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Jüdische Geschichte und Kultur

Mit der Welt im Austausch

München, 05.07.2017

Michael Brenner zeigt die globalen Bezüge des Judentums auf – einer Religion, die über die Jahrtausende die Weltgeschichte mitgeprägt hat. Jetzt feiert sein Lehrstuhl 20-jähriges Bestehen.

Strenge Tradition und Moderne: Orthodoxe am Strand von Tel Aviv, dem säkularen Zentrum Israels. Foto: Markus Kirchgessner/laif

Den Anstoß gab eine private Spende, sie machte es möglich, einen Lehrstuhl einzurichten, auf den Michael Brenner 1997 berufen wurde. Heute ist die Einrichtung weltweit anerkannt – und noch immer einzigartig in Deutschland. Es ist der erste Lehrstuhl für Jüdische Geschichte innerhalb der Geschichtswissenschaft. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens hat der Schriftsteller, Publizist und Orientalist Navid Kermani an der LMU einen Vortrag mit dem Titel „Auschwitz morgen. Über die Zukunft des Erinnerns“ gehalten.

Von Anfang war es das Ziel des Lehrstuhls, die jüdische Geschichte in ihrer ganzen Breite zu erforschen und zu präsentieren. „Oft wird jüdische Geschichte nur mit Blick auf den Holocaust wahrgenommen“, sagt Michael Brenner. „Das ist zwar wichtig, aber der Lehrstuhl versucht, die reichhaltige jüdische Geschichte aufzuzeigen, die vorher bestand, und zu zeigen, was seitdem passiert ist.“ Welche Linien er dabei verfolgt, zeigt das folgende Porträt.


Moses Maimonides stammte aus Cordoba, im Alter von 13 Jahren aber musste er seine Geburtsstadt von einem Tag auf den anderen verlassen. Mit seiner Familie floh er zunächst nach Marokko, später lebte er in Jerusalem und Ägypten. Sein Lebenslauf erscheint fast sinnbildlich für die Bedingungen, unter denen der jüdische Glauben über Jahrtausende gelebt wurde. Als Angehöriger einer religiösen Minderheit war Maimonides auf die Toleranz der jeweils Herrschenden angewiesen. Als im Jahre 1158 die Almohaden, ein nordafrikanischer Berberstamm, die Iberische Halbinsel eroberte und alle Synagogen und Kirchen schloss, war er mit seiner Familie zur Migration gezwungen – so wie es vielen Juden im Laufe der Jahrtausende erging.

Doch die Lebensgeschichte des Maimonides ist mehr als die Geschichte einer Flucht. Sie ähnelt einer erfolgreichen transnationalen Biografie, von der auch sein neues Heimatland profitierte, selbst wenn Maimonides aufgrund seiner Herkunft sich doch immer auch abhob von seiner Umgebung. Maimonides studierte Medizin in Marokko, wurde Hofarzt beim Sultan in Kairo und einer der einflussreichsten jüdischen Gelehrten, der über seine Zeit hinaus Philosophen wie Thomas von Aquin und Gottfried Wilhelm Leibniz beeinflusste.

„Juden waren nicht immer auf Wanderschaft, aber Wanderschaft hat die jüdische Geschichte über sämtliche Epochen und Kontinente hinweg charakterisiert“, schreibt Michael Brenner in seinem Buch Kleine jüdische Geschichte. Brenner ist Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert und bei seiner Gründung der erste Lehrstuhl für jüdische Geschichte an einem historischen Institut einer deutschen Universität war. Dem LMU-Wissenschaftler liegt viel daran, den Blick auf die jüdische Geschichte zu weiten. „Mir ist wichtig, die vielfältigen Perspektiven des Judentums als Glaubensgemeinschaft aufzuzeigen. Die jüdische Geschichte lässt sich nicht nur als Verfolgungsgeschichte darstellen, und Juden waren nicht nur Objekte der Geschichte. Sie haben ihre eigene Geschichte in verschiedenen Ländern und Kontinenten gestaltet“, sagt Brenner.

Über Jahrtausende war die Diaspora die dominierende Lebensform der Juden. Das Motiv der Wanderschaft prägt die Religion von ihrem Anfang an. „Geh hinweg“, befahl Gott Abraham, mit dem die jüdische Geschichte beginnt, und Abraham wanderte der hebräischen Bibel zufolge in das Land Kanaan – ein Gebiet, das sich mit Teilen des heutigen Israel und Palästina überschneidet. Sein Urenkel Josef zog nach Ägypten, aus dem Moses Jahrhunderte später die Juden zurück in ihre Heimat führte. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer im ersten Jahrhundert nach Christus verloren die Juden ihr staatliches Zentrum, doch niemals ihr geistiges. Juden lernten, ohne eigenen Staat zu leben. Michael Brenner bezeichnet sie gar als „Überlebenskünstler“.

Ein Leben zwischen Toleranz und Ausgrenzung
„Die jüdische Religion ist durch eine gewisse Dialektik gekennzeichnet zwischen der Erfahrung des Exils, vielleicht sogar mehr als der Wanderschaft, und dem Gefühl einer Heimat verbunden zu sein, nämlich dem Land Israel“, sagt Brenner. Auch in den Jahrhunderten und Jahrtausenden des Exils tauche diese Verbundenheit immer wieder auf. „In den Grundgebeten, die drei Mal täglich gesprochen werden, ist immer die Rede von der Rückkehr nach Zion. Doch diese Sehnsucht wurde in eine weite Ferne und Zukunft geschoben, in das messianische Zeitalter. Dadurch haben sich Juden über die letzten zwei Jahrtausende in ihrer jeweiligen Heimat eben auch eine neue Heimat aufbauen können.“

Es gab und gibt viele jüdische Orte der Heimat auf der Welt. Dabei hat die jüdische Religion nicht nur den Glauben, sondern immer auch die Alltagsnormen der Juden bestimmt. „Handeln hat in der jüdischen Religion mehr Gewicht als der Glauben. Der Rabbiner fragt nicht: Was glaubst du? Sondern: Was tust du?“, erklärt Brenner. Bibel und Talmud vermittelten Juden in der Diaspora sowohl die Grundlagen des täglichen Lebens als auch einen Leitfaden für die Betrachtung philosophischer Fragen. Dabei war das Jüdischsein nie nur eine Frage des Glaubens, sondern auch der ethnischen Zugehörigkeit. Jude war zumeist, wer einer jüdischen Familie entstammte. 

Während das Christentum seinen Siegeszug begann und unter dem römischen Kaiser Konstantin erst zur Staats-, dann zur Weltreligion wurde, lebten die Juden ihren Glauben stets als Minderheit in islamischen und christlichen Staaten, wobei zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert die Mehrheit auf islamischem Gebiet lebte. Die Haltung, mit der man ihnen dort begegnete, schwankte je nach herrschender Politik zwischen Toleranz und Ausgrenzung. Obwohl Juden ihre jeweils eigene Lebenswelt hatten, gab es Zeiten, in denen sich die Religionen gegenseitig beeinflussten. So entwickelte sich zum Beispiel durch die Übersetzung der Bibel ins Arabische ein Austausch über biblische Texte über die Religionsgrenzen hinweg. Auch der jüdische Philosoph Maimonides war mit Gelehrten verschiedener Glaubensrichtungen befreundet. Sein Werk Führer der Unschlüssigen hatte eine große Wirkungsgeschichte unter christlich-arabischen und muslimischen Gelehrten. Diesen Gedanken aufgreifend hat Michael Brenner gemeinsam mit seinen Kollegen vom Institut für den Nahen und Mittleren Osten im Jahr 2003 die Allianz-Gastprofessur für Jüdische und Islamische Studien an der LMU initiiert mit dem Ziel, den Dialog zwischen dem jüdischen und islamischen Kulturkreis zu fördern.

Mit der Hebräischen Bibel, dem „zweifelsfrei einflussreichsten Buch der Weltliteratur“, wie Michael Brenner schreibt, hatten die Juden den Grundstock des Christentums und des Islams geschaffen. Brenner weist darauf hin, dass ihre Religion einerseits Ursache für ihre gesellschaftliche Stellung war, die immer mit der Zuschreibung des Anderen verknüpft war. Zugleich war sie auch der Grund dafür, dass das Judentum als kleine Gruppe, über die Jahrtausende überhaupt überleben konnte – es stellte niemals mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Insbesondere im Verhältnis zwischen Juden- und Christentum spielte die theologische Nähe eine Rolle: „Das Christentum hat in der Regel dazu aufgerufen, Juden zu tolerieren – zwar nicht als gleichwertig, sie waren diskriminiert so wie dies jede religiöse Minderheit in der vormodernen Gesellschaft war – aber sie durften überleben und ihre Religion ausüben. Es war aber zugleich die Nähe“, sagt Brenner, „die zu dem Bedürfnis führte, sich abzugrenzen, insbesondere von Seiten des Christentums als der jüngeren Glaubensgemeinschaft.“

Durch die Zwänge, unter denen Juden im christlichen Westeuropa lebten, durch das, was sie durften, und was nicht, etwa bei der Berufswahl, wurden sie eine Gruppe am Rand der Gesellschaft und auch als solche wahrgenommen. „Die meisten Juden befanden sich in der Sichtweise der dominierenden Schichten außerhalb der christlichen Gesellschaftsordnung, aber es gab natürlich immer Ausnahmen.“ Einzelne hatten im Laufe der Zeit, auch unter islamischer Herrschaft, herausgehobene gesellschaftliche Positionen inne wie zum Beispiel der jüdische Politiker und Gelehrte Samuel ibn Nagrela, der im frühen Mittelalter Wesir und Armeegeneral am Hofe von Granada sowie ein bekannter Dichter war. Sein Sohn allerdings fiel Intrigen am Hof zum Opfer. Für Michael Brenner macht diese Familiengeschichte „die Tragik und Unsicherheit jüdischen Schicksals“ deutlich.

Die Suche nach dem Sündenbock
Erst im Zuge der Aufklärung änderte sich der Blick auf die Juden. In ganz Westeuropa verbesserte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre rechtliche Situation, die Gesellschaft öffnete sich – scheinbar. Tatsächlich entstanden neue Ressentiments, wie Brenner erklärt: „Die Industrialisierung führte zum Abstieg und zur Verarmung großer Bevölkerungsschichten. Wer am unteren Rand der Gesellschaft war, konnte bislang immer noch auf ,die‘ Juden herabschauen. Dieses Gefühl, dass auf einmal sogar ,die‘ Juden gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft waren, in der man selbst am Rande stand, hat zu heftigen Reaktionen geführt.“

Mit solchen Angriffen verbunden seien immer auch theologische Argumente gewesen. So lebte Ende des 19. Jahrhunderts die Ritualmordlegende aus dem Mittelalter wieder auf, wonach Juden christliche Kinder zu rituellen Zwecken umgebracht hätten. „Die Suche nach einem Sündenbock für die eigene Misere existiert immer, und es gab nicht so viele ,Andere‘ in der Gesellschaft außer den Juden.“ Sie seien sogar im Laufe der Zeit in den Augen der Mehrheitsgesellschaften zu den „klassisch Anderen“ geworden. Ihr gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aufstieg im 19. Jahrhundert löste Neid aus – der Nährboden für den aufkeimenden Rassegedanken, der schließlich im Zivilisationsbruch des Holocaust mündete. Der Historiker Fritz Stern nannte diesen Neid „die Bürde des Erfolgs“.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts war in West- und Mitteleuropa aus der zuvor fast ausschließlich auf dem Land lebenden jüdischen Bevölkerung innerhalb von nur ein, zwei Generationen eine städtische-bürgerliche Gesellschaftsgruppe geworden, die auch im kulturellen Leben führende Persönlichkeiten hervorbrachte. Gerade aus der deutsch-jüdischen Erfahrung könne man lernen, „was eine Minderheit in eine Gesellschaft einbringen kann“, sagt Brenner in einem Interview. Die gesellschaftliche Teilhabe hatte auch Auswirkungen darauf, wie der jüdische Glaube gelebt wurde. Die westeuropäischen Juden pflegten einen zunehmend säkularen Lebensstil. Viele hatten an der deutschen Kultur und Gesellschaft teil und verknüpften ihre jüdische Identität stärker mit dem privaten Bereich und dem nur dort gelebten religiösen Bekenntnis. Einige Juden konvertierten zu dieser Zeit, darunter etwa Heinrich Heine, Gustav Mahler und die Eltern von Felix Mendelssohn Bartholdy. Oftmals seien Karrieregründe für die Taufe ausschlaggebend gewesen, so Brenner.

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Die Hoffnung auf das Leben in einem "normalen" Staat: Jüdische Einwanderer in Hafen von Tel Aviv, Mai 1948. Foto: dpa-Bildarchiv/pa

Theodor Herzl, der 1860 in eine säkulare jüdische Familie geboren wurde und sich selbst als „Bürger deutscher Kultur“ sah, erkannte als junger Mann, dass dieses Bemühen um Integration einseitig war. Er sah sich als Student und später als Feuilletonredakteur immer mit seinem Jüdischsein konfrontiert und als „Fremdling“, wie er einmal sagte, abgestempelt. „Zunächst hat er einen sehr traditionellen Ausweg gesucht und überlegt, sich katholisch taufen zu lassen. Aber er hat schnell realisiert, dass das keine Antwort auf den rassisch begründeten Antisemitismus war. Er hat einen Ausweg daraus gesucht und schrieb: ‚Wenn man uns nicht lässt und man wird uns nicht lassen, dann müssen wir eben einen eigenen Staat gründen.‘ Sein Zionismus ist aus dem Antisemitismus, aus der Ablehnung heraus geboren“, sagt Brenner. Herzls Ziel war es, aus den Juden ein ganz „normales“ Volk mit einem „normalen“ Staat zu machen – sei es in Palästina, Argentinien, Ostafrika oder anderswo. Bei seinen jüdischen Zeitgenossen stieß seine Vorstellung auf Vorbehalte und mitunter starke Ablehnung, vor allem, da Herzl von einem jüdischen Volk sprach – während sich die Juden doch zunehmend als Bürger des jeweiligen Staates sahen, in dem sie lebten, und eher als Religionsgemeinschaft definierten.

Der jüdische Staat, den sich Herzl vorstellte, hatte allerdings „wenig Jüdisches an sich“, meint Brenner. Vielmehr habe ihm eine Art Schweiz im Nahen Osten vorgeschwebt, in dem Juden so leben können sollten, wie Herzl es aus Wien kannte: „Herzl stellte sich vor, dass man das Beste aus Europa mitnimmt – englische Internate, französische Opern, Wiener Kaffeehäuser. Er entwarf eine Gesellschaft, in der jeder seinen Glauben ausüben können sollte, die aber letztlich sehr säkular war.“ Wichtiger schienen Herzl die sozialen Errungenschaften und der technische Fortschritt. „Er sprach vom Sieben-Stunden-Land und stellte sich vor, dass ,die Rabbiner in ihren Gebetstuben und die Soldaten in ihren Baracken‘ bleiben.“

Im eigenen Land bald in der Minderheit
Ob die Heimat der Juden Israel oder die ganze Welt sei, war unter Juden jedoch umstritten und ist es bis heute – ebenso wie die Frage, wer Jude ist und ob dafür Herkunft oder Bekenntnis ausschlaggebend sind. Als sich nach dem Holocaust 1948 die Vision eines jüdischen Staates verwirklichte, den der britische Außenminister Lord Arthur Balfour bereits 1917 den Juden versprochen hatte, schrieben die Staatengründer der Religion ganz im Sinne Herzls keine große Bedeutung zu. „Der Staat Israel in den ersten Jahrzehnten war geprägt von einem sozialistischen Zionismus, die Rolle der Religion schien marginal. Das hat sich gründlich geändert“, sagt Brenner. Die säkular-jüdische Bevölkerungsgruppe war in Israel seit der Staatsgründung immer in der Mehrheit. Heute steht ihr eine wachsende orthodoxe Minderheit gegenüber, die inzwischen über zwanzig Prozent der Bevölkerung ausmacht. „Das ist eine Entwicklung, die weder Herzl noch die Gründer des Staates Israel vorausgesehen haben“, sagt Brenner. Sie wird dazu führen, dass die säkulare Bevölkerung Israels im eigenen Land bald zur Minderheit wird. Michael Brenner sieht diese Entwicklung kritisch: „Die jüdische Religion, die das Judentum über Jahrhunderte aufrechterhalten hat, kann die Juden auch spalten“, schrieb er etwa in einem Beitrag für die Zeitung Jüdische Allgemeine.

Bereits heute lebt dadurch das Motiv der Wanderschaft wieder auf, diesmal geht es um eine zunehmende regionale Polarisierung: Die Binnenwanderung führt dazu, dass sich Jerusalem zu einer orthodox-jüdischen und arabischen Stadt entwickelt hat, während in Tel Aviv der säkulare Lebensstil dominiert. Zudem gibt es inzwischen eine beachtliche israelische Diaspora; so leben beispielsweise viele junge Israelis in Berlin. Insgesamt leben mehr als eine halbe Million Israelis im Ausland.

Im Jahr 2015 hat Michael Brenner zum fünfzigjährigen Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel das Zentrum für Israel-Studien an der LMU gegründet und damit einen institutionellen Rahmen für die interdisziplinäre Forschung über Israel geschaffen. Ein Ziel des Zentrums ist es, Wissen über das Land in die deutsche Gesellschaft zu tragen, unter anderem durch die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Auch durch die Themen von Tagungen, die mal jüdischem Humor, mal jüdischer Sportgeschichte gelten, und verschiedener Vortragsreihen öffnet Michael Brenner regelmäßig einem breiteren Publikum die Tür zu seinen Forschungsarbeiten. Auf eine solche Öffnung hat Brenner schon von der Gründung seines Lehrstuhls an Wert gelegt. So ist es ihm auch wichtig, auf eine Ausstellung im Jüdischen Museum in München zu verweisen („Jüdisches Leben in München in den 1950/60er-Jahren“), das Ergebnis einer Übung mit Studierenden, aus der auch ein Dokumentarfilm des Bayerischen Rundfunks hervorging, sowie auf das weltweite Netzwerk seiner Absolventinnen und Absolventen.

In seiner jüngsten Publikation widmet sich Michael Brenner dem Staat Israel selbst, der weiterhin als Sehnsuchtsort für Juden auf der ganzen Welt dient, die in mehr als 100 Länder zerstreut in der Diaspora leben, und zugleich Lebensalltag für acht Millionen Menschen ist. Doch entgegen Herzls Wunsch wird er eben nicht als „normaler“ Staat wahrgenommen. Folgt man Michael Brenner. erscheint dies fast schicksalshaft: „In gewisser Weise nimmt der Staat Israel auf kollektiver Ebene sieben Jahrzehnte nach seiner Gründung dieselbe Rolle des ,anderen‘ ein, die die Juden Jahrtausende lang als Individuen gespielt haben.“ Nicola Holzapfel

brennerProf. Dr. Michael Brenner ist Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU und ständiger Gastprofessor für Israel-Studien an der American University in Washington DC. Brenner, Jahrgang 1964, studierte Jüdische Studien und Geschichte an der Hochschule für Jüdische Studien und der Universität Heidelberg mit Studienaufenthalt an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er promovierte an der Columbia University, New York, lehrte und forschte an der Indiana University in Bloomington, und der Brandeis University in Waltham, USA, bevor er 1997 an die LMU kam.


Der Text ist der neuesten Ausgabe des LMU-Forschungsmagazins Einsichten entnommen. Das Heft mit dem Themenschwerpunkt „Glaubensfragen“ erscheint Mitte Juli.