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Preiswürdige Palliativmedizin

München, 02.10.2008

Zwei Projekte des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin (IZP) am Klinikum der Universität München, Standort Großhadern, wurden auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet: Der Forschungspreis der Gesellschaft ging an Dr. Martin Fegg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Palliativmedizin bei Professor Gian Domenico Borasio, für das Forschungsprojekt „Lebenssinn“. Mit dem Preis für ambulante Palliativversorgung in der Kategorie Kinder und Jugendliche wurde das Projekt „HOMe – Hospiz ohne Mauern“ unter Leitung von PD Dr. Monika Führer ausgezeichnet. Beide Preise sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert.

Lebenssinn erhalten

Im Rahmen des Lebenssinn-Projekts entwickelte die Münchener Arbeitsgruppe unter der Federführung von Dr. Martin Fegg ein Verfahren, mit dem eine Erhebung des individuellen Lebenssinns bei Krebs- und Palliativpatienten möglich ist. Dieses sogenannte „Schedule for Meaning in Life Evaluation (SMiLE)“ basiert auf Befragungen der Betroffenen nach selbst gewählten Bereichen, die in der gegenwärtigen Lebenssituation sinnstiftend wirken, unter anderem etwa Gesundheit, Partnerschaft oder Freunde. Anschließend definieren die Befragten die Wichtigkeit und Zufriedenheit der einzelnen Bereiche, die dann verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. Diese wurden durch repräsentative Erhebungen in Deutschland ermittelt.

Das Ergebnis der Befragung: Trotz ihrer Situation bleibt der Lebenssinn bei den Patienten weitgehend erhalten. Im Vergleich mit Gesunden fällt auf, dass sie vor allem der Spiritualität eine höhere Bedeutung im Leben zumessen als etwa der Arbeit. Ihre Gesundheit nennen sie nicht signifikant häufiger als Gesunde, bei Krebskranken ist sogar das Gegenteil der Fall. Die Forscher vermuten hier einen „response shift“ bei fortschreitender Erkrankung – eine Veränderung innerer Maßstäbe in der Krankheitsverarbeitung.

Kontakt: martin.fegg@med.uni-muenchen.de

HOMe – Hospiz ohne Mauern

Sterbebegleitung bei Kindern im häuslichen Bereich hat sich das Projekt „HOMe – Hospiz ohne Mauern“ des IZP zur Aufgabe gemacht. Bereits 2003 entwickelte der Arbeitskreis Pädiatrische Palliativmedizin am Dr. von Haunerschen Kinderspital um PD Dr. Monika Führer ein Konzept für die koordinierte, multiprofessionelle Palliativbetreuung schwerstkranker Kinder und ihrer Familien. Im Rahmen dieses Konzepts wurden durch die Mitarbeiter der im März 2004 gegründeten Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin – ein gemeinsames Projekt des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin und der Kinderklinik der LMU –  über 150 Patienten zuhause versorgt. Ein Fünftel der betreuten Kinder war jünger als ein Jahr, sieben Kinder wurden bereits pränatal betreut. Die Eltern von 45 verstorbenen Kindern berichteten trotz fortschreitender Erkrankung von einem signifikanten Anstieg der Lebensqualität ihrer Kinder unter der Betreuung durch die Mitarbeiter der Koordinationsstelle. Ähnlich positiv berichten auch die professionellen Helfer von einer deutlichen Verbesserung der Kooperation und der Kommunikation der verschiedenen Berufsgruppen sowie der Betreuung der gesamten Familie. Die positiven Erfahrungen mit der Arbeit der Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin bilden derzeit die Grundlage für die Entwicklung eines Konzeptes für eine flächendeckende pädiatrische Palliativversorgung in Bayern im Auftrag des bayerischen Sozialministeriums.

Kontakt: monika.fuehrer@med.uni-muenchen.de

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