Ludwig-Maximilians-Universität München
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LMU unterstützt Flüchtlinge und umgekehrt

Flucht nach vorn

München, 31.10.2014

Noch nie waren seit dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen auf der Flucht. Doch gerade die globalen Katastrophen motivieren immer mehr Studierende und Wissenschaftler, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Foto: Haak & Nakat

Sie helfen Neuankömmlingen bei Alltagsproblemen, bieten kostenlose Rechtsberatung oder medizinische Versorgung an. Selbst das Studium hat sich dadurch verändert: So bringen angehende Sprachwissenschaftler Flüchtlingen jetzt Deutsch bei. Im Gegenzug unterrichten junge Afghanen Studierende der Orientalistik in ihrer Landessprache Dari.

Flüchtlinge lernen Deutsch, Studierende lernen Dari
An einigen Fakultäten wird Flüchtlingshilfe bereits im Lehrangebot berücksichtigt. Gemeinsam mit ihren Studierenden schaute sich Dr. Elisabetta Terrasi-Haufe vom Institut für Deutsch als Fremdsprache bei Hospitationen den Unterricht im Berufsbildungswerks Waldwinkel in Aschau am Inn an und entwickelte zusammen mit der Regierung von Oberbayern ein Fortbildungskonzept. Im letzten Schuljahr unterrichteten ihre angehenden Lehrerinnen und Lehrer in einigen Klassen und erprobten neue Materialien. Deutsch wird Flüchtlingen so anhand problembasierter Aufgaben in allen Fächern vermittelt, beispielsweise bei der Kfz-Stunde in der Werkstatt. Zudem haben die engagierten Doktoranden aus Marokko und Burkina Faso des Instituts den jungen Ausländern Mut gemacht. „Viele von ihnen träumen davon, an einer Hochschule zu studieren“, so Terrasi-Haufe. Allerdings bringt der Unterricht nicht nur die Flüchtlinge weiter. „Die angehenden Lehrer lernen durch den Unterricht, ihr berufliches Handeln zu reflektieren und sich ehrenamtlich zu engagieren.“ Auf der Grundlage dieser ersten Erfahrungen wird jetzt das neue Unterrichtsfach „Sprache und Kommunikation Deutsch“ für das Lehramt an beruflichen Schulen entwickelt.

Doch nicht nur die LMU hilft Flüchtlingen – manchmal helfen auch Flüchtlinge der LMU. Angela Parvanta vom Institut für den Nahen und Mittleren Osten wagte ein in Deutschland bisher einzigartiges Experiment: Afghanische Flüchtlinge aus der Münchner SchlaU-Schule unterrichteten LMU-Studierende in ihrer Landessprache Dari. Neben der spielerischen Vermittlung der Sprache waren auch landeskundliche und kulturelle Aspekte Teil des Unterrichts. „Die Studierenden haben durch den Sprachkurs viele Berührungsängste abbauen können“, resümiert Parvanta. Zudem seien laut SchlaU-Schule viele Schüler im Unterricht durch den Austausch deutlich offener geworden und würden die Universität nicht mehr als Fremdkörper wahrnehmen.

Praxiserfahrungen sammeln – Studierende helfen Flüchtlingen
Insbesondere Studierende engagieren sich für die Flüchtlinge. Eine davon ist Franziska Faßbinder. Sie gründete vor einem Jahr die Refugee Law Clinic Munich, die Asylbewerbern kostenlose Rechtsberatung anbietet. In den wöchentlichen Sprechstunden in Dachau geht es um Ausländerrecht, Krankenhausrechnungen, Handyverträge oder Ärger mit dem Sozialamt. „Dadurch können Jurastudenten Erfahrungen in der Praxis sammeln und Menschen anderer Kulturen kennenlernen“, berichtet die angehende Juristin. Geschult werden die Studierenden in der neuen Vorlesung Asylrecht und in Intensivkursen. Inzwischen hat die Gruppe fast 60 Mitglieder, inklusive 16 Übersetzern und neun Anwälten zur Expertise.

An der medizinischen Fakultät gründete Fabian Jacobs bereits 2011 „International Medical Culture“ (IMECU) . Durch das Projekt wird die Interkulturelle Kompetenz im Medizinstudium gefördert. Zum Beispiel zu Fragen, welche Möglichkeiten es gibt, wenn Flüchtlinge keine Aufenthaltsgenehmigung oder Krankenversicherung haben und rein rechtlich trotz Krankheit abgewiesen werden müssten. „Das wird auf jeden Arzt zukommen, daher müssen sich Studierende schon jetzt überlegen, wie sie mit dieser Frage umgehen.“ In Seminaren mit Experten diskutieren die angehenden Ärzte, wie beispielsweise die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Bayern verbessert werden und welchen Beitrag jeder Einzelne dazu leisten kann. „Davon profitiert die LMU, aber auch die Gesellschaft“, schwärmt Jacobs und kann schon auf erste Erfolge verweisen: MigraMed. Die studentische Initiative von einigen seiner ehemaligen Teilnehmer betreut in Zusammenarbeit mit der Caritas Flüchtlinge und ihre Familien bei medizinischen Fragen, Arztbesuchen oder Sprachproblemen.

Weitere Projekte sowie ein Interview zum Thema „Bildung für junge Flüchtlinge“ können Sie in der Titelgeschichte des neuen Münchner UniMagazins lesen, das seit heute ausliegt. Natürlich kann die aktuelle MUM auch hier heruntergeladen werden.