Ludwig-Maximilians-Universität München
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Forschung zum Schutz der Tiere:

Zwei Forscher erhalten Felix-Wankel-Preis 2007

München, 02.04.2007

Um Forschung auszuzeichnen, die sich dem Schutz der Tiere widmet, wurde 1972 der Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis ins Leben gerufen. Er unterstützt innovative Testmethoden, die dazu beitragen, Tierversuche zu vermeiden. Am 12. April 2007 werden durch die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München Dr. Kristin Schirmer und Dr. Jürgen Biederer mit dem Preis geehrt. Der von der Felix Wankel Stiftung vergeben Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und geht an beide Forscher zu gleichen Teilen.

PD Dr. Kristin Schirmer arbeitet im Bereich der Ökotoxikologie. Im Mittelpunkt Ihrer Forschungsarbeiten steht der Ersatz von Tierversuchen mit Fischen, den am häufigsten eingesetzten Wirbeltieren bei der ökotoxikologischen Risikobewertung von Chemikalien und Industrieabwässern. Sie wird für ihre neuartigen Entwicklungen und innovativen Wege zur Verbesserung der Nutzung von so genannten in vitro-Modellen für die Chemikalienüberprüfung und Umweltüberwachung mit dem Preis ausgezeichnet. Bei der Verwendung von in vitro-Modellen untersuchen die Wissenschaftler, wie Chemikalien auf isolierte Zellen, so genannte Zelllinien, von Tieren im Reagenzglas wirken. Dazu entwickelt Kristin Schirmer und ihre Arbeitsgruppe Methoden, die es ermöglichen, mit Hilfe einzelner Zelllinien von Fischen Toxizitätsstudien durchzuführen, für die man bisher stets Fische im Tierversuch benötigte.

Im Sinne des Tierschutzes sind solche Methoden von besonderer Bedeutung. Denn in den nächsten Jahren warten mehr als 20.000 chemische Stoffe auf ihre Tests auf Umweltverträglichkeit und Toxizität. Grund dafür ist eine neue Richtlinie der Europäischen Union. Diese sieht vor, dass nun auch Altchemikalien, also chemische Stoffe die schon lange im Einsatz sind aber bisher nicht getestet wurden, auf Toxizität überprüft werden müssen. Viele dieser Stoffe werden anhand von Fischen überprüft. Dadurch würde die Anzahl der Fischtests weiter steigen, da sie Voraussetzung für die Zulassung von Chemikalien im Rahmen des Chemikalien- und Pflanzenschutzgesetzes sind. „Gemeinsam mit kanadischen Wissenschaftlern konnten wir zeigen, dass es eine Korrelation zwischen toxischen Wirkungen auf eine Zelllinie aus den Kiemen und den Gesamtfisch gibt“, sagt Kristin Schirmer. „Somit können wir mit solchen Zellkulturen, die jeweils repräsentativ für verschiedene Organe des Fisches stehen, eine Reihe von Tests durchführen, ohne dass jedes Mal ein Fisch sterben muss.“ Die Zellkulturen aus Leber, Kieme oder Darm von Fischen lassen sich inzwischen komplett im Reagenzglas, ohne weitere Verwendung von Tieren kultivieren.

Kristin Schirmer ist Leiterin des Departments Zelltoxikologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Sie ist zugleich Assistant Professor im Department für Biologie an der Universität von Waterloo, Kanada.

PD Dr. med. Jürgen Biederer hat ein Thoraxmodell für die Forschung an bildgebenden Verfahren zur Darstellung der Lunge etabliert. Das Thoraxmodell besteht aus einem Plexiglas-Behälter in der Größe eines menschlichen Oberkörpers. Er ermöglicht es, anstelle von lebenden Versuchstieren Herz und Lungen von Schlachtschweinen für medizinische Experimente zu verwenden. Krankhafte Befunde, z. B. ein Lungenödem oder Metastasen, können damit simuliert werden.

Jürgen Biederer ist Oberarzt am Universitätsklinikums in Kiel. Dort leitet er die radiologischen Einrichtungen in der I. Medizinischen Klinik.

Den Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis gibt es seit 1972. Er ist damit der älteste seiner Art in Deutschland und wurde zum Vorbild für eine Reihe ähnlicher Preise. Seit 1985 erfolgt die Vergabe durch ein Kuratorium in das die LMU als Institution eingebunden ist. Ihm gehören Vertreter der Felix-Wankel-Stiftung, von der Stiftung benannte Wissenschaftler und von der Tierärztlichen Fakultät bestellte Professoren an. Vorsitzender des Kuratoriums ist der Rektor der LMU.

Pressemitteilung

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