Ludwig-Maximilians-Universität München
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Konferenz über den Einfluss deutscher Rabbiner im Ausland

München, 14.10.2009

Die jüdische Aufklärungsbewegung Haskalah brachte einen neuen Typus des deutschen Rabbiners hervor. Neben die traditionelle Ausbildung der Rabbiner trat im 19. Jahrhundert die Beschäftigung mit zeitgenössischer Religionsphilosophie und Vernunftkritik. So entwickelte sich eine neue jüdische Elite, die von aufgeklärten Seelsorgern getragen wurde. In der Emigration spielten diese aufgeklärten deutschen Rabbiner zudem eine wichtige Rolle, die allerdings bis heute noch nicht systematisch erforscht wurde. Eine Konferenz zum Thema “The German Rabbinate Abroad: Transferring Modernity into the World?” will dies nun ändern. Sie wird veranstaltet von Privatdozentin Dr. Cornelia Wilhelm und Dr. des. Tobias Grill der Abteilung für Jüdische Geschichte der LMU in Kooperation mit der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, wo die Tagung vom 18. bis 21. Oktober 2009 auch stattfinden wird. Neben renommierten internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nimmt auch Michael A. Meyer an der Konferenz teil. Meyer ist Internationaler Präsident des Leo Baeck Institute und Professor für Jüdische Geschichte am Hebrew Union College Cincinnati.

Wie veränderte der Kontakt mit der Moderne das Rabbinat? Welche Auslöser führten zur ersten Emigrationswelle im 19. Jahrhundert? Neben diesen Fragen analysieren die Teilnehmer auch die Institutionalisierung deutsch-jüdischer Theologie. Zwischen 1854 und 1873 kam es zu einer grundlegenden Reorganisation der rabbinischen Ausbildung in Deutschland. Von Rabbinern und jüdischen Lehrern wurde nun ein akademische Ausbildung an einer weltlichen Universität verlangt. So kamen die angehenden Rabbiner in Verbindung mit nicht-jüdischen Ideen und Anschauungen. Diese neue jüdische Elite definierte sich selbst intellektuell und sozial als Repräsentanten eines „modernen Judentums“. Breslau und Berlin wurden akademische Zentren dieses neuen jüdischen Selbstverständnisses, das sich am „Geist der kritischen Vernunft“ orientierte.

Die systematische Modernisierung des deutschen Rabbinats wirkte sich auch auf Europa und Übersee aus. Deutsche Rabbiner stellten eine bedeutende Emigranten-Gruppe. Sie wirkten in Dänemark, Schweden, England, den USA, Italien, Russland, Galizien und andere Regionen. In ihrer neuen Heimat beeinflussten sie zum Teil erheblich die Gestaltung und Ausformung des jüdischen Lebens, brachten neue Denkanstöße ein und hielten gleichzeitig Kontakt in die deutschen Gemeinden. Diese Beziehungen waren oft hilfreich für die Flüchtlinge der zweiten großen Auswanderungswelle nach 1933.

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