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LMU trauert um Marie-Luise Schultze-Jahn

München, 24.06.2010

Die LMU trauert um Marie-Luise Schultze-Jahn, ehemalige Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus aus dem Kreis der „Weißen Rose“, die am vergangenen Dienstag, 22. Juni, im Alter von 92 Jahren verstarb.

Marie-Luise Schultze-Jahn wurde 1918 in Ostpreußen geboren. 1940 kam sie nach München, um Chemie zu studieren. Marie-Luise Schultze-Jahn hatte Hans Leipelt, der eine jüdische Mutter hatte, 1942 kennen gelernt. Beide begannen ein Chemiestudium am Chemischen Staatslaboratorium der LMU. Leipelt konnte wegen der jüdischen Herkunft seiner Mutter in seiner Heimatstadt Hamburg nicht weiterstudieren. Das Chemische Staatslaboratorium der LMU wurde seit 1927 vom Nobelpreisträger Heinrich Wieland geleitet, der während der NS-Zeit viele sogenannte „Halbjuden“ aufnahm.

Im Februar 1943 erhielten Leipelt und Jahn das sechste und letzte Flugblatt der „Weißen Rose“ per Post. Einige Tage später wurden die Geschwister Scholl und Christoph Probst verhaftet und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Leipelt und Jahn haben daraufhin etliche Exemplare des Flugblatts vervielfältigt und mit der Überschrift versehen „... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“. Diese Flugblätter haben sie in München und Hamburg verteilt.

Aus dem Kreis der „Weißen Rose“ wurden am 13. Juli 1943 Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber und am 12. Oktober 1943 Willi Graf hingerichtet. Leipelt und Jahn sammelten im Chemischen Institut Geld für die mittellose Witwe von Professor Huber, das sie dieser über Dritte zukommen ließen. Leipelt und Jahn wurden schließlich denunziert und im Oktober 1943 verhaftet. Der Prozess gegen Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn und fünf weitere Angeklagte fand am 13. Oktober 1944 in Donauwörth statt. Hans Leipelt wurde zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim hingerichtet; Marie-Luise Jahn wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Unermüdlich kämpfte sie im Laufe ihres Lebens gegen das Vergessen und klärte Schüler über den Nationalsozialismus auf. Ihr Engagement als Zeitzeugin erklärt Schultze-Jahn später so: „Wenn ich nun schon einmal am Leben geblieben bin, ist es meine Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert.“

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