Ludwig-Maximilians-Universität München
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Über die Sixtinische Kapelle

In voller Pracht

München, 13.08.2013

In einem schmalen Band bringt der Kunsthistoriker Ulrich Pfisterer dem Leser die Sixtinische Kapelle und ihre berühmten Wand- und Deckenbilder nahe.

BuchcoverAls vor ein paar Monaten der neue Papst Franziskus gewählt wurde, rückte die Sixtinische Kapelle im Vatikan wieder für Tage in den Fokus des Interesses. Die Kardinäle hatten für die Wahl auch die beiden Öfen fürs Verbrennen der Stimmzettel aufstellen lassen, endlos ragte das dünne, kupferfarbene Abluftrohr in die Höhe und lenkte den Blick auch hinauf zu den grandiosen Deckenbildern. So machte das lange Rohr gleichzeitig deutlich, wie hoch dieser schöne und gleichzeitig von seiner Architektur her schlichte Raum doch ist, fast 21 Meter sind es.

Eigentlich ist die aus Ziegelsteinen gebaute Kapelle, die Papst Sixtus IV. zwischen 1475 und 1483 errichten ließ, ein architektonisch simpler, rechteckiger Bau, den Proportionen des Jerusalemer Tempels nachempfunden, wären da nicht seine weltberühmten Wand- und Deckenbilder. Sixtus und sein Nachfolger Julius II. hatten dafür die besten Maler ihrer Zeit beauftragt, Sandro Botticelli, Domenico Ghirlandaio, Pietro Perugino, Cosimo Rosselli und schließlich Michelangelo. Dessen Gemälde „Erschaffung Adams“ mit dem berühmten Fingerzeig Gottes oder das „Jüngste Gericht“ an der Altarwand der Sixtina sind Ikonen der Kunstgeschichte, Meisterwerke der Renaissance. Allein am Jüngsten Gericht saß Michelangelo fünf Jahre lang, malte im Auftrag von Papst Clemens Fresken von unglaublicher Körperlichkeit und erschütternder Wirkung, wie Ulrich Pfisterer, Professor für Kunstgeschichte an der LMU, in seinem Buch Die Sixtinische Kapelle beschreibt.

Der Rhythmus der Deckenabschnitte
Pfisterer schildert, wie dieser zentrale Ort der Christenheit entstanden ist, wie Papst Julius II. die Deckendekoration ändern ließ und Michelangelo ins Spiel brachte, wie sehr gerade dessen Bilder die Bedeutung dieser „ersten Kapelle der Welt“ unterstreichen. Schließlich sollte der Prachtbau die Vorhalle zum ewigen Himmelreich sein, ein „heilsgeschichtliches Monument der Hoffnung und des Triumphes“. Pfisterer beschreibt sowohl Michelangelos Intentionen anhand von dessen Aufzeichnungen wie auch die Konkurrenz zu Raffael, er erklärt den historischen und politischen Hintergrund der Motive und wie es der Künstler schaffte, in die gewaltigen Deckenabschnitte einen Rhythmus zu bringen.

Seit der zehnjährigen, 1994 beendeten Restaurierung leuchten auch die Farben wieder in voller Pracht. Fünf Millionen Menschen besuchen Jahr für Jahr die Sixtina im Vatikan. Ihnen gibt Pfisterer noch einen Tipp mit: Die Decke entfalte ihre Wirkung und ihre Bezüge zu den Bildfeldern sukzessive, wenn man, ähnlich dem Papst von seinem Thronsitz an der linken Wand, jeweils von einer Seite aus auf den gegenüberliegenden Deckenausschnitt blickt. huf

Publikation
Ulrich Pfisterer
Die Sixtinische Kapelle
Verlag C.H.Beck 2013, 128 Seiten
ISBN 978-3-406-63819-0

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