Ludwig-Maximilians-Universität München
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Lehramtsstudentin bei Olympia

„Jeder Fehler wird bestraft“

München, 14.02.2014

Im Februar geht es für Studierende in die heiße Prüfungsphase. Nicht so für Sophie Kratzer, die an der LMU Deutsch, Geschichte und Sozialkunde auf Lehramt studiert: Denn die 24-jährige Eishockey-Spielerin nimmt 3.000 Kilometer entfernt von den Hörsälen an ihren ersten Olympischen Spielen teil.

Sophie Kratzer nach der Eröffnungsfeier in SotschiWas sind Ihre ersten Eindrücke aus Sotschi?
Sophie Kratzer: Wir sind schon seit Ende Januar hier, um uns vorzubereiten. Als wir ankamen, war das Olympische Dorf noch weitgehend leer und wir hatten genug Zeit, um uns einzugewöhnen. Mittlerweile begegnen mir im Coastal Village täglich Sportstars aus aller Welt – das ist toll. Zum positiven Grundgefühl trägt auch das sonnige und warme Wetter hier bei. Die vielen freiwilligen Helfer sind rund um die Uhr freundlich, fleißig und gut gelaunt. Und nicht zuletzt: Die Sportstätten sind bestens ausgestattet.

Das klingt nach der typischen, positiven Olympia-Atmosphäre. Von den negativen Schlagzeilen ist für die Sportlerinnen und Sportler also nichts zu spüren?
Das stimmt, soweit ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann. Wir bekommen von der negativen Berichterstattung kaum etwas mit – bei uns ist die Stimmung gut. Ich habe auch Presseberichte gelesen, in denen es hieß, nicht alles sei fertig geworden. Davon sehe ich hier nichts.

Wie sind Sie untergebracht?
Wir wohnen im deutschen Haus im Coastal Village zu dritt auf einem Zimmer – aber das ist in Ordnung so. Zwischendurch findet man schon ein paar freie Räume, um einmal für sich zu sein. Ansonsten ist alles recht nah und zu Fuß erreichbar, auch das Stadion. Das Olympische Dorf ist so angelegt, dass es später für den Tourismus genutzt werden kann. Davon profitieren wir, denn von meinem Balkon aus sehe ich das Schwarze Meer. Mir gefällt es hier ganz gut.

Sie mussten gleich im ersten Spiel gegen Gastgeber Russland spielen. Was nehmen Sie mit aus dem Spiel?
Es ist so, dass wir sportlich als Außenseiter in das Turnier gestartet sind. Das Auftaktspiel gegen Russland war bereits ein Highlight, da die Russinnen lauthals vom heimischen Publikum angefeuert wurden. In den ersten zwei Dritteln waren wir nah dran an einer Sensation, denn wir führten 1:0. Am Ende mussten uns dann aber durch zwei nah aufeinander folgende unglückliche Treffer mit 1:4 geschlagen geben. Ernüchternd ist so gesehen die Erkenntnis, dass auf diesem Niveau sowohl jeder Fehler hart bestraft wird als auch momentan das nötige Glück bei uns fehlt.

Hier an der LMU drückt Ihnen jedenfalls jeder die Daumen, dass sich das noch ändert. Wie sind Sie denn zum Eishockey gekommen?
Meine Mutter schickte mich mit vier Jahren zum Schlittschuhkurs. Dort durften wir Eishockey ausprobieren – seitdem bin ich dabei geblieben. Zunächst im örtlichen kleinen Verein, bei dem ich mit Jungs gespielt habe. Seit ich 14 bin, spiele ich für die Frauen-Bundesligamannschaft des ESC Planegg, mit dem ich in den vergangenen zehn Jahren vier Mal Deutscher Meister geworden bin.

Wie geht es denn für Sie weiter – sportlich und im Studium?
Im Dezember habe ich mir kurz vor der Nominierung für Sotschi das Kreuzband angerissen, sodass alle Olympia-Pläne zunächst zu scheitern drohten. Eine schnelle Versorgung und mein guter Trainingszustand haben es aber doch möglich gemacht, dass ich ohne Einschränkung hier mitspielen kann. Nichtsdestotrotz muss ich voraussichtlich nach der Saison operiert werden. Das wird mein erstes Ziel nach Olympia sein, gefolgt von einem erfolgreichen Ende meines Studiums: Mir fehlen noch die Zulassungsarbeit und ein Seminar. Mit dem Referendariat werde ich sportlich zurückstecken müssen. Ob ich aber ganz mit dem Eishockey aufhöre, lasse ich mir noch offen.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse