Ludwig-Maximilians-Universität München
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Herzprobleme bei der Fußball-WM 2006

München, 31.01.2008

Bei Fußballfans kommt es bei wichtigen Spielen mitunter zu emotionalem Stress. Die Frage, inwieweit dieser zu Herzrhythmusstörungen bzw. Herzinfarkten führen kann, wird bei Fachwissenschaftlern kontrovers diskutiert. Unter Federführung von Dr. Ute Elisabeth Wilbert Lampen und Professor Gerhard Steinbeck von der Medizinischen Klinik I am Klinikum der LMU, Standort Großhadern, konnten LMU-Forscher in einer Studie, die jetzt im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, einen Zusammenhang nachweisen. Die statistische Auswertung der Analyse führte ein Forscherteam des Statistischen Beratungslabors (STABLAB) der LMU unter der Leitung von Professor Helmut Küchenhoff durch.

In der Hauptanalyse der Studie verglichen die Wissenschaftler die Anzahl der kardialen Notfälle an den Tagen, an denen die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Fußballweltmeisterschaft 2006 spielte, mit den übrigen Tagen der WM sowie einem Kontrollzeitraum, der die Jahre 2003, 2005 und 2006 ohne WM umfasste. Als wesentliches Ergebnis zeigte sich eine um den Faktor 2.7 signifikant erhöhte Anzahl von kardialen Notfällen an den Tagen mit einem WM-Spiel der deutschen Mannschaft. Andere Einflüsse, etwa Hitze oder Luftschadstoffbelastung, wurden bei der Analyse berücksichtigt. Die Spitzen der Notfälle traten bei den sehr dramatischen Spielen zwischen Deutschland und Argentinien im Viertelfinale sowie Deutschland und Italien im Halbfinale auf.

Detaillierte Analysen zeigen, dass Männer von dem erhöhten Risiko stärker betroffen sind als Frauen. Bei Personen mit einer bekannten koronaren Herzerkrankung konnte sogar eine Erhöhung des Risikos eines kardialen Notfalls um den Faktor 4 beobachtet werden. Weiter traten die meisten Ereignisse in den zwei Stunden nach Spielbeginn auf, was ein weiterer Beleg für den Zusammenhang zwischen den Notfällen und den Fußballspielen ist.

Die Autoren der Studie schließen, dass bei Stress auslösenden Ereignissen wie sportlichen Großveranstaltungen präventive Maßnahmen zur Risikoreduktion getroffen werden sollten, insbesondere bei Patienten mit schon bekannter Herzerkrankung.

Weitere Details zu der statistischen Auswertung der Studie sind unter www.stat.uni-muenchen.de/stablab zu finden.

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