Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

„Ein Versuch über den Roman“

Einladung zur Bergtour

München, 13.08.2013

Die Literaturwissenschaftlerin Inka Mülder-Bach erkundet Robert Musils Buch Der Mann ohne Eigenschaften – und beschreibt es als ein Hochgebirge der Literatur.

Buchcover„Es ist sehr anmaßend: ich bitte mich zweimal zu lesen, im Teil u. im Ganzen“, schreibt Robert Musil zu seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften. Womöglich steckt in diesem Satz jedoch weniger Vermessenheit als Understatement – angesichts der Komplexität des monumentalen Textgebirges. „In der literarischen Landschaft des 20. Jahrhunderts“ nehme sich Musils Roman „wie ein erratischer Solitär aus“, schreibt Inka Mülder-Bach, Professorin für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der LMU: „weithin sichtbar, das meiste überragend und doch unzugänglich und fremd“. Was nebenbei das gängige Urteil mitschwingen lässt, dass der Roman einen wenig zähen Leser zum Aufgeben zwinge wie das Matterhorn den Wanderer in Turnschuhen.

Inka Mülder-Bach ist Musils Bitte um doppelte Lektüre gewiss oft nachgekommen. Jetzt hat sie über ihre Arbeiten dazu ein – ebenfalls nicht ganz – schlankes Buch geschrieben – und versteht dies als doppeltes Angebot an den Leser: Die Studie lade dazu ein, „den Mann ohne Eigenschaften neu zu entdecken“. Die Germanistin beschreibt Musils Roman, der im August 1913 einsetzt, tatsächlich als ein in gewisser Weise maßloses Unterfangen: „Nicht weniger als eine Gesamtkonstruktion der Moderne“ wolle er leisten, die auf der Erfahrung des „Epochenbruchs 1914/18“ beruht, gleichzeitig aber weit darüber hinausgeht und entgegen den Fakten nach der Möglichkeit fahndet, „die in der historischen Katastrophe verwirkt wurde“.

Die Welt – ein undurchdringliches „Gefilz von Kräften“
Das Ganze und das Teil: Dem entspricht eine Verbindung von enzyklopädischer Anlage und akribischer Genauigkeit: Musil bedient sich über weite Strecken einer mikropoetischen Textverdichtung, um das undurchdringliche „Gefilz von Kräften“ abzubilden, zu dem die Welt geworden ist, wie es im Roman heißt. Damit gehe er durchaus „bis an die Grenzen der Lesbarkeit“, sagt Mülder-Bach, entfalte aber auch einen unermesslichen Reichtum an Reflexionen und Diskursen. Die Literaturwissenschaftlerin geht der „Form des Romans“ nach: „seinem Aufbau, seiner Methode, seiner Entwicklung“. Sie erschließt die erzählerische Struktur, ergründet Bezüge und Anspielungen und lotet den „Echoraum von Texten und Bildern“ aus, den Musils poetisches Verfahren eröffnet – eine Tour durch abenteuerliches Gelände. (math)

Publikation:
Inka Mülder-Bach
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Ein Versuch über den Roman
Hanser Verlag 2013, 544 Seiten
ISBN: 978-3-446-24354-5

Am Freitag, dem 31. Januar 2014, wird Inka Mülder Bach am Center for Advanced Studies der LMU ihr neues Buch im Gespräch mit Juliane Vogel (Konstanz) und Alexander Honold (Basel) vorstellen.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse