Programmen spielen, um herauszufinden, wie man am besten damit arbeiten kann. „Und: Digitale Helfer sind immer nur so schlau wie man selbst – und können niemals Ersatz für das eigene Timing, Struktur und Arbeit sein.“
cdr

Wer auch trotz der digitalen Helfer vor einem leeren Blatt Papier sitzt, kann sich an das Schreibzentrum der LMU wenden. Weitere Informationen: www.sprach-und-literaturwissenschaften.uni-muenchen.de/studium/schreibzentrum