Ludwig-Maximilians-Universität München
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"Wir irren uns empor" und "Nützliches Nichtwissen"

Antrittsvorlesungen von Professor Kärin Nickelsen und Professor Arndt Brendecke

München, 23.05.2012

Zwei Antrittsvorlesungen gibt es am 24. Mai am Historischen Seminar: Professor Kärin Nickelsen, Lehrstuhlinhaberin für Wissenschaftsgeschichte, konstatiert „Wir irren uns empor“ und Professor Arndt Brendecke, Inhaber des Lehrstuhls für die Geschichte der Frühen Neuzeit, spricht über „Nützliches Nichtwissen“.

„Nützliches Nichtwissen“ heißt die Antrittsvorlesung von Professor Arndt Brendecke, der seit 1. August vergangenen Jahres den Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der LMU innehat. Er kehrte von der Universität Bern, wo er seit 2009 eine außerordentliche Professur bekleidete, zurück an die LMU, an der er Neuere und Neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Politikwissenschaften studierte und wo er 1999 mit einer Arbeit zum Thema „Wirkung und Wahrnehmung der Jahrhundertwenden“ promoviert wurde. Danach war er mit Unterbrechung als Wissenschaftlicher Assistent am Historischen Seminar tätig. Brendecke war Gründungsmitglied, Teilprojektleiter und stellvertretender Sprecher des mittlerweile ausgelaufenen Sonderforschungsbereich 573 „Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit“.
Er habilitierte sich 2008 mit einer Arbeit zur Wissensgeschichte des ersten transatlantischen Imperiums, des Spanischen Reiches.
Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an das Instituto de Historia del Consejo Superior de Investigaciones Científicas in Madrid und an das Deutsche Historische Institut in London. 2009 wechselte er an die Universität Bern, wo er bis 2011 forschte und lehrte.
Der Forschungsbereich der Frühen Neuzeit hat in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur ein detailscharfes Bild des Alten Reiches hervorgebracht, sondern auf den Gebieten der Mentalitäts-, Mikro- und Alltagsgeschichte ganz neue Quellen und Perspektiven erschlossen. Diese großen Leistungen stünden, so Brendecke, im Widerspruch zur abnehmenden Resonanz der älteren Epochen im allgemeinen Geschichtsbewusstsein. Mit der Gründung eines Münchener Forschungszentrums „Fundamente der Moderne“ will der Historiker hier gegensteuern. Darüber hinaus will Brendecke dazu beitragen, dass die neueren Trends zur Globalisierung des Geschichtsbildes mit den Erkenntnissen und Erklärungsbedürfnissen der klassischen Felder, etwa auch der europäischen Geschichte und der Reichsgeschichte, verzahnt werden.

Ebenfalls von der Universität Bern kam im vergangenen Jahr Professor Kärin Nickelsen an die LMU. „Wir irren uns empor”, ist der Titel der Antrittsvorlesung, die sie im Anschluss an den Vortrag von Professor Brendecke halten wird. Die Wissenschaftshistorikerin wurde 1972 geboren und studierte Biologie und Wissenschaftsgeschichte an den Universitäten Göttingen und Glasgow. An der Universität Bern wurde sie 2002 mit einer Arbeit zur„Entstehung, Inhalt und Funktion wissenschaftlicher Pflanzenbilder des 18. Jahrhunderts“ promoviert, in der sie die Abbildungen von zehn Pflanzenarten aus 120 Jahren verglich.
Nach ihrer Promotion war sie an der Universität Bern als Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und -geschichte tätig. Ein Forschungsaufenthalt führte sie in dieser Zeit an die University of Illinois, Urbana, ein Fellowship an das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin.
Die Entwicklung der Fotosynthese-Forschung war Thema ihrer Habilitation im Jahr 2010 mit dem Titel „Of Light and Darkness. Modelling Photosynthesis 1840 – 1960“. Bis zu ihrem Wechsel nach München war Nickelsen als Assistenzprofessorin an der Universität Bern.
Zu Kärin Nickelsens Arbeitsschwerpunkten zählen unter anderem die Geschichte und Philosophie der experimentellen Lebenswissenschaften des 19. und 20. Jahrhunderts, die klassische Naturgeschichte um 1800 sowie die Entstehung und Diskussion von Wissen in Gesellschaften und Akademien. Die klassischen Fragen danach, wie Wissen generiert wird und wie Modelle und Theorien sich wandeln, untersucht sie an historischen Fallbeispielen, mit dem Schwerpunkt auf den Prozessen der Modellbildung und der individuellen und kollektiven Forschungsheuristik. Seit Oktober 2010 ist sie „Associate“ am Rachel Carson Center for Environment and Society, einer gemeinsamen Initiative der LMU mit dem Deutschen Museum München; zudem ist sie Vorstandsmitglied des Münchener Zentrums für Wissenschafts- und Technikgeschichte.

Die beiden Antrittsvorlesungen finden in der Großen Aula der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, statt. Beginn ist um 18.30 Uhr.

 

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