Ludwig-Maximilians-Universität München
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Bessere Ersatzteile für Herz und Knochen

LMU-Wissenschaftler erfolgreich im Innovationswettbewerb Medizintechnik

München, 28.10.2010

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München waren beim diesjährigen Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sehr erfolgreich: Gleich zwei Teams wurden für ihre innovativen Ideen ausgezeichnet. Beide Preise wurden für die Verbesserung von Implantaten vergeben: Während Wissenschaftler des Klinikums der Universität München Herzklappenprothesen verbessern wollen, entwickelt das zweite erfolgreiche Forscherteam der LMU einen verbesserten Knochenersatz, der nach Verletzungen implantiert werden kann. Mit dem Innovationswettbewerb sollen exzellente Forschungsideen in die Praxis gebracht werden. Dieses Jahr werden die insgesamt 15 Gewinnerprojekte mit 9,1 Millionen Euro gefördert.

Herzklappen verhindern während der Erschlaffungsphasen des Herzmuskels den Rückstrom des Blutes in das Herz. Müssen sie durch Prothesen ersetzt werden, gibt es bisher drei verschiedene Möglichkeiten: künstlicher Ersatz oder Klappen aus tierischem beziehungsweise menschlichem Gewebe. Alle Modelle haben Nachteile: Künstliche Prothesen können Blutgerinnsel verursachen und die biologischen Prothesen halten nur begrenzte Zeit. Am Klinikum der Universität München wollen nun Mediziner und Wissenschaftler um Professor Christoph Schmitz  und Bassil Akra, M.Sc., Biomedical Engineer (Herzchirurgische Klinik und Poliklinik) sowie Professor Peter Lohse (Institut für Klinische Chemie) mit Partnern aus Denkendorf, Bonn und Düsseldorf eine Herzklappenprothese entwickeln, die die Vorteile der bisherigen Modelle kombinieren und deren Nachteile vermeiden soll. Dabei soll die Herzklappe aus einem Kunststoffvlies konstruiert und dann mit körpereigenen Zellen des Patienten besiedelt werden. Dadurch würde der Körper die Prothese als körpereigen erkennen, ihre Haltbarkeit wäre aber durch das Kunststoffvlies deutlich erhöht.

Im zweiten ausgezeichneten Projekt will ein Forscherteam um Dr. Bernd Wegener (Orthopädische Klinik und Poliklinik), Professor Stefan Milz (Anatomische Anstalt I), Dr. Korbinian Pieper (Chirurgische Tierklinik) und Professor Walter Hermanns (Institut für Tierpathologie) in Kooperation mit Dr. Peter Quadbeck vom Fraunhofer Institut IFAM in Dresden und Dr. Berthold Nies von der InnoTERE GmbH in Dresden Knochenimplantate verbessern. Solche Implantate werden operativ eingesetzt, wenn Knochendefekte so groß sind, dass sie nicht spontan heilen können. Bisher übliche Implantate für Bereiche mit hohen mechanischen Belastungen sind zwar sehr stabil, aber auch sehr steif und im Körper nicht abbaubar. Dies wollen die Wissenschaftler optimieren, indem zunächst ein Metallschaum aus Eisen hergestellt wird. Dieser Metallschaum ist porös wie ein Knochen und kann mit Knochenzement zu hochfesten Verbundmaterialien kombiniert werden. Dieses Material wäre fest, aber auch flexibel genug, um allen Belastungen stand zu halten und gleichzeitig das Nachwachsen des Knochens zu unterstützen. Außerdem wäre ein solches Implantat vom Körper abbaubar und könnte durch seine Porenstruktur und die relativ lange Abbaudauer gut in den natürlichen Knochen einwachsen. Dadurch besteht die Aussicht, dass Operationsbelastungen geringer werden, Implantatentfernungen entfallen und Patienten schneller ihre volle Mobilität zurück gewinnen.

Der Innovationswettbewerb Medizintechnik wird in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal vom BMBF ausgeschrieben. Im Rahmen des Wettbewerbs werden besonders innovative und wegweisende Forschungs- und Entwicklungsideen der Medizintechnik prämiert und vom BMBF gefördert. Ziel ist es, ein Produkt oder eine Technik in die klinische Anwendung zu bringen und den Weg von der ersten Idee bis zur Markteinführung zu beschleunigen. Die prämierten Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für praktische medizinische Anwendungen eignen und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern.

Ansprechpartner Herzklappenersatz:
Professor Dr. med. Christoph Schmitz
Herzchirurgische Klinik und Poliklinik
Tel.: 089 / 7095-2930
Fax: 089 / 7095-8898
E-Mail: christoph.schmitz@med.uni-muenchen.de

Ansprechpartner Eisenschaum:
Dr. Bernd Wegener
Orthopädische Klinik und Poliklinik
Tel.: 089 / 7095-6786
Fax: 089 / 7095-6793
E-Mail: bernd.wegener@med.uni-muenchen.de

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