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Neue Ausgabe des Forschungsmagazins

Themenschwerpunkt zum „Trauma der Gewalt“

München, 12.06.2012

Wie entsteht Gewalt? Was macht sie mit den Opfern, wie prägt sie Gesellschaften? Welche Wege führen aus der Falle der Eskalation? Darüber berichten LMU-Wissenschaftler in der neuen Ausgabe der Einsichten.

„Der UN-Fahrer war schon sehr bleich, als er ankam“, erinnert sich LMU-Psychologe Willi Butollo. „Er hatte auf der Strecke, die wir zurückfahren mussten, schweren Granatenbeschuss mitbekommen. Genau diese vier Kilometer lange Straße nördlich von Mostar mussten nun auch Butollo und seine Begleiter zurücklegen, nachdem sie dort zur Schulung einheimischer Psychologen gewesen waren, damals während des Jugoslawienkriegs. Butollo spürte wie die Kollegen im UN-Fahrzeug die Bedrohung.

„Jeder reagiert da anders, ich wurde immer stiller, eine kroatische Kollegin hat ohne Unterlass geredet, um die Angst zu überspielen, die zweite leise eine Melodie gepfiffen, die dritte ihre Handtasche seitlich vors Gesicht gehalten. ,Ich möchte ihnen nicht ins Auge schauen, wenn sie mich erschießen’, sagte sie“, erzählt Butollo. Danach spürte er am eigenen Leib, was solche Erfahrungen in einem auslösen, wie sie einen plötzlich ein wenig abrücken vom Rest der Welt...

Wie kaum ein anderer weiß Willi Butollo, was Gewalt und Bedrohung mit den Menschen machen. Der Traumatherapeut leitet die Einheit für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der LMU, er hat Missbrauchs- und Folteropfer behandelt, Betroffene von Amokläufen und Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan. Und den elementaren Verlust an Sicherheit hat Butollo auch selbst erlebt bei seinen zahlreichen Einsätzen in den Krisenregionen der Welt, in Pakistan, im Sudan, in Bosnien. In der neuen Ausgabe des LMU-Forschungsmagazins Einsichten berichtet er von seinen Erfahrungen: Ein Riss in der Welt

Stufen der Eskalation
Der Schwerpunkt des Magazins leuchtet diesmal das Trauma der Gewalt aus, analysiert, wie es das Los des Einzelnen und den Zustand von Gesellschaften bestimmt. Es ist sicher kein leichter Stoff, den Wissenschaftler der LMU da zu ihrem Gegenstand gemacht haben. Aber ihre Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven auf Gewaltphänomene und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Das Trauma der Gewalt zeigt viele Stufen der Eskalation: Der Forensische Psychiater Norbert Nedopil etwa fächert auf, welche Erklärungen die Wissenschaft für die Genese individueller Gewalt bereithält. Soziologin Katharina Inhetveen berichtet davon, wie frühere Gewalterfahrungen das Leben in den Flüchtlingslagern Afrikas prägen. Und der Jurist Christian Walter fragt, welche Hebel das Völkerrecht bietet, um Terrorregimen wie dem Assads in Syrien beizukommen.

Lesen Sie den vollständigen Schwerpunkt und weitere Geschichten über die Forschung an der LMU im neuen Heft.

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