Ludwig-Maximilians-Universität München
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Tagung untersucht den weit reichenden Einfluss von Jakob Böhme

München, 15.04.2010

Der Görlitzer Jakob Böhme (1575-1624) war ein einflussreicher Theosoph, Philosoph und Mystiker. Sein Werk entfaltete früh eine immense Wirkung, deren Geschichte vom 17. Jahrhundert bis heute reicht und bislang noch kaum erforscht ist. Die Tagung „Offenbarung und Episteme. Zur europäischen Wirkung Jakob Böhmes im 17. und 18. Jahrhundert“ spürt dieser Wirkungsgeschichte nach. Sie findet vom 22. bis 24. April 2010 im Kardinal Wendel-Haus, Mandlsstraße 23, statt und wird von Professor Friedrich Vollhardt, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur der LMU, und Professor Wilhelm Kühlmann von der Universität Heidelberg veranstaltet. Vor Beginn der Tagung laden die Veranstalter zu zwei öffentlichen Abendvorträgen ein. Am 21. April 2010 spricht Professor Ferdinand van Ingen, Amsterdam, ab 17.15 Uhr zum Thema „Das neue Weltraumbild und die Vorstellung vom Wohnort Gottes bei Valentin Weigel und Jakob Böhme“. Anschließend folgt ab 18.45 Uhr Professor Wilhelm Kühlmann, Heidelberg, mit dem Vortrag „Vernunftdiktatur und Sprachdiktatur: Böhme bei Gottsched und Adelung“. Beide Vorträge finden im Center for Advanced Studies der LMU in der Seestraße 13 statt. Um Anmeldung unter frieder.vonammon@gmx.net wird gebeten.

Die internationale Tagung führt verschiedene Disziplinen und methodische Ansätze zusammen. Ziel ist es, das reiche Quellenmaterial zu Werk und Wirkung Jakob Böhmes vorzustellen und auszuwerten. So soll erstmals die Grundlage für eine intensivere und weiter ausgreifende Forschung geschaffen werden. Dass die Schriften des Görlitzer Theosophen bereits zu dessen Lebzeiten äußerst kontrovers diskutiert wurden, ist bekannt. Dabei war von Anfang an das Verhältnis von Erkenntnisanspruch und Beschreibungsmodus umstritten. Auch die Frage, ob sich die von Böhme entwickelten Systemgehalte auf das Religionsgespräch der Zeit um 1600 beziehen lassen oder eher der Poesie und damit einer Spielart visionärer Literatur zuzurechnen sind, wurde stets stak diskutiert. Die Frage nach dem poetischen Charakter respektive dem epistemischen Ort der Schriften Böhmes hat die Aufnahme seines Werkes wesentlich bestimmt.

Die Tagung will weder solche Forschungskontroversen zu entscheiden versuchen noch eine systematische Rekonstruktion der oft verschlüsselt erscheinenden Aussagen und Schreibverfahren vornehmen. Vielmehr soll über den engeren theologisch-philosophischen Erörterungsrahmen hinaus nach den markanten Spuren gefragt werden, die das Werk Böhmes in den Netzwerken der religiösen und literarischen Kommunikation vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis an das Ende des 18. Jahrhunderts insbesondere in England hinterließ.

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