Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Lehre@LMU:

Herausragende Projekte werden ausgezeichnet

München, 02.12.2014

Am heutigen Dienstag hat die LMU 13 Preise im Rahmen des Programms Lehre@LMU vergeben. Der LMU Lehrinnovationspreis würdigt Lehrende, die innovative Lehrkonzepte erarbeiten und umsetzen. Die besten studentischen Forschungsprojekte werden mit dem LMU Forscherpreis für exzellente Studierende prämiert. Die systematische Integration von Forschungs- und Praxisorientierung in die Lehre ist ein Ziel des Programms im Rahmen des Qualitätspakts Lehre. Dazu gehört unter anderem, dass Studierende bereits während des Studiums die Gelegenheit haben, ein Forschungsprojekt weitgehend selbstständig durchzuführen. Die Preise werden von der LMU jährlich vergeben.

Foto: Jan Greune / LMU

LMU Lehrinnovationspreis 2014

„Praxismodul zum Flüchtlingsrecht“ (Juristische Fakultät)
Professor Rudolf Streinz/Professor Ulrich Becker

Der Umgang mit Flüchtlingen ist ein Testfall für den Rechtsstaat. Das Praxismodul vermittelt auch Fachfremden, wie komplex die Verfahren zwischen Jurisprudenz, staatlicher Administration und dem Schicksal der Betroffenen sind. Das integrative Modul zum Asylrecht, das Studierenden aller Fakultäten offensteht, die sich in diesem Bereich auch ehrenamtlich engagieren wollen, macht die Aktualität und den Alltagsbezug deutlich sichtbar. Besonders gelungen ist die Kombination aus theoretischen und praktischen Vorlesungsanteilen, Exkursionen, simulierten Beratungsgesprächen, Workshops und Rechtsberatung. Gleichzeitig findet im Rahmen dieses Projektes eine Vernetzung zwischen Universität, Ämtern und der Gesellschaft statt.

 

„Projekt ‚Sommer am Gärtnerplatz. Veranstaltungsmanagement und Kommunikation für das Gärtnerplatz-Open Air 2014‘“ (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften)
Regina Wohlfarth / Dana Pflüger

In diesem Projekt hatten Studierende die Aufgabe, eine Großveranstaltung in Kooperation mit externen Partnern zu planen und durchzuführen. Veranstaltungsmanagement ist ein wichtiger, praxisbezogener Bestandteil der Ausbildung. Trotz seines Charakters als Einzelereignis bietet das Projekt doch zahlreiche Möglichkeiten der Wiederholung und Institutionalisierung. Das Projekt macht auf völlig neue Weise das ausdifferenzierte Zusammenspiel unterschiedlicher kultureller Beteiligter und Institutionen für Studierende deutlich und zeigt nicht nur, wie komplex Kulturvermittlung heutzutage ist, sondern auch, dass hierbei ein vertiefter Kulturbegriff vermittelt werden muss. Für die Organisation wurde auch eine Kollaborationssoftware genutzt, die auch zukünftigen Projekten zur Verfügung steht.

 

„Projekt ‚Brückensteine‘“ (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)
Sabine Anselm / Professor Sven Hanuschek / Ute Hofmann / Marcel Schellong / Andreas Schöffmann / Anke Werani

Das Modell verbindet drei zentrale Bereiche der Lehrerbildung aufs Engste: Die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung einerseits und die Praxiserprobung des Gelernten und Erarbeiteten in der Schule sowie dessen Reflexion andererseits. Überzeugt haben vor allem die interdisziplinäre Kooperation von Fachwissenschaft und Fachdidaktik und die sich daraus ergebenden Synergieeffekte. Das Modell kann Vorbild für andere Lehramts-Unterrichtsfächer sein. Die Einbindung neuer Medien erfolgt auf verschiedenen Ebenen: Als Thema der Veranstaltung, als Medieneinsatz in einem Portal sowie im Rahmen von Videofeedback.

 

„Lehrmodul „iRES hands-on research“ (Fakultät für Biologie)
Daniela Meilinger

In diesem Projekt geht es darum, eine Brücke zwischen universitärer Grundausbildung und forschungsorientierter Weiterbildung zu schlagen, indem Studierende zwar fachspezifisch, aber durchaus mit einer überfachlichen Perspektive in die Grundstrukturen der Forschungspraxis eingeführt werden. Die Studierenden lernen, wie Forschung initiiert, entwickelt und gefördert wird. Im Blickpunkt stehen dabei sowohl theoretisch-konzeptionelle Grundlagen wie insbesondere der Umgang mit unterschiedlichen Methoden, aber auch praktische Perspektiven, wie Forschung methodisch überhaupt erst auf den Weg gebracht werden kann.

Für den LMU Lehrinnovationspreis gingen zehn Vorschläge ein. Der LMU Lehrinnovationspreis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll zur Verbesserung der Qualität in der Lehre eingesetzt werden. Die Fakultäten der LMU waren aufgefordert, das Konzept einer besonders praxisorientierten und erfolgreichen Lehrveranstaltung einzureichen. Der Preis wird von der Hochschulleitung vergeben. Wichtige Kriterien für die Vergabe sind der Innovationsgehalt der überarbeiteten Lehrveranstaltung, der Modellcharakter der Lehrveranstaltung sowie die Integration neuer Medien.

 

LMU Forscherpreise für exzellente Studierende 2014

Juliane Eckstein (Katholisch-Theologische Fakultät)
„Kurz- oder Langvorlage? Anwendung des Idiolekttests auf die in der griechischen Textüberlieferung asterisierten Passagen des Ijobbuches“

Juliane Eckstein hat in innovativer Weise die hebräische und deutlich kürzere griechische Fassung der Ijobexegese miteinander verglichen. Ergebnis dieser Analyse ist, dass die griechische Fassung nicht die ältere, sondern eine nachträglich gekürzte Fassung ist. Ihre Diplomarbeit wurde zur Veröffentlichung angenommen und befindet sich im Druck, was eine höchst seltene Auszeichnung in der Theologie ist.

 

Markus Alexander Gerz (Juristische Fakultät)
„Verfassungsfragen vor dem Reichskammergericht“

Markus Gerz hat im Rahmen des Seminars „Verfassungsgeschichte der Frühen Neuzeit – zwischen Reichsrechtspraxis und Wissenschaft vom öffentlichen Recht“ eine herausragende Schwerpunktseminararbeit zum Thema „Verfassungsfragen vor dem Reichskammergericht“ angefertigt, die in überarbeiteter Form auch in der studentischen Rechts-Zeitschrift „Rescriptum“ erschienen ist.

 

Hannah Braun, Xueqian Chen, Carl-Christian Groh, Jonas Sommer und Malte Welling (Volkswirtschaftliche Fakultät)
„Peer Effects under Time Pressure – An Experimental Approach

Die Arbeit entstand im Rahmen eines Lehre@LMU-Projektes als Teil der Veranstaltung „Colloquium: Research in Experimental Economics“. Die Studierenden beschäftigten sich damit, wie sich Zeitdruck und Informationen über die Entscheidungen anderer auf Entscheidungen unter Risiko auswirken, also wie sich Menschen beim Abwägen zwischen zwei Möglichkeiten verhalten, die in unterschiedlichem Maße vom Zufall abhängen. Sie wandten dabei experimentelle Methoden in innovativer Weise an.

 

Laura Busert (Medizinische Fakultät)
„Dietary diversity is associated with child conditional growth in rural Nepal“

Laura Busert führte ihr Forschungsprojekt im Rahmen des Masters of Public Health weitgehend selbstständig in Zusammenarbeit mit dem University College London und einer nepalesischen Forschungsorganisation vor Ort in Jumla, Nepal, durch. Sie bearbeitete die Forschungsfrage, welche Faktoren bestimmen, ob Kinder mit chronischer Unterernährung im Wachstum aufholen können, eigenständig und mit großer Sorgfalt. Für ihre Masterthese erhielt sie bereits den Global Public Health Award der Else Kröner-Fresenius-Stiftung 2014.

 

Lilly Maier (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften)
„Ein Leben nach dem Kindertransport – Eine Betrachtung von längerfristigen Nachwirkungen der Kindertransporte unter Einsatz von Zeitzeugen-Interviews mit amerikanischen Holocaust-Überlebenden“

Die Bachelorarbeit von Lilly Maier beschäftigt sich mit den Kindertransporten, die in der Holocaust-Forschung lange unbeachtet geblieben sind. Sie stellt die Folgen und Nachwirkungen dieser Transporte in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und hat dazu 13 Zeitzeugen interviewt. Sie konnte dabei bis heute nachwirkende Loyalitätskonflikte zwischen Pflegefamilien und leiblichen Familienmitgliedern finden sowie eine „Traumaübertragung“ von den Eltern auf ihre Kinder feststellen.

 

Ferdinand Heimerl (Fakultät für Kulturwissenschaften)
„Nordafrikanische Sigillata, Küchenkeramik und Lampen aus Augusta Vindelicum/Augsburg"

Ferdinand Heimerl hat in seiner Magisterarbeit die ausgewählte Keramik sehr systematisch und effizient dokumentiert, katalogisiert und untersucht. Die vorliegende Untersuchung stellt erstmals einen vollständigen wissenschaftlichen Katalog mit Darstellung und Dokumentation von wichtigen mediterranen Keramikgruppen wie die nordafrikanische Sigillata, Küchenkeramik und Lampen dar. Er hat die Arbeit mit einem hohen Maß an Selbstständigkeit erstellt. Sie wurde in „Münchner Beiträge zur Provinzialrömischen Archäologie“ publiziert.

 

Aeneas Rekkas (Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik)
„Serlo“

Aeneas Rekkas studiert im Bachelorstudium Medieninformatik und ist maßgeblich an der Entwicklung einer der inzwischen größten kostenlosen Mathematiklernseiten für Schüler in Deutschland beteiligt (www.serlo.org). Es gibt darin inzwischen über 8.500 Lerninhalte, die Seite verzeichnet bis zu 350.000 Besucher im Monat. Das durch Lehre@LMU unterstützte technische Konzept hat er eigenständig ausgearbeitet, implementiert und dokumentiert.

 

Juliane Kretschmann (Fakultät für Biologie)
„Taxonomic clarification of Gymnodium limnecticum WOŁOSZ. and resurrection of Melodinium KENT (Gymnodiniaceae, Dinophyceae)“

Juliane Kretschmann beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit Taxonomie, Morphologie, Ökologie, Evolution und Phylogenie einzelliger Dinoflagellaten (Panzergeißlern) – einer eigenständigen, in limnischen und marinen Ökosystemen weit verbreiteten Entwicklungslinie der Algen, die in der Ökosystem-Modellierung von großer Bedeutung sind. Methodisch ist sie dabei äußerst vielseitig und innovativ. Sie hat aus Ihrer Masterarbeit drei Publikationen auf den Weg gebracht und setzt ihre wissenschaftliche Arbeit zu diesem Themenbereich in einer Promotion fort.

 

Patricia Velado Lobato (Fakultät für Biologie)
„Frequency of deception in the spider Pisaura mirabilis in a natural population“

Patricia Velado Lobato studiert im Rahmen des Erasmus Mundus-Programms im Masterstudiengang Ecology, Evolution and Systematics. Ihre im Rahmen von Lehre@LMU geförderte Forschungsarbeit aus dem Bereich der Verhaltensökologie beschäftigt sich mit den ökologischen Faktoren, die die Paarungsstrategien bei Männchen von Pisaura mirabilis beeinflussen – einer Spinnenart, die für ihre Brautgeschenke bekannt ist. Ihre Ergebnisse zeigen, dass das beschriebene Täuschungsverhalten bei Pisaura mirabilis möglicherweise eine Strategie der Männchen ist, die in Konkurrenz um zur Paarung zur Verfügung stehende Weibchen stehen. Die Arbeit ist sehr innovativ und eröffnet neue Forschungsperspektiven. Sie wird als Poster auf dem European Congress of Arachnology präsentiert.

Für den LMU Forscherpreis für exzellente Studierende sind 23 Vorschläge bei der Jury eingegangen. Die Preisträger der LMU Forscherpreise für exzellente Studierende erhalten jeweils 1.000 Euro. Die Vergabe erfolgte durch eine Jury, die die Projekte nach den Kriterien der erfolgreichen Durchführung des Projektes, Umfang und Originalität des Erkenntnisgewinns sowie Potenzial für Anschlussprojekte bewertete.