Ludwig-Maximilians-Universität München
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Lehre@LMU:

Herausragende Projekte werden ausgezeichnet

München, 03.12.2015

Am heutigen Donnerstag hat die LMU 12 Preise im Rahmen des Programms Lehre@LMU vergeben. Der LMU Lehrinnovationspreis würdigt Lehrende, die innovative Lehrkonzepte erarbeiten und umsetzen. Die besten studentischen Forschungsprojekte werden mit dem LMU Forscherpreis für exzellente Studierende prämiert. Die systematische Integration von Forschungs- und Praxisorientierung in die Lehre ist ein Ziel des Programms im Rahmen des Qualitätspakts Lehre. Dazu gehört unter anderem, dass Studierende bereits während des Studiums die Gelegenheit haben, ein Forschungsprojekt weitgehend selbstständig durchzuführen. Die Preise werden von der LMU jährlich vergeben.

Foto: Jan Greune / LMU

LMU Lehrinnovationspreis 2015

„Clinical Case Discussion“
Das CCD-Projektteam an der Medizinischen Fakultät

Das studentisch initiierte Projekt vereinigt eine ganze Reihe innovativer Aspekte. Es wurde eine Veranstaltung mit Modellcharakter etabliert, außerdem wurden neue Medien systematisch integriert. Die Studierenden haben dabei ein Höchstmaß an Engagement unter Beweis gestellt; sie arbeiten als Gruppe an der strukturierten Lösung eines komplexen Patienten-Falles aus dem New England Journal of Medicine (NEJM). Sie müssen dafür vorhandenes medizinisches Wissen auf diese echten Patientenfälle anwenden und üben dabei auch gleichzeitig die englische Fachsprache. Ebenso ist die Verwendung aktueller Publikationen und neuester Guidelines (z.B. durch die Harvard-Datenbank www.utdol.com) in den CCD-Prozess eingebettet. Gemeinsam mit erfahrenen Studierenden als Moderatoren und mit der Unterstützung einer klinisch tätigen Ärztin oder eines Arztes als Expertin oder Experte wird durch strukturiertes Vorgehen erlernt, Schritt für Schritt die vorhandene klinische Situation zu evaluieren und entsprechende Entscheidungen in der Diagnosefindung zu treffen. Schließlich ist auch eine spezifische Patientenperspektive berücksichtigt worden.

 

„Archäologische Daten und Statistik: Statistische Grundlagen, Analysemethoden, grafische Darstellung“ (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Simone Reuß M.A., Patrick Schenk M.A., Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick

Die Lehrveranstaltung ist in besonderem Maße innovativ, weil sie zwei nicht auf den ersten Blick zusammenhängende Kompetenzen, die aber für ein modernes Fachverständnis der Archäologie unabdingbar sind, in genuiner Interdisziplinarität in der Lehre miteinander verknüpft: Statistik, Informatik und Archäologie. Die Lehrveranstaltung wurde aus diesem Grund völlig neu gestaltet. Sie vermittelt Grundlagen in der Erfassung von und Umgang mit archäologiebezogenen Daten sowie Grundlagen der Statistik – eine Schlüsselqualifikation für Arbeitsmarkt und Alltag, aber auch für die unterschiedlichen Aufgaben des wissenschaftlichen Arbeitens im Fach. Denn auch in primär kulturwissenschaftlich arbeitenden archäologischen Disziplinen sind heute aufgrund stark angewachsener Datenmengen statistische Analyseverfahren wesentliche Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens und folglich als Lerninhalt von Studierenden aller Ausbildungsstufen sehr nachgefragt. Die Lehrveranstaltung behebt für die Studierenden ein wesentliches Defizit, da statistische Verfahren so fachspezifisch an der LMU bislang nicht vermittelt wurden. Die Einbettung neuer Medien, insbesondere die Softwarekompetenz für statistische Datenanalyse, vor allem der Rückgriff auf das kostenlose Open Source Paket R, ist Grundprinzip der Veranstaltung.

Insgesamt wurden für den LMU Lehrinnovationspreis zehn Vorschläge aus zehn Fakultäten eingereicht. Die Hochschulleitung der LMU hatte den Ausschuss für Lehre und Studium beauftragt, die Vorschläge zu begutachten und hat zwei Preisträger ausgewählt. Die Preise sind mit 10.000 Euro dotiert.

LMU Forscherpreise für exzellente Studierende 2015

„Die Maxvorstadt – protestantisch gesehen“
Barbara Baum, Florian Büttner, Christine Hauptkorn, Claudia Mühlbacher, Christine Müller, Juliane Muth-Schultz, Marie-Christin Noller, Ann-Kathrin Schaub, Thomas Schultheiß und Lena Wilckens (Evangelisch-Theologische Fakultät)

Die Studierenden haben mit ihrer Arbeit „Die Maxvorstadt – protestantisch gesehen“ eine ganze Reihe von relevanten Themen der Kirchengeschichte dargestellt. Diese wurden schließlich in einer Ausstellung in der "U-Bahn-Galerie" des Bezirksausschusses Maxvorstadt präsentiert. Das Projekt ist in hohem Ausmaß anschlussfähig an weitere Projekte der praktischen Theologie und darüber hinaus. Insgesamt geht die Ausstellung weit über das hinaus, was durchschnittlich von Studierenden an Engagement, Kreativität und erarbeitetem Wissen erwartet werden kann. Zugleich ist die Ausstellung ein Musterbeispiel für kompetenzorientiertes Lehren und Forschen. Inzwischen liegt die Ausstellung der Studierenden zusammen mit Begleitvorträgen der LMU-Reihe „Maxvorstädter Vorlesungen“ auch als Buch vor (K. Bäumler u.a., Die Maxvorstadt, München 2014).

 

„Literarisches Leben in der Maxvorstadt“; Studentierende der deutschen Philologie erforschen die Literaturgeschichte in der Maxvorstadt
Sarah Bischof, Maria Holbl, Johanna Hympendahl, Matthäus Koik, Anna Mayer-Köbel, Laura Mokrohs, Lisa Scherbaum, Ursula Skusa und Stefanie Schwanzer (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)

Die Studierenden haben ihren Preis für das Projekt „Literarisches Leben in der Maxvorstadt“ erhalten. Zwölf Themen des Forschungsprojektes wurden ebenfalls in der bereits erwähnten Ausstellung der Studierenden der Evangelisch-Theologische Fakultät präsentiert. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen Präzisierungen im kolportierten Bild der Münchener Literaturgeschichte. Vieles von dem, was zur Schwabinger Bohème gezählt wird, hat sich in der Maxvorstadt ereignet, die Rolle der Maxvorstadt ist aber in diesem Punkt kaum ins kulturelle Gedächtnis der Stadt eingegangen, obwohl sie allgemein als der „Geist Münchens“ gilt. Aufschlussreich ist auch die anti-universitäre Geste der Bohème.

 

„Willensfreiheit und Verantwortung: Das Prinzip des Andershandelnkönnens“
Lisa Marie Orgeldinger (Juristische Fakultät)

Lisa Marie Orgeldinger erhält ihren Preis für ihre herausragende Seminararbeit „Willensfreiheit und Verantwortung: Das Prinzip des Andershandelnkönnens“. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Willensfreiheit und moralischer wie rechtlicher Freiheit – eine der schwierigsten und komplexesten Probleme der Moral- und Rechtsphilosophie. Im Mittelpunkt steht dabei das Prinzip des Andershandelnkönnens (PAP) als Bedingung der Verantwortungszuschreibung. Die Arbeit wurde auf eine sehr überzeugende, informative und klug argumentierende Weise zu einem außerordentlich schwierigen und komplexen Thema verfasst und bewegt sich auf hohem sprachlichem Niveau.

 

„Gewalt gegen alte Menschen in Pflegebeziehungen: Forschung, Befunde, Erklärungsansätze“
Kilian Wolf (Juristische Fakultät)

Kilian Wolf erhält den Preis für seine Seminararbeit zum brisanten Thema „Gewalt gegen alte Menschen in Pflegebeziehungen“, die er mit hoher Sorgfalt und Qualität angefertigt hat. Die Arbeit fokussiert auf die Prävalenz des Gewaltphänomens und thematisiert Täter-Opfer-Beziehungen und Risikofaktoren. Bemerkenswert ist die Argumentation und Anwendung einiger allgemeiner kriminologischer Theorien und die präzise Zusammenfassung der Befunde mit Vorschlägen für Präventionsmaßnahmen.

 

„A survey study on student preferences regarding pathology teaching in Germany: a call for curricular modernization”
Dr. med. Florian E. M. Herrmann, Markus Lenski und Julius Steffen (Medizinische Fakultät)

Florian Herrmann und seine Kollegen erhalten den Preis für ein Projekt zur medizinischen Curriculumsverbesserung in der pathologischen Lehre im Rahmen des MeCuM StEP - Studierenden Exzellenz Programm, aus dem die Publikation „A survey study on student preferences regarding pathology teaching in Germany: a call for curricular modernization.“ in BMC Medical Education hervorgegangen ist. In der insgesamt elfköpfigen studentischen StEP-Gruppe wurden die Fragestellungen zur Analyse der Lehrsituation in der Pathologie an der LMU und in Brisbane (Australien) ausgearbeitet, die durch die Studie beantwortet werden sollten. Nach einer Fokusgruppenanalyse wurde eine Online-Umfrage unter Medizinstudierenden der LMU durchgeführt. Anhand der so gewonnenen Daten wurde schließlich, unter Einbeziehung von Pathologen und Medizindidaktikern aus Australien, Deutschland und den USA, ein konkretes Konzept zur Verbesserung der Lehre entwickelt. Die Arbeit ist aufgrund der internationalen Perspektive und dem hohen Engagement bei der Sammlung und Aufbereitung der Daten bemerkenswert.

 

„(Bau-) Geschichte von Schloss Zellereit bei Wasserburg am Inn“
Magdalena März (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften)

Magdalena März wird für ihre Arbeit mit dem Titel „(Bau-) Geschichte von Schloss Zellereit bei Wasserburg am Inn und sein Garten im 17. Jahrhundert“ geehrt. Die Arbeit wurde als Bachelorarbeit im Fach Kunstgeschichte verfasst und behandelt die Baugeschichte und Geschichte von Schloss Zellereit bei Wasserburg am Inn mit einem besonderen Fokus auf der Epoche der Spätrenaissance. Die Arbeit glänzt mit einer in diesem Rahmen leider sonst eher unüblichen interdisziplinären Breite unter Einbeziehung vor allem geschichtswissenschaftlicher und bauarchäologischer Kontexte und wurde mit dem Geschichtspreis der Stadt Wasserburg ausgezeichnet. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse in der renommierten fachrelevanten Zeitschrift „Burgen und Schlösser“ wurde angeregt, weitere Veröffentlichungen sind geplant.

 

„LMU Navigator“
Timo Loewe und Lukas Ziegler (Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik)

Wo geht es lang an der LMU? Die beiden Studierenden erhalten Ihren Preis für das Forschungsprojekt „LMU Navigator“. Sie haben mit Unterstützung des Dezernates für Liegenschaften und Technik eine App entwickelt, die unter Nutzung des jeweiligen Standortes das Auffinden von Räumen erleichtert. Dazu wurden die Raumpläne der LMU erfasst und in die App integriert – ebenso wie Fotos von Gebäuden und Räumen. Der Applikation liegt eine umfangreiche und erweiterbare Datenbank zugrunde, die sich jederzeit erweitern lässt. Die Arbeit zeichnet sich durch großes Engagement und solide informatische Umsetzung aus.

 

„PET activation studies at a cyclotron-based proton therapy facility - Experiments and Monte Carlo simulations”
Matthias Würl (Fakultät für Physik)

Matthias Würl erhält den Preis für seine Masterarbeit mit dem Titel „PET activation studies at a cyclotron-based proton therapy facility - Experiments and Monte Carlo simulations“. Die innovative und herausragende Arbeit beschäftigt sich mit der akkuraten Modellierung der Strahlführung des „Munich Proton Therapy Center“. Er konnte mit einem originellen Ansatz zeigen, dass das analytische Instrument zur klinischen Behandlungsplanung zu akkuraten und korrekten Resultaten führt. Das Resultat seiner Arbeit hat zu weiteren studentischen Qualifizierungsarbeiten geführt. Ebenso wurde die Arbeit ins Verlagsprogramm von Springer Spektrum als „BestMaster--‐Title“ aufgenommen. Ein Artikel zu seiner Arbeit wurde kürzlich bei „Physics in Medicine and Biology“ eingereicht.

 

„Synthese von Kupfer-Komplexen und Untersuchung des Elektronentransfers von Kupfer-Guanidinochinolin-Systemen“
Mathias Turberg (Fakultät für Chemie und Pharmazie)

Mathias Turberg wird für seine Bachelorarbeit „Synthese von Kupfer-Komplexen und Untersuchung des Elektronentransfers von Kupfer-Guanidinochinolin-Systemen“ geehrt. Er hat dafür äußerst selbstständig und sorgfältig gearbeitete und eigenständig neue chemische Synthesewege gesucht und gefunden. Die Arbeit gibt eine gelungene Einführung in die Thematik des Elektronentransfers und die Bestimmung der Selbstaustauschkonstante. Die Arbeit dient als Ausgangspunkt weiterer Studien zum Elektronentransfer und wurde bereits als Poster auf einer internationalen Konferenz präsentiert. Eine Publikation ist in Vorbereitung.

 

„The Effects of Sunscreen on the Microphytobenthos”
Helena Hager (Fakultät für Biologie)

Helena Hager erhält den Preis für ihr Forschungsprojekt „The Effects of Sunscreen on the Microphytobenthos“. Sie wird für ihre umfangreichen Forschungsarbeiten an aquatischen Ökosystemen ausgezeichnet. Im Rahmen ihres mit dem Lehre@LMU-Förderpreis der Fakultät für Biologie unterstützten Forschungsprojektes beschäftigte sie sich dabei in Labor- und Freilandexperimenten mit den Effekten von Sonnencreme auf das Mikrophytobenthos, also auf Mikroalgen in der Grenzschicht zwischen Sediment und Wasser. Zum Schutz vor schädlicher UV-Strahlung ist der Griff zur Sonnencreme beim Strandbesuch mittlerweile zur Routine geworden. In küstennahen Zonen und in Strandnähe sind die Mikroalgen des Sandlückensystems für den Großteil der Primärproduktion verantwortlich. Gerade dort ist der Eintrag von Sonnencreme ins Wasser erheblich. Mit Laborkulturen von benthischen Kieselalgen konnte sie nachweisen, dass die Beweglichkeit und das Wachstum der Algen durch die Verschmutzung des Wassers mit Sonnencreme verändert werden. Dabei zeigten sich – überraschenderweise – vor allem wachstumsfördernde Effekte! Die Originalität der Arbeiten von Helena Hager liegt in der Kombination einer toxikologischen Fragestellung mit einer ökologischen Herangehensweise anhand der Untersuchung des komplexen Umweltschadstoffes Sonnencreme. Die Ergebnisse der Forschung bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte zu weiteren Arbeiten über die Auswirkungen von komplexen Schadstoffen in der aquatischen Umwelt und zur Funktion von Lebensgemeinschaften an der Basis des wichtigen Ökosystems Meer.

Für den LMU Forscherpreis für exzellente Studierende waren 22 Vorschläge aus 13 Fakultäten eingegangen. Eine Jury, in der alle vier Fächergruppen und die verschiedenen Statusgruppen der LMU vertreten sind, hat aus den Vorschlägen der Fakultäten zehn Preisträger ausgewählt. Die Projekte werden nach den Kriterien der erfolgreichen Durchführung des Projektes, Umfang und Originalität des Erkenntnisgewinns sowie Potenzial für Anschlussprojekte bewertet. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro pro Projekt dotiert.