Ludwig-Maximilians-Universität München
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Theater auf Russisch und Deutsch

München, 04.11.2008

Um einen Prinzipienstreit vor der Kulisse der Französischen Revolution geht es in einem Theaterstück in russischer und deutscher Sprache, das vom heutigen 4. bis zum 9. November in München gezeigt wird. Der Jakobiner Jean Paul Marat und der skandalumwobene Marquis de Sade fechten darin einen Streit um Weltanschauungen und Staatsformen aus. Die Inszenierung „Marat/Sade“ ist eine Koproduktion des Russischen Nationaltheaters Lessja Ukrainka in Kiew und der Theaterwissenschaft der LMU. Regie bei dem Bühnenstück von Peter Weiss führte Katrin Kazubko. Nach seiner Aufführung bei den Deutschen Kulturwochen in Kiew wird es nun sechs Abende lang in der Münchner „Reithalle“ gespielt.

„Marat/Sade“ steht in der Tradition des epischen Theaters Bertolt Brechts. Der volle Titel des 1964 uraufgeführten Stückes lautet „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade.“ Es handelt von Jean Paul Marat, dem zugleich verhassten und glorifizierten Jakobiner der Französischen Revolution, und seiner fiktiven Auseinandersetzung mit dem skandalumwobenen Marquis de Sade. Beide Protagonisten stehen für die radikale und bedingungslose Veränderung der politischen Zustände. Im historischen Kontext werden das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, die Gefahren totalitärer Systeme und Massenbewegungen, Korruption und grundlegende menschliche Schwächen thematisiert. Der intellektuelle Zweikampf von Marat und Sade ist mit choreographischen, pantomimischen und musikalischen Elementen durchwoben. Im Kontrast der beiden Sprachen werden die unterschiedlichen Positionen, Temperamente und Meinungen Marats – auf Russisch – und  Marquis de Sades – auf Deutsch – zugespitzt.

Seit 2004 besteht eine Partnerschaft zwischen dem Russischen Nationaltheater Lessja Ukrainka und der Theaterwissenschaft München. Einen Schwerpunkt bilden die Förderung des Theaternachwuchses und der kulturelle Dialog zwischen Ost- und Westeuropa. Marat/Sade ist bereits die zweite Koproduktion. Das erste zweisprachige Gemeinschaftsprojekt, „Romeo und Julia“, war 2006 in beiden Städten, 2007 am Theater Basel und in Edmonton/Kanada aufgeführt worden. „Marat/Sade“ versteht sich als Fortsetzung und Weiterentwicklung der gemeinsamen Theaterarbeit, bei der der Austausch über die kulturellen, theaterästhetischen und sprachlichen Unterschiede im Vordergrund steht.

Das Stück wird vom 4. bis 9. November jeden Abend um 19.30 Uhr in der „Reithalle“, Heßstraße 132, aufgeführt. Die Eintrittskarten kosten 15 bzw. 10 Euro. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.reithalle-muenchen.de.

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