Ludwig-Maximilians-Universität München
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Neue Humboldt-Stipendiaten an der LMU

München, 09.02.2012

Drei neue Humboldt-Stipendiaten haben sich für einen Forschungsaufenthalt an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München entschieden. Professor Christophe Salomon (École Normale Supérieure, Paris, Frankreich) wurde mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet. Salomon arbeitet an der Fakultät für Physik mit Professor Immanuel Bloch zusammen. Ebenfalls an der Fakultät für Physik zu Gast ist Dr. Shoichi Toyabe (Chuo University, Tokyo, Japan), der als Humboldt-Forschungsstipendiat mit Professor Dieter Braun zusammenarbeitet. Ein weiteres Humboldt-Forschungsstipendium erhielt Dr. Paul Dicken  (University of Cambridge, Großbritannien), der bei Professor Hannes Leitgeb an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft zu Gast ist.

Der Humboldt-Forschungspreis wird an herausragende Wissenschaftler vergeben, deren Forschungsergebnisse das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen auch in Zukunft Spitzenleistungen erwartet werden können. Hoch qualifizierten, promovierten ausländischen Nachwuchswissenschaftlern ermöglicht die Alexander von Humboldt-Stiftung, im Rahmen des Humboldt-Forschungsstipendiums ein Forschungsvorhaben eigener Wahl in Deutschland durchzuführen. Die geförderten Wissenschaftler wählen die jeweiligen Gastgeber selbst aus. Daher ist die Anzahl der Humboldt-Forschungspreisträger und Humboldt-Stipendiaten ein wichtiger Indikator für internationale Kontakte und Reputation.

Christophe Salomon
Christophe Salomon gilt weltweit als einer der führenden Experten auf dem Gebiet ultrakalter Quantengase sowie der Präzisionsmessungen mithilfe modernster Atomuhren. Er ist „Directeur de Recherche (1er classe)“ am Laboratoire Kastler Brossel der École Normale Supérieure und hat sich insbesondere mit der Erzeugung tiefster Temperaturen und neuer Kühlmethoden intensiv auseinandergesetzt. Während seines Forschungsaufenthaltes will er gemeinsam mit Immanuel Bloch diese Methoden in München etablieren und bislang bestehenden Temperaturgrenzen überwinden. Dies würde eine völlig neue Klasse von Experimenten ermöglichen, mit deren Hilfe grundlegende Fragen zur Hochtemperatur Supraleitung experimentell überprüft werden könnten. Dabei kommt etwa magnetischen Ordnungsphänomenen, die bei niedrigsten Temperaturen beobachtet werden können, eine besondere Bedeutung zu. Gelingt es, die angestrebten niedrigsten Temperaturen zu erzeugen, beabsichtigen die Wissenschaftler unter anderem die Untersuchung sogenannter fermionischer Quantengase, bei denen neue Paarmechanismen sogenannte FFLO Supraleiter erzeugen könnten. Salomon ist zudem federführend an der Entwicklung der erstem im Weltraum basierten Atomuhr beteiligt und möchte im Rahmen des Humboldt-Forschungspreises auch an neuen Möglichkeiten zu Präzisionsexperimenten arbeiten – etwa um neue Grenzen zur zeitlichen Veränderungen von Naturkonstanten zu ermitteln.

Der Physiker Christophe Salomon studierte an der Ecole Centrale des Arts et Manufactures de Paris, der Universität Orsay und der Universität Paris-Nord. 1980 nahm er eine Tätigkeit als Research Associate am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) auf, wo er 1984 auch promovierte. Anschließend arbeitete Salomon am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) in Boulder, Colorado (USA), bevor er 1986 eine Tätigkeit am Laboratoire Kastler Brossel (LKB) der École Normale Supérieure in Paris (Frankreich) aufnahm.  Zur Zeit ist er als "Directeur de recherche (1er classe)"  des CNRS am LKB tätig und leitet die Gruppe "Ultrakalte Fermigase". Zudem ist Salomon federführend am ACES/PHARAO-Projekt der europäischen Weltraumbehörde ESA beteiligt. Christophe Salomon wurde für seine Forschung mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem einem ERC Advanced Grant (2008) und dem Humboldt-Gay-Lussac-Preis (2011).

Paul Dicken
Paul Dicken beschäftigt sich mit Wissenschaftsgeschichte, Erkenntnistheorie und Philosophiegeschichte. Im Rahmen seiner Dissertation verteidigte Dicken die bestausgearbeitetste Variante des wissenschaftstheoretischen Antirealismus – den Constructive Empiricism des Bas van Fraasen, demgemäß Naturwissenschaftler nur an die Übereinstimmung ihrer Theorien mit beobachtbaren Phänomenen glauben sollten, aber nicht an die Wahrheit ihrer Theorien in Bezug auf unbeobachtbare Größen - gegen klassische Angriffe. Bereits im Rahmen eines Forschungsaufenthalts im Herbst 2010 arbeitete Dicken am Munich Center for Mathematical Philosophy mit Spezialisten in Wissenschaftstheorie zusammen, um sein neues Interesse an der jüngeren Geschichte der Wissenschaftstheorie und an Rudolf Carnaps Variante des Antirealismus weiter zu entwickeln. Der Wissenschaftstheorie Carnaps und dessen Bedeutung für Debatten der aktuellen Wissenschaftstheorie ist auch sein Forschungsprojekt im Rahmen des Humboldt-Stipendiums LMU gewidmet.

Paul Dicken promovierte 2007 am Institut für „History and Philosophy of Science“ der Universität Cambridge (Großbritannien).  Anschließend war er Director of Studies am Churchill College der Universität Cambridge (2007-2010) und am Pembroke College der Universität Cambridge (2008-2010). Seit 2011 forschte Dicken als Gastwissenschaftler am Munich Center for Mathematical Philosophy (LMU).

Shoichi Toyabe
Die Interaktion und Vervielfältigung von replizierenden Biomolekülen ist zentral für das Verständnis der ersten Schritte in der Evolution des Lebens. Wichtig ist es dabei, aus einem zufälligen Pool an RNA Molekülen solche zu finden, die sich gegenseitig unterstützen und durch Selbstreplikation vor dem Zerfall schützen. Das Humboldt-Stipendium wird Shoichi Toyabe darin unterstützen, diese Vorgänge in Experimenten anzugehen und umzusetzen. Toyabe plant, im Laborexperiment wichtige Schritte nachzustellen, die wahrscheinlich vor mehr als vier Milliarden Jahre auf der Erde stattfanden und die Entwicklung der ersten Zellen und Lebewesen ermöglichten. Sein Hauptaugenmerk wird dabei auf möglichen Nichtgleichtgewichtsbedingungen liegen, die eine solche Entwicklung hin zu komplexeren Strukturen erlaubten.

Shoichi Toyabe studierte Physik an der Tokyo Universität in Japan und promovierte 2007 in Physik. Hierbei hat er zusammen mit Masaki Sano wegweisende experimentelle Arbeiten auf dem Gebiet der statistischen Mechanik an einzelnen Partikeln und Biomolekülen publiziert. Er war danach Assistant Professor an der Chuo Universität in Japan. (göd)

 

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