Ludwig-Maximilians-Universität München
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„Forgetting Faith?“

Konferenz untersucht konfessionelle Konflikte in der Frühen Neuzeit

München, 13.07.2010

Die internationale Konferenz „Forgetting Faith?“ beschäftigt sich mit Aushandlungsprozessen konfessioneller Konflikte in der Frühen Neuzeit. Sie wird veranstaltet vom Sonderforschungsbereich „Autorität und Pluralisierung in der Frühen Neuzeit“ und findet vom 15. bis 17. Juli im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft, Amalienstraße 38, statt.

Im Mittelpunkt der Forschung über den Einfluss religiöser Konflikte auf die Frühe Neuzeit stand lange Jahre die Spaltung von Katholiken und Protestanten, die Pluralisierung der Religionen oder die Gegensätze zwischen Staat und Kirche. Die wissenschaftlichen Debatten drehten sich stets um religiöse Abweichler und Konflikteskalationen. Ein Grund für die Fokussierung auf gegensätzliche Positionierungen liegt sicherlich darin, dass religiöse Pluralität am sichtbarsten in polemischen Darstellungen ablesbar ist, wie Flugschriften, Pamphleten oder religiöse Traktate. Doch bilden diese Darstellungen oft genug nur extreme Positionen ab und sagen wenig über die religiöse Kultur der Frühen Neuzeit in ihrer Gesamtheit aus. Die zentralen konfessionellen Konflikte jener Zeit brachen nicht immer in Feindseligkeiten aus. Die Menschen hatten sich in ihrem Lebensalltag zu arrangieren mit den Loyalitätskonflikten zwischen dem alten und dem neuen Glauben oder zwischen religiösen und säkularen Interessen.

Der Konferenz geht es nicht darum, die Frühe Neuzeit als den Beginn der Säkularisierung zu beschreiben. Sie will vielmehr spezifische Möglichkeiten aufzeigen, wie in dieser Zeit mit konfessionellen Konflikten umgegangen werden konnte. Dabei gehen die Teilnehmer davon aus, dass der Glaube einen stärkeren Einfluss auf die Menschen ausübte als andere Zuweisungen, etwa Nationalität oder Rasse. Die Teilnehmer betrachten insbesondere die Verhandlung konfessioneller Konflikte in Literatur und Kunst sowie im Alltagsleben der Menschen. Wie können wissenschaftliche Diskurse, künstlerische Produktion oder soziale Praxis deeskalierend auf religiöse Konfliktlagen wirken? Welchen Beitrag leisteten Literatur, Musik und bildende Kunst, die konfessionellen Streitfelder abzumildern? Untersucht werden dafür insbesondere das europaweite Netzwerk humanistischer Gelehrter der Zeit, die vielfältigen Handelsbeziehungen zwischen katholischen und protestantischen Regionen und Staaten sowie diplomatische Beziehungen zwischen dem christlichen Europa und islamischen Ländern.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse