Ludwig-Maximilians-Universität München
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Chemie-Nobelpreis für Genforscher Kornberg

LMU-Wissenschaftler Cramer maßgeblich an Arbeit beteiligt

München, 05.10.2006

Prof. Patrick Cramer

Der US-amerikanische Biochemiker Professor Dr. Roger D. Kornberg von der Stanford University wurde mit dem diesjährigen Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Damit wird seine Arbeit an den molekularen Grundlagen der Übertragung von genetischer Information in Proteine bei höheren Organismen gewürdigt. Eine besondere Leistung der Arbeitsgruppe von Roger Kornberg war es, dass sie diese so genannte Gen-Transkription als Prozess erstmals sichtbar machen konnte. Entscheidend dafür war die Möglichkeit, das Schlüsselmolekül zu kristallisieren, weil nur so atomar aufgelöste Bilder davon gemacht werden können. Ausgehend von diesen Aufnahmen kann dann mit Hilfe geeigneter Computerprogramme der dreidimensionale Aufbau des oder der betreffenden Moleküle errechnet werden. Kornberg ist ein Pionier der Transkriptions-Biochemie – und ein wichtiger Mentor auf diesem Gebiet.

Der Durchbruch gelang der Arbeitsgruppe um Kornberg 2000 und 2001 mit drei Veröffentlichungen in der Fachzeitschrift Science, in der die Struktur des Kernbereichs des wichtigsten Enzyms der Transkription, die RNA-Polymerase II, aufgeschlüsselt wird. Erstautor zweier dieser Studien – und damit wichtigster Experimentator – war Kornbergs damaliger Postdoktorand in Stanford, Patrick Cramer. Cramer schaffte es, die Auflösung der Kristalldaten so zu verbessern, dass die erste atomare Struktur gelöst werden konnte, auf der die Folgearbeiten aufbauen. Cramer konnte 2001 auf eine Tenure-track Professur an das Genzentrum der Universität München berufen werden, seit 2004 ist er Lehrstuhlinhaber für Biochemie und Direktor des Genzentrums. Der Transkription und der Kristallografie ist er dabei treu geblieben. „Ausgehend von den Arbeiten in Stanford ist nun das langfristige Ziel unserer Arbeitsgruppe, einen dreidimensionalen Film zu erhalten“, so Cramer. Er soll detailliert die molekulare Maschinerie der Transkription beschreiben und somit Ansatzpunkte für die Genregulation offenbaren, die der Entwicklung der Organismen zugrunde liegt.“ Dazu aber müssen die Forscher die einzelnen Bilder der Natur mühsam abringen, ein paar Schnappschüsse haben sie auch schon im Kasten. Wie aktuell und wichtig diese Arbeit ist zeigt jetzt nicht zuletzt auch Kornbergs Auszeichnung.

"Ich freue mich sehr mit Roger Kornberg und habe ihm gleich gratuliert,“ meint Cramer. „Er gehört zu den wenigen Wissenschaftlern auf unserem Forschungsgebiet, die diese höchste Auszeichnung wirklich verdient haben. Denkt man an sein bisheriges Lebenswerk, dann kommen einem verschiedene wichtige Entdeckungen in den Sinn. Dass die Stockholmer Auswahlkommission in ihrer Begründung nun die molekularen Arbeiten zum Transkriptions-Mechanismus in den Vordergrund stellt, freut mich natürlich besonders, da dadurch mein Beitrag besonders bedacht wird."

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