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Horrorfiguren

Das Comeback der Zombies

München, 05.08.2013

Auch Horrorfiguren kennen Konjunkturzyklen. Welcher Grusel uns derzeit verfolgt, erklärt Dr. Markus Wiefarn, Literaturwissenschaftler an der LMU.

Bild: Danomyte - Fotolia.com
Bild: Danomyte - Fotolia.com

Mit Geistern, Monstern und anderen Gruselgestalten beschäftigen sich Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen der internationalen Summer School „Representations of Horror in Contemporary Media and Culture“ an der LMU. Ein Gespräch mit Dr. Markus Wiefarn von der Graduate School Language & Literature Munich.

Welche Horrorfiguren sind momentan aktuell?
Markus Wiefarn: Die Zombies haben gerade ein Comeback. Das zeigt sich auch an Metaphern wie „Zombie Capitalism“, die zurzeit verwendet werden. Dasselbe gilt für Vampire, die zum Beispiel durch die Twilight Saga einen Hype erleben. Aber auch monströse Figuren haben Konjunktur.

Warum sind gerade die Zombies en vogue?
Welche Figuren zu bestimmten Zeiten reaktiviert werden, hängt nicht zuletzt mit gesellschaftlichen und politischen Ereignissen zusammen. Es ist wohl kein Zufall, dass in der heutigen Zeit, die durch politische Krisen und kulturelle Veränderungen geprägt ist, Horrorfiguren so präsent sind. Das zeigt auch der Rückblick auf frühere Krisenzeiten. Der Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ über einen Vampir, einer der ersten Horrorfilme überhaupt, stammt zum Beispiel aus der Zeit der Weimarer Republik.

Zombies sind Untote. Sie symbolisieren die Rückkehr dessen, was man bereits abgeschrieben hat. Damit sind sie eine reizvolle Figur, um die Wiederkehr des Verdrängten zu veranschaulichen. Sie können symbolisieren, was eine Gesellschaft unter den Teppich gekehrt hat. Aber sie bringen auch Vorstellungen und Ahnungen von Katastrophen zum Ausdruck.

Und was sagt uns die Rückkehr des Vampirs?
Historisch verkörperte die Figur des Vampirs oft die korrupte und dekadente Oberschicht und stellte damit eine Form der Sozialkritik dar. Zugleich ist die Figur erotisch aufgeladen. Nun hat der Vampir sein Revival im Kontext einer Literatur gefunden, die sich vor allem an Teenager wendet und Vorstellungen von romantischer Liebe bedient. Diese Entwicklung erscheint irritierend. Der Vampir wurde für ein spezielles Publikum weichgespült und ist beinahe ein Haustier zum Knuddeln geworden, um es überspitzt zu sagen.

Nimmt der Horror über die Zeit zu?
Die digitalen Medien eröffnen neue visuelle Möglichkeiten. Traditionell gibt es eine sehr große Bandbreite an Horrorfiguren – angefangen bei den Geistern der griechischen Unterwelt oder dem Fabelwesen Dschinn in der arabischen Mythologie. Die Neuen Medien haben ein großes Reservoir, auf das sie zurückgreifen können. Die technischen Möglichkeiten können zu einer Ausdifferenzierung der Figuren führen, die jede ihre eigene Anhängerschaft hat.

Warum setzen wir uns überhaupt freiwillig Horrorfiguren aus?
Es ist sicher kein Zufall, dass die großen amerikanischen Blockbuster häufig Horrorfilme mit vielen Angst machenden Szenen sind. Sie üben eine starke Faszination aus, die einerseits ästhetischer Art ist und durch die Möglichkeiten der Visualisierung geweckt wird. Ihre Anziehungskraft liegt aber auch darin, dass sie offenbar etwas aufgreifen, was die Zuschauer in ihrem Tiefsten bewegt. Horrorfilme demonstrieren die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre Ängste sichtbar zu machen.

Interview: nh

Dr. Markus Wiefarn ist Koordinator der Graduate School Language & Literature an der LMU. Thema der internationalen Summer School ist „Representations of Horror in Contemporary Media and Culture“. Sie findet vom 4. bis 10. August 2013 statt.

Dr. Markus Wiefarn
Graduate School Language & Literature Munich
LMU München
Telefon: +49 (0) 89 2180 6880
Mail: wiefarn@lrz.uni-muenchen.de

 

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