Ludwig-Maximilians-Universität München
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Verleihung der Humboldt-Professur an Gaul und Dvali

München, 07.05.2009

Heute findet in Berlin die feierliche Preisverleihung der ersten acht Alexander von Humboldt-Professuren statt. Gleich zwei dieser internationalen Forschungspreise gehen mit der Entwicklungsbiologin Ulrike Gaul und dem Physiker Georgi Dvali an die LMU. Professor Gaul nimmt im Juni dieses Jahres ihre Arbeit am Genzentrum der LMU auf. Professor Dvali wird voraussichtlich ab Herbst am Arnold-Sommerfeld-Zentrum der LMU forschen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Ulrike Gaul und Georgi Dvali zwei weltweit umworbene Wissenschaftler an die LMU holen konnten und ihnen hier attraktive Forschungsbedingungen bieten“, sagt LMU-Präsident Professor Bernd Huber. „Wir können damit unsere Position in den beiden innovativen Forschungsgebieten Systembiologie und Kosmologische Teilchenforschung auf international konkurrenzfähigem Niveau ausbauen.“

 

 

 

Professor Ulrike Gaul © Johannes KroemerProfessor Ulrike Gaul
Ulrike Gaul ist eine international führende Entwicklungsbiologin, deren Arbeiten an der Fruchtfliege Drosophila maßgeblich zum Verständnis der Genregulation in Entwicklungsprozessen beigetragen haben. Ihr Labor hat zudem zahlreiche neue Gene entdeckt, die die Etablierung der Blut-Hirn-Schranke des Gehirns und die wirksame Beseitigung absterbender Neurone durch sogenannte Gliazellen steuern. In den letzten Jahren hat sich Gaul zunehmend der Frage gewidmet, wie die komplexen genetischen Netzwerke, die der embryonalen Musterbildung zugrunde liegen, entschlüsselt und quantitativ beschrieben werden können. Ihre Arbeiten zur Regulation der Gentranskription und -translation in der frühen Entwicklung, oft in Zusammenarbeit mit Physikern und Bioinformatikern, sind richtungsweisend für die Verknüpfung von organismischer Biologie und systembiologisch-quantitativer Analyse.

Letztlich geht es Gaul darum, den Entwicklungsprozess in seiner Gesamtheit als komplexes System zu erfassen, alle beteiligten Faktoren und ihre Interaktionen zu vermessen und diese Vorgänge dann mathematisch zu modellieren. Für die frühe Musterbildung im Fliegenembryo ist dies Gaul und ihrem Team in einer interdisziplinären Zusammenarbeit sogar schon gelungen. Offene Fragen gibt es aber noch viele.„Die Humboldt-Professur wird mir und meinen künftigen Kollegen am Genzentrum erlauben, die Genregulation auf allen Ebenen zu untersuchen“, sagt Gaul. „Das geht von der molekularen Feinauflösung bis zur Integration im Organismus.“

Die Weichen für eine gute Zusammenarbeit sind bereits gestellt: „Die Berufung von Ulrike Gaul ist ein zentraler Aspekt unserer Strategie, das Zukunftsfeld der Systembiologie aufzubauen“, sagt Professor Patrik Cramer, Leiter des Genzentrums und Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie. „Das Genzentrum kann einmal mehr seine Vorreiterrolle bei der Etablierung innovativer biologischer Forschung unterstreichen.“

Zum Forschungsgebiet Systembiologie
Die Systembiologie knüpft an die Genom- und Proteomforschung an und gewinnt in den Lebenswissenschaften zunehmend an Gewicht. Ziel dieser interdisziplinären Forschungsrichtung ist es, einen Katalog aller an bestimmten zellulären Prozessen beteiligten Moleküle zu erstellen sowie deren Wechselwirkungen in komplexen Netzwerken zu verstehen und quantitativ zu erfassen. So sollen Modelle erarbeitet werden, mit denen Vorhersagen für das Verhalten lebender Zellen – oder anderer biologischer Systeme - getroffen werden können. In engem Zusammenspiel von biochemischen, genomischen und mathematischen Methoden wollen die Forscher am Genzentrum insbesondere die Prinzipien der Genregulation in höheren Zellen und Organismen aufklären, was wichtige Impulse für die Krebs-, Demenz- und Stammzellforschung liefern soll.

Vita Ulrike Gaul
Professor Ulrike Gaul hat in Tübingen Biochemie und Physik studiert und 1988 am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie bei Professor Herbert Jäckle promoviert. Nach Forschungsaufenthalten an der University of Washington und der University of California in Berkeley ist sie seit 1993 Professorin an die Rockefeller University in New York, eine der führenden biomedizinischen Forschungsuniversitäten der Welt.

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Professor Georgi DvaliProfessor Georgi Dvali
Professor Georgi Dvali hat den Ruf auf einen Lehrstuhl für Theoretische Elementarteilchenphysik am Arnold-Sommerfeld-Zentrum für Theoretische Physik an der LMU angenommen. Er ist der weltweit bekannteste Physiker auf dem interdisziplinären Gebiet der Astroteilchenphysik, das auch für die Forschung im Bereich der Stringtheorie, der Physik der Elementarteilchen sowie der Kosmologie und Astrophysik wichtige Impulse liefert. „Die Alexander von Humboldt-Professur ermöglicht es Georgi Dvali, an der LMU seine Forschung mit großer Intensität und Sichtbarkeit voranzutreiben“, betont der Leiter des Arnold-Sommerfeld-Zentrums, Professor Dieter Lüst. Auch die Synergien zwischen mathematischer Physik und Phänomenologie, Theorie und Experiment und zwischen Elementarteilchenphysik und Astrophysik werden durch Georgi Dvali erheblich gestärkt werden. Zudem ist eine enge Anbindung an das Max-Planck-Institut für Physik sowie eine intensive Mitarbeit Dvalis im neuen Exzellenzcluster für fundamentale Physik „Origin and Structure of the Universe“ der Technischen Universität München, der LMU und verschiedener Max-Planck-Institute in München und Garching geplant.

Zur Forschung von Professor Georgi Dvali
Die Antragstellung und Nominierung von Professor Georgi Dvali erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Physik in München. Georgi Dvali gilt in Fachkreisen als äußerst kreativer und erfindungsreicher theoretischer Physiker. Durch seine preisgekrönten Arbeiten konnte er neue, zukunftsweisende Forschungsrichtungen auf dem Grenzgebiet zwischen der Elementarteilchenphysik und der Kosmologie des frühen Universums kurz nach dem Urknall erschließen. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen erkannte er im Jahre 1988 als erster, dass ein Universum mit mehr als drei räumlichen Dimensionen einige bis dato rätselhafte Probleme in der Elementarteilchenphysik lösen kann. Dieser Vorschlag hat ein enormes Interesse an sogenannten höherdimensionalen Theorien ausgelöst, in denen unser Universum eine Art dreidimensionale Membrane darstellt, die in ein höherdimensionales Gebilde eingebettet ist. Theorien mit mehr als drei Dimensionen könnten unter Umständen schon in wenigen Jahren am „Large Hadron Collider (LHC)“, dem Teilchenbeschleuniger in Genf, nachgewiesen werden. Ferner lässt sich in einer Welt mit mehr als drei Dimensionen die rasche Ausdehnung des Universums kurz nach dem Urknall – das inflationäre Universum – sehr gut durch die Energie von sogenannten D-branen erklären, also einer Art von mehrdimensionalen Membranen. Diese und viele andere wichtige Arbeiten und Ideen haben den Ruf von Professor Dvali nachhaltig begründet.

Vita Georgi Dvali
Georgi Dvali wurde 1964 in Tiflis in Georgien geboren und verbrachte dort auch seine Jugend-, Studien- und Promotionszeit. Danach führte ihn seine wissenschaftliche Laufbahn als Postdoc, später auch als Assistant und Associate Professor an namhafte Universitäten und Forschungseinrichtungen wie das International Center for Theoretical Physics (ICTP) in Triest, das Europäische Kernforschungszentrum CERN in Genf, die Universität Pisa und die New York University. Dort hat er seit dem Jahre 2003 einen Lehrstuhl am Department für Physik sowie seit 2006 einen Stiftungslehrstuhl (Sliver Professor of Physics) inne. Gleichzeitig arbeitet Dvali seit 2007 als Staff Member am CERN in Genf.

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