Ludwig-Maximilians-Universität München
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100 Jahre Botanischer Garten

Grüne Vielfalt für die Forschung

München, 09.05.2014

Artenreiche Gartenanlage und Ort für Spitzenforschung: Der Botanische Garten feiert im Mai seinen 100. Geburtstag.

Botanischer Garten (Foto: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg)
Foto: Franz Höck, Botanischer Garten München-Nymphenburg

Der Botanische Garten in München gehört zu den wichtigsten und artenreichsten der Welt. Im Mai 2014 feiert er sein 100jähriges Jubiläum am derzeitigen Standort in Nymphenburg: Nachdem der 1812 in der Innenstadt eröffnete alte Botanische Garten zu klein wurde, siedelte die Pflanzensammlung 1914 auf die neue, 22 Hektar große Anlage neben dem Nymphenburger Schlosspark um. Heute wird der Garten von etwa 350.000 Gästen im Jahr besucht, die rund 16.000 Arten aus aller Welt bewundern und sich über die faszinierende Welt der Pflanzen informieren können.

Aber der Garten ist weit mehr als eine Pflanzenschau: „Er erfüllt wichtige wissenschaftliche Funktionen und war schon immer auch ein Ort der Forschung, etwa um die Verwandtschaftsverhältnisse und die Evolution bestimmter Arten zu untersuchen“, sagt Professor Susanne Renner, die sowohl den Botanischen Garten als auch die auf dem gleichen Gelände angesiedelte Botanische Staatssammlung und das Institut für Systematische Botanik und Mykologie der LMU leitet.

Weltenbummler unter Beobachtung
Im Botanischen Garten wachsen Pflanzen aus allen Kontinenten. Dies bietet beste Voraussetzungen für sogenannte „Common Garden“-Experimente, also die Untersuchung von Pflanzen aus verschiedenen Lebensräumen und Klimazonen an einem Ort: „Das gibt uns die einmalige Möglichkeit, etwa deren Anpassung an bestimmte Umweltfaktoren, darunter das lokale Klima, zu untersuchen“, sagt Renner. Eine Pflanze aus Chile verhält sich auch im Botanischen Garten im Wesentlichen wie in Chile, da sie keine Evolutionsmöglichkeit hat – so können die Wissenschaftler analysieren, welche Reaktionen genetisch fixiert sind und welche eine Anpassung an die Umwelt darstellen. „Ein gutes Beispiel ist unsere Studie zu den Blattaustriebszeiten von 500 Holzpflanzenarten aus der ganzen Welt, die noch nie so umfassend untersucht wurden wie in unserem Garten“, betont Renner.

Betörende Düfte im Gewächshaus
Die umfangreiche Pflanzensammlung macht Forschung an bestimmten Pflanzen, die Wissenschaftler im Freiland unter großem Zeit- und Kostenaufwand suchen und dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt – etwa bei der Blüte – finden müssten, überhaupt erst möglich. Dazu gehört etwa die Erforschung der Duftstoffe verschiedener Orchideen. „Diese Orchideen sind seltene Arten, die nur bei uns in Kultur sind und von unseren kenntnisreichen Mitarbeitern im Gewächshaus zur Blüte gebracht werden“, sagt Renner. Die chemische Zusammensetzung der aus den Orchideen gewonnen Duftstoffe untersuchen die Wissenschaftler in Kooperation mit einem Parfumhersteller – möglicherweise finden sich daher manche Düfte eines Tages in edlen Flakons wieder.

Der Botanische Garten wird auch heute noch immer wieder um neue Arten erweitert. Ein besonderer Schwerpunkt dabei ist die Flora des Kaukasus. Einen Überblick über die Geschichte des Gartens bietet die Ausstellung „100 Jahre Botanischer Garten München-Nymphenburg“, die anlässlich des Jubiläums am 11. Mai im Haus 7 der Schaugewächshäuser eröffnet wird. göd